von 8. November 2010 0 Kommentare Mehr →

Life is Live #3: Body Language – What’s Queer About Queer Pop vom 11. – 13. 11. im HAU Berlin

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Nachdem man sich bei Life is Live Ausgabe 2 mit einem ungewöhnlichen Thema – Musik und Folter (mehr dazu hier) – etwas auf dünnes Eis begeben hatte, hat man für die aktuelle Ausgabe ein Thema gewählt, das schon lang und ausführlich und von diversen Seiten interpretiert worden ist.

HAU_Plakat_LifeIsLive3

Poster

Wenn nicht schon mit dem bis dato ungesehen anzüglichen Hüftschwung von Elvis Presley, der homosexuellen Gestus eines Little Richard und dem androgynen Männerbild eines Mick Jagger ist spätestens seit Glam Rock die Geschlechterrolle ein Thema im Pop. Nicht zufällig wurde es ausgerechnet Anfang der 70er in Großbritannien für Machorocker schick, sich zu schminken und in als Frauenkleider konnotierte Schale zu werfen. Einerseits gab es in England eine Tradition der Travestie als “normale” Unterhaltung, während sie in den USA bis heute als sleazy gilt. Andererseits war in der ganzen westlichen Welt die Legalisierung von (männlicher) Homosexualität Ende der 60er ein Thema – im Vereinigten Königreich wurde sie 1969 nach zweijähriger öffentlicher Diskussion legalisiert.

Die Damen, die wenig später in den Mainstream des Männerrockbereichs eindrangen – u.a. Joan Jetts Runaways oder Heart – hüteten sich dagegen, irgendwie bekannt zu machen, dass einige von ihnen tatsächlich homosexuell waren – das wurde nur im Rahmen einer subkulturellen Szene um das Frauen-Label Olivia Records praktiziert. David Bowie jedoch machte es 1972 zu seinem Image, um es 1982 wieder abzustreiten – nicht zufällig zu einem Zeitpunkt, als sich auch in den Teilen der westlichen Gesellschaft, die in den 70ern ein fröhliches Durcheinander gefeiert hatten, alte Geschlechterrollen wieder restaurierten.

Juba Kalamka

Eines der umkämpftesten Felder für Selbstbestimmung derzeit: Homosexualität im HipHop. Juba Kalamka von der Homohop Band Deep Dickollective.

Auch wenn der Traum der frühen 70er, dass dieses bunte Durcheinander in zehn, 20 Jahren Normalität sein würde, nicht in Erfüllung gehen sollte, war das Eis jedoch gebrochen und diverse Auffassungen von Gender und Sex sind heute wichtiger Bestandteil von Poptheorie und popkultureller Praxis. Gerade vor einem Hintergrund der neuen Angepasstheit, die man eigentlich spätestens mit dem Punk und dem Postpunk der frühen 80er überwunden glaubte, zeigen Künstler/innen wie Antony Hegarty, der selber aus einer “authentischen” queeren Subkultur kommt, oder Lady Gaga, die sich wie zuerst Madonna bewußt an Versatzstücken aus solchen Subkulturen bedient, dass man sich mit dissidenter Körperpolitik im Mainstream verankern kann. Andererseits kämpfen z.B. im HipHop-Mainstream schwule und transsexuelle Künstler noch immer um Anerkennung und sind z.T. noch von körperlicher Gewalt bedroht.

Im HAU will man nun der Frage nachgehen, inwieweit hier tatsächliche Veränderungen stattfinden bzw. eingefordert werden, oder ob queere Interventionen in der Popkultur eine “immer gleiche Geschichte der Vereinnahmung” seien, mit denen der Mainstream der Minderheiten immer neu gefüttert wird, und welche konstruktiven Perspektiven Queer Pop in der Popkultur und darüber hinaus eröffnen kann.

Programm:
11. November
Terre Thaemlitz
Performance, 22 Uhr, Hau 1, Eintritt frei

12. November
Tim Stüttgen
Vortrag, 19.30 Uhr, Hau 2
Panel 1 mit Pauline Boudry, Margarita Tsomou, Bettina Köster, Christina Nemec
20.30 Uhr, Hau 2
Men, Maria & The Mirrors
Konzert, 23 Uhr, Hau 2

13. November
Panel 2 mit Juba Kalamka, Johannes Paul Raether, Del Lagrace Volcano, Warbear
20 Uhr, Hau 2
Anat Ben-David, Crazy Bitch in A Cave, Keren Cytter with Andrew Kerton, Juba Kalamka, Mary and The Baby Cheeses
Performance, 22.30 Uhr HAU 2

Filmprogramm
Comrade Couture – Ein Traum in Erdbeerfolie (Regie: Marco Wilms, 2009)
Mutantes (Regie: Virginie Despentes, 2010)
Pick up the Mic (Regie: Alex Hinton, 2006)
A Street Angel with a Cowboy Mouth (Regie: Pauline Boudry, 2006)

Kuratiert von Tim Stüttgen und Christoph Gurk

Flyer als PDF
Ankündigung des HAU

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Posted in: Film, Musik, News, Poppraxis, Theater

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