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John Peel (2004)

"Ich wollte einfach nur DJ sein"

Interview: Barbara Mürdter und Kai Bempreiksz



Poster John Peel Day Radio Flora 2005
(Grafik: Barbara Mürdter / Foto: Danna Takako Hawley / Fabric London)

Im Moment schreibst du deine Autobiografie. Eigentlich ein guter Anlass, auch mal wieder über alte Zeiten zu reden. Ich vermute, dass dich das sonst eher nervt.
Stimmt. Ich mach das eigentlich nicht so gern. Für mich ist das absurd, weil ich ja jetzt lebe. Das andere ist abgeschlossen und Vergangenheit.

Ja, jetzt geht es erstmal ganz weit zurück. Wie hat deine Affinität zum Radio überhaupt angefangen?
Ich war sicher ein Radio-Fan, als ich aufgewachsen bin. Es gab aber keine Sendungen, die sich direkt an Leute richtete, die so ähnliche Interessen hatten wie ich. So mußte man sich vorrangig Wunschmusiksendungen anhören und hoffen, das da mal eine Platte läuft, die man gut findet. Es gab ein paar ganz gute Sendungen auf Radio Luxemburg und AFN. Ich habe immer gedacht, daß die DJs ihre Musik selbst aussuchen - ich kam nie auf die Idee, daß die nur nach Playlist arbeiten. Ich dachte, das könnte mir auch Spaß machen. In Großbritannien gab es damals aber absolut keine Chance, so etwas zu machen. Als ich jedoch 1960 in die USA gegangen bin, dachte ich, daß es da vielleicht eine Möglichkeit dafür gibt.

Hast du dich dann einfach bei irgendwelchen Radiostationen vorgestellt?
1961 ging ich zu einer Radiostation in Dallas, wo ich wohnte. Die hatten eine Show namens „Cat‘s Caravan“ (WRR Radio Dallas). Das war eine Rhythm`n`Blues-Sendung. Ich hatte ein paar Platten, die die nicht hatten. Zu denen durfte ich dann im Radio was sagen. Speziell ging es um eine Lightnin‘-Hopkins-LP namens „A Rooster Crowed in England“, die nur in England erschienen war. Lightnin‘ Hopkins war sehr angesagt in Dallas. Er hatte sogar irgendwann mal einen Nr.1 Hit in den Pop Charts. Dann war ich öfter mal in der Sendung und bekam schließlich einen regelmäßigen Termin für eine Stunde am Montagabend. Als ich dann mal nach Geld fragte, fanden die das nicht so toll und das war‘s dann. Es war jedoch ein Anfang und ich hatte gemerkt, wieviel Spaß ich am Radiomachen habe.

Wie kamst du dann an richtige Jobs?
Als die Beatles kamen, habe ich einen kurzzeitigen Vollzeitjob als Beatles-Experte gekriegt, nur weil ich aus der gleichen Gegend der Welt kam wie sie. Da bin ich auf der Straße von Fans verfolgt worden. Das war schon aufregend, das passiert einem ja auch nicht so oft. Nur weil ich aus Liverpool komme! Ich bin mit einem DJ in einem Laden gegangen, wo wir ein paar Beatles-Platten verschenken wollten. Wir dachten, daß da so 50, 60 Leute auftauchen würden - dann waren so 3500 Leute da, und fast alles junge Mädchen.

Als der DJ mich dann vorstellte und sagte: “Das ist unser Freund aus Liverpool“, und mich fragte, wie lange ich schon in Dallas bin, sagte ich: „Dreieinhalb Jahre.“ Nur weil ich „half“ mit einem britischen Akzent ausgesprochen habe, sind die durchgedreht. Ich habe nicht mehr als das gesagt und die haben den ganzen Laden auseinander genommen. Danach bin ich jedesmal, wenn ich in die Innenstadt von Dallas gegangen bin, von ganze Scharen junger Mädchen verfolgt worden. Da bin ich natürlich so oft wie möglich in die Innenstadt von Dallas gegangen.

Aber ich wußte gar nichts über die Beatles, hatte sie nie gehört und kannte auch niemanden zu Hause, der mir was über sie erzählen konnte. Also mußte in Büchern nachschlagen, wenn ich diese Sendungen zu den Beatles machte. Da haben dann Mädchen angerufen und nach der Augenfarbe von Paul McCartney gefragt oder sowas. Ich habe dann gesagt: „Oh, ich beantworte die Frage nach dem nächsten Song.“ Während der Song lief, habe ich dann schnell nachgeguckt. Da war ich wohl ein kleiner Schwindler in der Beziehung.

Ich selbst habe viel Rhythm`n`Blues gehört, der war sehr populär in Dallas und im Süden der USA.

Dann habe ich einen Vollzeitjob bei einem Radiosender in Oklahoma City bekommen. Nach anderthalb Jahren habe ich den Job aber wieder verloren, weil die Hörerzahlen zurückgingen. Ich war der Letzte, der eingestellt worden war, und flog so auch als erster raus. Dann habe ich mich in Kalifornien für zwei Jobs beworben, einen in San Bernardino und einen anderen in San Diego. Ich bekam von beiden Zusagen, mit den gleichem Gehalt.

Da ich fand, dass San Bernardino ein hübscherer Name war, ging ich dort hin. Da gab es viele Bands und der Sender hat auch gute Konzerte ausgestrahlt: die Rolling Stones, die Byrds oder Buffalo Springfield – das war das erste Konzert, das Buffalo Springfield je spielten. Da gab es auch ein paar gute Lokalbands, z.B. ein Typ namens Buddy Reed & th‘ Rip it Ups. Jede Stadt hat ein paar ganz vernünftige Bluesbands, und Buddys ist eine davon.

Da gab es ja auch diese Band The Misunderstood, die du ein bisschen gefördert hast. Wie kam das?
In San Bernardino gab es auch eine Band namens North Side Moss, die ich mochte und zu deren Konzerten ich immer ging. Als die bei der Eröffnung eines neuen Einkaufszentrums in Riverside (Kalifornien) auftraten, haben auch The Missunderstood dort gespielt. Als ich die hörte, dachte ich sofort: „Das ist ‘ne richtig geile Band“. Ich hab dann ein bißchen mit denen rumgehangen, war bei ihren Aufnahmen in Hollywood dabei und ging mit zu vielen Konzerten. Letztendlich habe ich sie überredet, nach England zu gehen. Da haben sie etwa sechs Monate bei meiner Mutter in Notting Hill gewohnt - sie hat mir das nie wirklich verziehen, muß ich zugeben [lacht]. Sie haben da auch ein paar Klassiker aufgenommen.

Da bist du so eine Art Manager gewesen. Hast du Ambitionen gehabt, das intensiver zu betreiben, ins Musikbusiness einzusteigen?
Ich hab mich da immer nur in den Randzonen bewegt, so richtig einsteigen wollte ich da nie. Ich wollte einfach ein DJ sein, ein paar Platten umsonst bekommen und sie im Radio spielen. Ich wollte nie ins Plattengeschäft einsteigen, weil jede Erfahrung, die ich damit hatte, ziemlich unangenehm war.

Nachdem du deiner Mutter die Misunderstood auf den Hals gehetzt hattest, bis du selbst recht bald wieder nach England gegangen.
Ich bekam Heimweh und auch mein Privatleben in Kalifornien wurde ein bißchen kompliziert. 1967 habe ich mich dazu entschlossen, wieder nach Hause zu gehen. Ich habe dann einen Job auf einem Schiff beim Piratensender Radio London bekommen.

Gab es dafür Geld?
Ja. Nicht sehr viel, aber immerhin. Komischerweise über eine spezielle Steuerregelung, weil die ja von Schiffen außerhalb der britischen Hoheitsgewässer sendeten. Ich habe da sechs Monate gearbeitet. Dann mußte der Piratensender wegen des Marinestrafgesetzes (Marine Offences Bill) von 1967 dicht machen. Dann habe ich mich bei BBC Radio 1 beworben, habe einen Vertrag für sechs Monate bekommen und seitdem bin ich hier.

Radio 1 war ja damals gerade von der BBC ins Leben gerufen worden.
Radio 1 wurde meiner Meinung nach von der BBC als Reaktion auf die Empörung nach der Schließung der Piratensender eingeführt. Die „Pirates“ waren total populär. Da hat sich wohl die Regierung um Stimmverluste gesorgt – solche Entscheidungen werden ja meistens aus zynischen Gründen gefällt. So haben die BBC und die Regierung gedacht, eine Popmusikstation wäre ‘ne gute Idee.

Ohne es beweisen zu können würde ich behaupten, die wollten das für ein paar Jahre laufen lassen und dann wieder dicht machen – was, wie man feststellen kann, nicht passiert ist. Natürlich war das was ganz anderes als bei den Piratensendern, die Atmosphäre war nicht so entspannt. Die BBC-Tradition wollte es z.B., dass Sendungen vorher geprobt werden. So kam es, daß wir zumindest zu Anfang immer einen Probedurchlauf machen mußten, bevor wir auf Sendung gingen.

Radio 1 war also immer ein Stiefkind der BBC.
Als das mit Radio 1 losging, wurde es als ziemlich entwürdigend empfunden, daß sich die BBC so stark mit Popmusik abgibt. Ich glaube, eine Menge Leute in den Führungsetagen der BBC haben gehofft, daß das schief geht und sie weiter das machen können, was sie glaubten, am besten zu können. Als ich zum ersten Mal vorschlug die Sessions, die wir aufnahmen, als Platten zu veröffentlichen, fanden sie das zutiefst vulgär. Geld aus dem zu machen, was sie produzierten, wurde allen Ernstes als schockierend empfunden.

Aber das Wunderbare an der BBC ist, daß sie in der ganzen Zeit, seit ich da arbeite, nie den Versuch unternommen haben, sich inhaltlich in das Programm einzumischen. Die mochten es vielleicht nicht, und sie mochten mich vielleicht auch nicht, aber sie haben mich zufrieden gelassen, und mich machen lassen - das ist schon ziemlich außergewöhnlich.

Hat sich aus deiner Sicht der Status von Popmusik allgemein und bei der BBC im Speziellen verändert?
Oh ja, ich glaube schon, ohne Zweifel. Nun, Popmusik beschreibt eine sehr große Bandbreite, aber heute produzieren die seriösen Zeitungen Musikbeilagen, sie haben Plattenbesprechungen und Konzertreviews. Die meisten Platten davon sind zugegebenermaßen von Majorlabels. Ich denke da ziemlich zynisch, daß diese Platten besprochen werden, und nicht die obskuren, liegt daran, daß da die Möglichkeit besteht, Werbegelder zu bekommen.

Aber immerhin schreiben sie überhaupt darüber und haben auch so Artikel, in denen es um Musik geht. So ist Pop in gewisser Weise sehr viel respektabler geworden. Man darf nicht vergessen, das Leute, deren Leben durch Elvis verändert wurde wie bei mir, heute über 60 Jahre alt sind, also den Großteil der Bevölkerung ausmachen.

Die deutsche Radiolandschaft wird derzeit immer mehr von Formatradio dominiert. Die wenigen Autorensendungen mit unkonventioneller Musik werden auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern immer mehr auf schlechte Sendeplätze verdrängt oder ganz gestrichen. Nur im ehrenamtlichen Bürgerfunk werden noch die Fahnen hochgehalten, da nehmen die Hörer auch gern mal Stottermoderationen in Kauf. Wie sieht die Radiolandschaft in England aus?
Da draußen wo ich wohne gibt es keine Piratensender, aber in London gibt es Sender, besonders im Bereich Black Music, die eine Menge Songs spielen, die nicht oder selten im Mainstream-Radio laufen. Leider neigen die Moderatoren dieser Piratensender häufig dazu, die schlechtesten Seiten des Mainstream-Radios zu reproduzieren: sie reden zu viel oder grüßen ihre ganzen Freunde [lacht]. Man denkt dann: „Nun mach mal, spiel Musik!“.

Bei der BBC gab es lange Zeit nur meine Sendung und noch ein paar andere, die unter dem Namen „The Sound of the 70s“ geführt wurden. Unsere offizieller Programmauftrag war es, Musik zu spielen, die nicht in den Charts war oder am Tag im Radio lief. Für einige Zeit gab es dann gar nichts in der Art außer meiner Sendung. Jetzt gibt es massenhaft Sendungen, die von kein Playlisten-Kommitee abhängig sind, wo die Produzenten und DJs – oft ein und die selbe Person - spielen können, was sie wollen.

Wie hast du dann diese musikalische Wende Mitte der 70er Jahre erlebt? Siehst du aus heutiger Perspektive einiges anders?
Ich ging damals immer in den Virgin–Plattenladen in Marble Arch in London. Da ließ mich der Inhaber die Platten zum Anhören mitnehmen, und mußte nur die bezahlen, die ich behalten wollte. Eine Platte, die ich dort fand, war die erste Ramones-LP. Ich fand es erstmal faszinierend, dass das Bild auf dem Cover schwarz-weiß war, und die Ramones sahen nicht so aus wie die Leute auf den anderen Platten. Als ich dann die Songs hörte - alle nur anderthalb, zwei Minuten lang, war das total anders als das, was alle anderen damals machten. Es war total aufregend, fast beunruhigend, so wie beim ersten Mal, als ich Rock`n Roll hörte. Es war so rauh und elementar, dass man gar nicht genau wußte, wie man darauf reagieren soll.

Ich habe dann Songs von dem Album gespielt, und Leute haben mir mehr solche Platten zugeschickt. Dann kamen bekanntermaßen die Sex Pistols, die Damned und viele andere. Die Sex Pistols mochte ich damals, aber bin mir nicht so sicher ob ich das heute noch so sehen würde. Also, „Holidays in the Sun“ finde ich immer noch gut, bei den anderen Sachen zweifle ich eher.

Das war jedenfalls so schnell so angesagt, daß das Durchschnittsalter der Hörer der Sendung innerhalb weniger Monate um zehn Jahre sank. Es war das einzige Mal, daß meine Sendung so populär war, das man das Gefühl hatte, daß das Publikum den Geschmack auch ein wenig diktierte. So muß sich das anfühlen, wenn man angesagt ist - die Leute wollen dann die Hits hören. Ich habe mich dabei nicht wohl gefühlt und war ganz froh, als die erste Punkwelle wieder vorbei war und ich wieder wie früher arbeiten konnte.

Warst du in der ganzen Zeit nicht auch irgendwann mal von Popmusik gelangweilt? Oder gab es eine Epoche, die du musikalisch uninteressant fandest?
Nie wirklich. Ich war, glaube ich, schon ein wenig gelangweilt bevor Punk kam, aber man merkt das ja in dem Moment selbst nicht. Die Platten, die ich vor meiner ersten Rock`n Roll-Scheibe gekauft hab, mochte ich ja auch wirklich. Als dann Rock`n Roll kam, dachte man: Ja, verdammt, das ist es. So ähnlich war das auch mit Punk, die selbe Welle von verstärktem Interesse.

Heutzutage wird soviel verschiedene Musik von so vielen verschieden Leuten auf so viele verschieden Weisen in so vielen verschieden Formaten gemacht, daß man sich da kaum langweilen kann. Die reine Menge an Veröffentlichungen macht mir Kopfschmerzen, und die völlige, absolute Unmöglichkeit, das alles zu hören. Ich habe mal gezählt, um es mal bei einem Anlaß wie jetzt anzubringen: letzte Woche habe ich an einem Tag allein 158 CDs bekommen, das sind ca. 500 pro Woche! Das kann man unmöglich alles anhören.

Du wohnst in einem kleinen Örtchen namens Stole Market, eineinhalb Autostunden nordöstlich von London. Seit einigen Jahren sendest du häufig direkt aus deinem Haus. Wie kam es dazu, dass du bei der BBC so eine Extrawurst bekamst?
Ich hatte mir dieses wirklich ganz einfache Studio zu Hause einbauen lassen, damit ich hier produzieren konnte. Ich habe die Sendungen für den BFBS, für den BBC World Service und viele andere Sender von hier aus gemacht. Dann bin ich nicht so gern in London, ich bin kein Stadtmensch. Ich habe meine Frau und meine Familie vermißt.

Dann fragte ich die BBC mal, ob es eine Möglichkeit gibt, von hier aus auch live zu senden. Die haben dann den ISDN-Anschluß gelegt und jetzt mache ich mindestens einmal die Woche von hieraus die Show. Manchmal sind Leute hier auch live. Das Haus ist nicht groß, zwei zusammengeklatschte Landhäuschen im Prinzip, aber PJ Harvey, die White Stripes, Loudon Wainwright und Nina Nastasia und solche Leute haben hier schon gespielt. War ganz schön.

Seit einigen Jahren machst du eine Sendung, die gar nichts mit Musik zu tun hat, sondern eine Art Talkshow namens „Home Truths“. Wie kam es dazu?
Ein paar nette englische Damen aus der Mittelklasse haben mich gefragt, ob ich Lust hätte, so eine Art Magazin zu machen. Das hat mir ziemlich geschmeichelt und Radio 4 wird auch als eine Art Flaggschiff der BBC gesehen. Da dachte ich, das ist einen Versuch Wert. Wir haben dann eine Pilot-Sendung produziert, die ziemlich peinlich wurde, weil ich völlig ins Schwimmen kam.

An einem Punkt war ich dabei, mit ein paar recht streitbaren feministischen Schriftstellerinnen über den Stand des Romans in englischer Sprache zu diskutieren. Ich schäme mich ja, aber ich habe gar keine Ahnung davon – ich habe gar keine Zeit Bücher zu lesen. Die Pilotsendung wurde also abgelehnt, aber nachdem das ganze noch mal neu geschnitten wurde, wurde es angenommen und zur Basis für ein Programm namens „Offspring“, das in Serien ausgestrahlt wurde.

Dann wurde es auf den Samstagmorgen verlegt und läuft jetzt seit vier oder fünf Jahren jede Woche. Ich wollte auf jeden Fall sicherstellen, daß es kein Programm ist, wo Prominente eingeladen werden, nur weil sie berühmt sind - das ist schon bei den meisten Sendungen in England so. Es geht um Leute, denen ungewöhnliche Dinge passiert sind. Es ist auch ein bißchen wie eine Zeitung: eine Hauptgeschichte in der Mitte der Seite und am Rand kleinere Geschichten, manche lustig und manche ernst. Auf jeden Fall ist es prominentenfrei - das könnte auch ein Grund sein, warum die Sendung so erfolgreich ist. Viele Leute sind gelangweilt von der ganzen Prominentenscheiße.

Geht es in der Sendung auch um politische Themen?
Die BBC scheint im Moment allgemein übertrieben empfindlich zu sein bezüglich politischer Dinge, bei jedem Moderator On Air der sich möglicherweise politisch äußern könnte. Gerade diese Woche habe ich einen Mann interviewt, der vom Polizisten zum Kriminellen geworden ist. Er erzählte, dass er sein Geld in einer Art Topf habe, aus dem Verbrechen bezahlt wurden. Wenn die Verbrechen dann erfolgreich waren, bekam er entsprechend Geld zurück.

Darauf sagte ich: “Wenn Sie gefaßt worden wären, säßen Sie jetzt im Gefängnis. Wenn Sie das aber am oberen Ende der sozialen Leiter getan hätte, wäre man dafür ins ‚House of Lords‘ gekommen. Denn das ist genau, wie Investment funktioniert. Es hängt allein davon ab, an welchem Ende der sozialen Leiter man sowas macht: Entweder ist man ein Krimineller oder ein Wohltäter der Menschheit. Das hat die BBC allerdings rausgeschnitten. Sie meinten, das wäre vorurteilsbelastet meinerseits - da war ich ziemlich sauer.

(in gekürzter Version erschienen in der SPEX 10/2004)