In drei relativ aktuellen Dokumentarfilmen beschäftigt sich eine kleine Filmreihe im Babylon Mitte mit der Stadt Tijuana, die den meisten Menschen in der (westlichen) Welt zumindest vom Namen ein Begriff sein dürfte. Die mit knapp 1,5 Millionen Einwohnern sechstgrößte Stadt Mexikos wäre ungefähr so interessant wie Düsseldorf und Hannover – läge sie nicht im mexikanisch-US-amerikanischen Grenzgebiet, das nicht nur zwei kulturell unterschiedliche, sondern auch durch ein starkes ökonomisches Gefälle geprägte Staaten trennt.
Die Stadt war seit ihrer Gründung 1889 nicht nur Ort für grenzüberschreitenden Handel, sondern vor allem auch für Tourismus aus dem Norden. Dessen kitschig-romantische Seite wurde durch den populären Schmachtroman Ramona (1884) befördert, der sich mit mexikanischer, US-amerikanischer und indianischer Identität in den Jahren nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg Mitte des Jahrhunderts beschäftigte. Ebenso viel Popularität erlangte die Stadt aber für Dinge, die jenseits der Grenze (und im Zweifelsfall auch in Mexiko) illegal waren: Prostitution, Drogen – während der Prohibition auch Alkohol – und Glücksspiele. Für die Menschen aus dem Süden wurde es immer mehr zum Transitpunkt für jene, die ihr ökonomisches Glück in Nordamerika suchten.

La Frontera / Foto: Humberto Acosta
Die Kultur der Stadt ist geprägt durch den US-Einfluss – man ist weniger streng katholisch als in anderen Landesteilen, das Spanisch enthält diverse englische Wörter, es werden US-Feiertage wie Thanksgiving gefeiert. Während die US-Amerikaner neben Vergnügungen zu billigen Einkäufen und medizinischer Behandlung in die Stadt kommen, fahren die einheimischen Jugendlichen zu Rockkonzerten ins wenige Kilometer entfernt gelegen San Diego.
In den letzten Jahren verschärfte sich die Situation im Grenzgebiet durch den immer gnadenloser werdenden Drogenhandel im Norden Mexikos auf der einen Seite, und durch die Verschanzung der USA gegen Migranten aus den lateinamerikanischen Staaten auf der anderen Seite. Auch wenn er nie auf Augenhöhe und unbekümmert war, wird der rege kulturelle Austausch in der Grenzregion dadurch massiv behindert (siehe u.a. diesen Artikel in der New York Times).

Flyer
Die drei Filmen, die jetzt gezeigt werden, und die allesamt aus den letzten vier Jahren stammen, schauen aus der Sicht unterschiedlicher Gruppen auf die Stadt. In Welcome to Tihuana stellen die deutschen Regisseure Joerg Steineck und Nicolas Martin das Thema Migration – und auch ihrer Ästhetik und Rhetorik im Genre Dokumentarfilm – in den Vordergrund. In Transgressiones / Überschreitungen (Infos (English) /Filmdownload) befragen die Regisseur/innen Diana Grothues und Florian Geierstanger die heimischen Künstler/innen nach ihrem Blick auf die Stadt. In Que suene la calle (Let the Street be Heard) läßt der mexikansiche Regisseur Itzel Martínez del Cañizo vier minderjährige obdachlose Frauen auf ihre Stadt schauen. Bei den Vorstellungen werden die Regisseur/innen anwesend sein, so dass danach noch diskutiert werden kann. Der Abend wird jeweils mit Musik abgerundet.
Termine:
17., 18. und 23. August ab 19.30 Uhr
Ort:
Babylon-Kino, Rosa-Luxemburg-Str. 30 Berlin
Filme:
Welcome To Tijuana (D 2008, R: Joerg Steineck, Nicolas Martin, DV, 39 Min, Span/Engl mdUT)
Transgresiones [Überschreitungen] (D 2006, R: Diana Grothues, Florian Geierstanger, DV, 35 Min, Span mdUT)
Que suene la calle [Let the Street be Heard] (Mex 2006, R: Itzel Martinez)
Programmseite beim Babylon-Kino
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