Martin Abend bedankt sich beim Rolling Stone – jetzt kann er endlich mal was anderes lesen.
Die Zeiten, in denen Pop und Subkultur für Dissidenz und zumindest vage linke Positionen stand, sind natürlich lange vorbei, aber es ist schon interessant zu sehen, wie sich der Wechsel des Rolling Stone zum Axel-Springer-Verlag bzw. der neue Herausgeber Ulf Poschardt inhaltlich niederschlagen. In der aktuellen Ausgabe werden dem Atomlobbyisten und RWE-Vorstandsvorsitzendem Jürgen Großmann ganze vier Seiten eingeräumt, um dem geneigten Lesern dessen musikalische Sozialisation und sein Beach-Boys-Fantum nahe zu bringen. Als wäre Easy sein zweiter Vorname posiert Großmann im Freizeit-Look auf einem Surfbrett und muss sich knallharten Fragen stellen wie “Haben Sie alle Scheiben (sic!) von den Beach Boys?” und “Wer war ihr Lieblings-Beach-Boy?”. Das alles überschrieben mit “Der Dax rockt” auf kecken Notenlinien. Die Leser, die immer schon einen RS-Artikel über die Frage (Zitat): “Was beschäftigt Deutschlands Wirtschaftsbosse wirklich, wenn sie mal nicht an Gewinn oder Aktienkurse denken: natürlich Musik, oder?” lesen wollten, mögen bitte die Hand heben. Danke. Und nein, es steht nicht “Anzeige” über dem Artikel. Ich erinnere mich aber dunkel, das der RS mal so etwas wie einen journalistischen Anspruch hatte. Der dürfte sich dann mit der Installation des FDP-Freundes und ehemaligen Vaity Fair-Chefredakteurs als Herausgeber endgültig erledigt haben.
Aber vielleicht habe ich ja auch den Schuß nicht gehört und die Zukunf des Print liegt in der pullundertragenden ‘Neuen Bürgerlichkeit’, der sich Poschardt so verpflichtet fühlt. Diese darf sich dann sicher auf Interviews über die Lieblings-”Scheiben” ihrer Helden Josef Ackermann und Kai Dieckmann freuen. Ich muss leider weg.
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[...] so, dass mir gute Musik durch falsche Fans verleidet wird. Daher würde ich mir – wie Martin Abend – spätestens jetzt den “Rolling Stone” nicht mehr kaufen. Das tue ich jedoch [...]
Der Pop-politsche Diskurs hat auch in seinen besten Zeiten daran gekrankt, dass dem Medium Musik unerklärlicherweise eine quasi natürliche Bedeutung bei der Konstitution von politischen Jugendbewegungen zugemessen wurde, die aber historisch ebenso relativ waren, wie das Medium Tonträger, an dessen irrtümlicher Axiom-Setzung sich bekanntlicherweise die Musikindindustrie die Zähne ausgebissen hat. Wenn man die eigenen emanzipatorischen Forderungen an eine Jugendkultur von Protagonisten des Popdiskurses wie D. Diedrichsen mal auf heutige Kulturmedien anwendet, dann kommt man zu ganz anderen Ergebnissen als “Musik”, wie ich schon 2007 in meinem Artikel über “Second Life” in “telepolis” dargelegt habe. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25798/1.html Und dann wäre da noch der Begriff “Jugend”…
Lieber Martin Abend,
was ist neu? Der Schuß fiel schon vor Jahren mit Wechsel zu Springer und Residenz in München, glaube ich. Und wurde nicht neulich schon ein FDP Fuzzi namens Kunze auf den armen Gunter über fast 6 Seiten losgelassen.
Welche Alternativen bleiben? Das Blättchen wo der andere Dax rockt? Ach nein, das ist doch eher was für junge Mode- und andere Designer und spricht nicht mit mir über Pop.
Superstar wo bist du wenn wir dich brauchen? Na, vielleicht sollte ich mal wieder in die Bravo reinschauen