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	<title>popkontext &#187; Reviews</title>
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		<title>Stand und die Zukunftschancen des Printjournalismus &#8211; eine Diskussionsrunde im Rahmen der Berliner Stiftungswoche</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jun 2011 17:07:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<div class="bottomcontainerBox" style="background-color:#F0F4F9;">
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Im Rahmen der Berliner Stiftungewoche fand am Montag eine Veranstaltung unter dem Titel <em>Wie Stiftungen guten Journalismus stützen</em> statt. Ausgerichtet von der BMW Stiftung Herbert Quandt und Stiftung Wertevolle Zukunft. Eingeladen waren Nikolaus Blome (Bild Hauptstadtredaktion), Bascha Mika (Publizistin), Volker Lilienthal (Universität Hamburg, Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Praxis des Qualitätsjournalismus), Leonard Novy (Stiftung Neue Verantwortung); moderiert wurde sie von Ralf Müller-Schmid, Redaktionsleiter DRadio Wissen. Es sollte darum gehen, wie Stiftungen „unabhängigen Journalismus in seiner demokratischen und gesellschaftlichen Funktion“ unterstützen. Das spielte allerdings nur relativ am Rande eine Rolle – es ging vor allem um den Stand und die Zukunftschancen des Printjournalismus im Allgemeinen.</p>
<div id="attachment_23357" class="wp-caption aligncenter" style="width: 650px"><a href="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/06/Beliner-Stiftungswoche-Logo.jpg" rel="shadowbox[sbpost-23325];player=img;" title="Beliner Stiftungswoche Logo"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/06/Beliner-Stiftungswoche-Logo.jpg" alt="Beliner Stiftungswoche Logo" title="Beliner Stiftungswoche Logo" width="640" height="440" class="size-full wp-image-23357" /></a><p class="wp-caption-text">Beliner Stiftungswoche Logo</p></div>
<p><strong>Strukturwandel und Krise in den Printmedien</strong></p>
<p>Zunächst gab es eine Keynote von Lewis A. Friedland, University of Wisconsin-Madison über die (wie bekannt sehr desolate) Situation der Medien in den USA und die Rolle, die Stiftungen dort spielen. Später einigte man sich schnell darauf, dass die Situation dort jedoch eine andere sei, da in den USA die Zivilgesellschaft etwas leistet, was der Staat nicht leistet. Doch auch hierzulande geht es dem Journalismus schlecht, zumindest in der Tendenz. Nicht dass das eine neue Erkenntnis wäre, und so wurde in der ersten Hälfte der Diskussionsrunde über Dinge geredet, die zumindest jede/r Zweite aus dem anwesenden Fachpublikum auch aus dem Stegreif hätte referieren können.</p>
<p>Wenn von einem struktureller Wandel der Medien durch das Internet die Rede war und von fehlenden Bezahlmodellen fürs selbiges, ist wahrscheinlich kaum eine/r der Zuhörer/innen vor Überraschung vom Stuhl gerutscht. Bei Lilienthals Feststellung, das die Journalisten zu schwerfällig seien, sich mit den neuen Medien zu beschäftigen stellte sich die Frage, ob sein freimütiges Bekenntnis, er selbst habe gerade bei einem Seminar zu Online-Recherche noch dazu gelernt unbedingt sein musste. Dass es nur die Printmedien beträfe, wie es insgesamt anklang, ist so nicht ganz richtig, aber da neben zwei Akademikern nur (Ex-)Mitarbeiter/innen von Printmedien anwesend waren kein Wunder, dass diese im Mittelpunkt standen.</p>
<p><strong>Das Prinzip Zeitung unabhängig vom Medium erhalten</strong></p>
<p>Bascha Mika, (die fast ausschließlich aus ihrer Position als Ex-taz-Chefin sprach, und man sich die Frage stellte, warum man nicht gleich die aktuelle, Ines Pohl, eingeladen hatte) ging es darum, „das Prinzip Zeitung zu retten“, egal ob auf Papier oder Online. Wissen statt Information sei hier der Punkt, die Zeitung habe Tiefe, sei ein analytisches Medium, was Fernsehen oder Radio in der Art nicht leisten könnten. Eine Zeitung sei auch eine „Wundertüte“, in der man nicht wie bei Online gezielt nach einem Thema suche, sondern auch zufällig auf Themen stößt. Beim Wechsel zu Online sei die alles entscheidende Frage: Wie bezahlt man vernünftige Recherche, woher das Geld für Reisen?</p>
<p>Volker Lilienthal betonte, dass der Strukturwandel dann keine Katastrophe sei, wenn man “die gute alte journalistische Tugenden” in das neue Medium hinüberretten könne. Es sei eine zivilgesellschaftliche Aufgabe, dass der Journalismus nicht unter die Räder gerät.</p>
<p>Ein Problem sah vor allem Mika im Desinteresse des Publikums, das keine Wertschätzung, d.h. Zahlungsbereitschaft für den Qualitätsjournalismus habe. Man kaufe bei Starbucks ekeligen Kaffee zu überteuerten Preisen, aber ein paar Cent für eine gute Zeitung seien schon zu viel – wo sie von Blome Zustimmung erhielt, dass Zeitungen viel zu billig seien. Mika räumte ein, dass sich Leser schon über die grottenschlechten Regionalblätter beschwerten, aber es müsse eigentlich einen öffentlichen Aufstand geben, der aber ausbleibe. Sie sieht für die Zukunft einen Abschied vom Qualitätsjournalismus bei weiten Teilen der Bevölkerung. Die Frage sei: Für wen machen wir welchen Journalismus. Früher habe die Süddeutsche jeder in der Region gelesen: Bäckersfrau, Kleingärtner, Intellektuelle. Jetzt werden die Zielgruppen immer spezifischer – bestimmte gesellschaftliche Gruppen werden ihre Zeitung halten. Verleger hätten in der Mehrzahl kein Interesse an Qualitätsjournalismus.</p>
<p>Blome wies darauf hin, dass der Scheidepunkt weniger zwischen Boulevard und Qualitätsmedien verliefe, sondern zwischen überregionalen und regionalen Blättern. Letztere würden den nächste Krise nicht überleben, wenn es nicht zu Fusionen komme. Es sei zudem eine Krise des Trägermediums, das durch Herstellungskosten und Vertrieb so teuer sei. Ansonsten sei Journalismus online nicht anders, wenn denn ein brauchbares Bezahlmodell gefunden würde, an das er aber zuversichtlich glaube. Als Beispiel nannte er unter anderem die britische <a href="http://www.thetimes.co.uk/tto/news/" title="The Times" target="_blank">The Times</a>, bei der das schon funktioniere.<br />
<strong><br />
Mehr Bürgerbeteiligung durch neue Technologien möglich – und nötig</strong></p>
<p>Bascha Mika beschwert sich, dass der Qualitätsjournalismus teuer für Print produzierte Artikel im Netz „verschleudert“ – was dann allerdings nicht mit dem von Blome mehrfach als Beispiel genannten erfolgreichen Konzept der Zeit zusammenpasst. Diese stellt nicht nur viele Texte ins Netz, sondern produziert extra für dieses. Zudem hat auch als eine der ersten das Bloggerprinzip aufgenommen, für den der Guardian, der jetzt sogar nach dem Digital First-Prinzip arbeitet, als innovativ gelobt wurde.</p>
<p>Das nicht ganz neue, aber immer noch in der frühen Testphase befindliche und keineswegs angekommene Konzept des Mitmachens der verstärkten Leser/innenbeteiligung über Kommentare und Blogs, und auch die Einbindung professionell gemachter Blogs wurde ausgiebiger diskutiert. Lilienthal meinte, dass sich Publikum sich besser einbringen könne und mehrt Dialog stattfände erhöhe den Rechtfertigungsdruck auf die Journalisten, der aber eine Chance zur Optimierung des Angebots erhöhe. Novy sprach an anderer Stelle von „responsiven Praktiken“, nicht mehr dem Motto: Ich mache das Blatt, was mir gefällt.</p>
<p><strong>Journalistische Qualität bleibt notwendig<br />
</strong><br />
Von journalistischen Laien verfasste Blogs könnten aber die professionelle journalistische Arbeit nicht ersetzen, sondern nur ergänzen, war man sich einig. Bascha Mika meinte zum Zusammendenken von Qualitätsjournalismus und Bürgermedien, dass zum Prinzip Zeitung auch journalistische Standards gehören, auf die die Journalist/innen „gestoßen werden“ können. Blome sprach von einer „intelligenten Art des Weglassen“ im Journalismus – man reduziert das zu Berichtende auf die Kernpunkte und setzt es in einen Kontext. Das Gegenteil sei beim Bürgerjournalismus der Fall: Online gäbe es unendlich viel Platz – und da ließe man sich dann ausführlich aus, und anscheinend gäbe es auch Leute, die unendlich viel Zeit hätten, das auch zu lesen.</p>
<p>Lilienthal hielt dagegen, dass es eben die Blogger/innen seien, die wegließen: Beim ihnen stehe das persönliches Anliegen im Vordergrund, während die gesellschaftlich relevante Ebene wegfiele, wo es Aufgabe der Journalisten sei, das ganze Bild zu liefert. Der Journalismus habe eine vermittelnde Aufgabe, die in Zeiten der Krise bedroht sei. Als Beispiel nannte er, dass der WAZ-Konzern kein Geld mehr für Regionalberichterstattung hätte und so auf die glorreiche Idee gekommen wäre, einfach einen Volontär zur Ratssitzung zu schicken und den Audiomitschnitt online zu stellen.</p>
<p>Als Beispiel dafür, dass professionell gestaltete, über Kleinspenden finanzierte Blogs teilweise schon die Aufgaben der Regionalberichterstattung übernähmen, nannte Novy <a href="http://www.regensburg-digital.de/" title="Regensburg Digital" target="_blank">Regensburg Digital</a>. Er forderte eine Zusammenarbeit mit klassischen Medienhäusern, um so eine gesellschaftliche Anschlussfähigkeit zu erreichen.</p>
<p><strong>Orientierung an Marktwirtschaft oder öffentlich-rechtliche Tageszeitungen?</strong></p>
<p>Jetzt kam man endlich zum Kernpunkt – wie kann die Finanzierung funktionieren, wenn das Geschäftsmodell nicht mehr profitorientiert oder profitabel ist – , nachdem Lilienthal den Moderator mehrfach angegangen war, dass man sich doch bitte am Thema des Abends orientieren solle. Novy fragte, ob der Vorschlag von Habermas, für den er 2007 fast gesteinigt worden ist, öffentlich-rechtliche Zeitungen zu machen, heute wieder diskussionsfähig sei. Blome sagte wenig überraschend: „Eine große GEZ -Gebühr für ARD und ZDF gedruckt will ich nicht.“ Eine Zeitung müsse sich am Markt orientieren, was die Leute wollen. Zeitungen über Parteien zu finanzieren wurde schon probiert &#8211; funktioniert nicht, weil das keiner haben will.</p>
<p>Mika konterte: Die taz habe sich zu aller erst an der Politik orientiert, dann am Journalismus und jetzt zum Schluss zumindest auch etwas am Markt. Journalismus darf nicht wie Produktion von Wurst oder Käse sein und die gesellschaftliche Funktion der ökonomischen Ebene total untergeordnet, meinte sie.</p>
<p><strong>Welche Rolle können Stiftungen spielen?</strong></p>
<p>Wie können Stiftungen da helfen? Ohne z.B. auf den Guardian zu schauen, der meines Wissens nach neben dem Verkauf und Werbeanzeigen <a href="http://www.gmgplc.co.uk/the-scott-trust/" target="_blank">ausschließlich oder vorrangig aus einer Stiftung finanziert wird,</a> sind sich hier alle einig: Stiftungen können nur in Zeiten des ökonomische Drucks als Hilfe dienen, und zwar bei „technologisch getriebene Innovationsprojekten, nicht zum Bewahren ökonomischer Strukturen“, wie Novy anmerkte. Sie seien „keine karitative Veranstaltung für einen Totkranken“. In den USA kämen nur 0,2 % des gesamten Spendenaufkommens für Journalismus. US-Stiftungen helfen bei Digitalisierung, Recherche Lokaljournalismus, wobei die Orientierung am Gemeinwohl liege. Er wies dabei noch einmal auf den Unterschied zwischen gemeinnützigen / kommerziell orientierten Stiftungen hin.</p>
<p>Als Beispiele, die auch in Deutschland funktionieren könnten nannte er Pro Publica, wo man sich um vernachlässigte Themen kümmert, oder Stateline, wo es um good + bad gouvernance gehe. Bei letzteren kritisierte er, dass deren Artikel zwar kostenlos von anderen Medien übernommen werden dürfen, allerdings nicht redaktionell bearbeitet. Lilienthal sieht Stiftung als wohltätiges Gebilde, das die sich wandelnde Gesellschaft beobachtet und als intervenierender Impulsgeber agiert, der kleine, aber feine Projekte finanziert. Sie können Anschubfinanzierungen leisten für Projekte, die dann in der Marktwirtschaft betsehen müssten. Als Beispiel nannte er das Netzwerk Recherche und den Otto Brenner-Preis, wo Blome lobend zustimmte. Übernahmen könnten sie nicht leisten, da sie lieber ihr Geld in Unis geben, wie z.B. die VW-Stiftung. Lilienthals Professur an der Uni Hamburg wird von der Rudolf-Augstein-Stiftung finanziert.</p>
<p><strong>Parteibhängigkeit und PR vermeiden</strong></p>
<p>Lilienthal meinte, Stiftungen müssen überlegen, wie man Aufmerksamkeit für gute Medieninhalte organisiere, wer sind die Partner seien und wie man Leute erreiche. Als potentielle Probleme bei der Stiftungsförderung sieht er einerseits inhaltlicher Einflussnahme als auch die Orientierung an relevanten Themen. Als negativ-Beispiel nannte er den derzeitigen Boom der Journalistenpreise für alles mögliche – „sogar die Friseurinnung schreibt schon einen aus.“ Damit gleite man in die PR ab.</p>
<p>Zudem muss man sich vor parteipolitischer Orientierung schützen. Auf Blomes provokative Frage: „Würden sie es gut finden, wenn die taz von der Heinrich Böll Stiftung übernommen würde?“ rief Bascha Mika entsetzt: „Um Gottes Willen.“Auch die Genoss/innen dürften sich bei der taz nicht politisch einmischen. Es müsse eine extra Stiftung für die Zeitung geben.</p>
<p>Bei der naiven Frage, ob denn die Bild nicht aus dem erwirtschafteten Überschuss in gemeinnützige journalistische Projekte investieren wolle, musste sogar der sonst so beherrschte Blome etwas kichern. Man investiere schon in Journalismus, aber dann doch lieber im eigenen Blatt – nicht als „Ablass“ an die Öffentlichkeit. Als Beispiel nannte er die Rechercheserie Griechenland, die 40 000 Euro gekostet habe. Jemand merkte dann noch an, was jeder weiß, aber Blome auch nicht sagte: Im Axel Springer-Verlag werden die Profite in das defizitäre „Qualitätsblatt“ Die Welt gesteckt.</p>
<p><strong>Schluss voller offener Fragen</strong></p>
<p>Zum Schluss machte Bascha Mika noch einmal klar, dass die Frage nicht die nach dem Medium sei, sondern die Frage ist die nach Journalismus: Wie kann man den aufklärerischer Gesichtspunkt aufrecht erhalten und ein Publikum finden? Die Frage nach der Funktion in der Demokratie wichtig, Technologie Wurst, das sei die Aufgabe von Anderen, sich darum zu kümmern. Offenbar aus ihrer Sicht auch die nach der Finanzierung. Sie stellt lediglich fest: Guter Journalismus muss erschwinglich bleiben, aber auch Wert haben.</p>
<p>Novy erzählte von Dave Eggers, der in San Francisco teure Zeitungen für Eliten mache und sieht eine Spaltung Info-Elite und die Abgehängten. Es drohe die Krise der öffentlichen Information. Die neue Medienlandschaft im Netz biete viele Bits and Pieces, aber wenig Orientierung, was zu einem Verlust der sozial-integrativen Funktion der Medien führe. Er sehe zwar nicht den Untergang des Abendlandes kommen, aber stehe dem “Netztriumphalismus” ebenso kritisch gegenüber, denn Bürgermedien allein funktionierten auch nicht.</p>
<p>Dann kam man noch mal auf den Trichter, dass das Thema Stiftungen und Journalismus eigentlich gar nicht so neu sei: Bereits 1949 gab es bei der Frankfurter Rundschau Bestrebungen, den Verlag zu einer gemeinnützigen Stiftung zu machen, was aber auf Druck der Amerikaner verhindert wurde. 1973 wurde die gemeinnützige Karl-Gerold-Stiftung gegründet, die seinerzeit 100-prozentige Eigentümerin des Druck- und Verlagshaus Frankfurt wurde, das die FR herausgibt. Seit 2004 hält die Stiftung noch einen Stammkapitalanteil von 10 Prozent.</p>
<p><strong>Kernthema verfehlt und zu hausbacken</strong></p>
<p>In der anschließenden kurzen Diskussion, bei der der Moderator bat, keine „Co-Referate“ zu halten sondern sich kurz zu fassen und Fragen zu stellen, gab es u.a. noch Anregungen zu Förderung von Bürgermedien „als Labor“ und „angewandte Medienkompetenz“, Kritik, dass Crowdfunding (wie so vieles andere zum Kernthema, z.B. die Kulturflatrate oder die Kulturwertmark) nicht besprochen wurde. Ein Besucher merkte an, dass als Bezahlmodell auch Online nur ein „Bouquet“ aus Meldungen, Hintergründe etc. funktionieren könne, als Gesamtpaket und nicht einzelne Artikel – wozu Blome und Mika nickten. Mika wies in diesem Zusammenhang noch einmal auf die gestaffelten Abopreise der taz hin. Lilienthal meinte, es würde auf eine Mischkalkulation Boulevard / Qualitätsjournalismus hinauslaufen, wie er einerseits bei den Öffentlich-rechtlichen, aber auch beim Springer-Verlag zu finden sei.</p>
<p>Alles in allem wurde neben dem verfehlten Thema auf der Veranstaltung zu viel Altbekanntes wiedergegeben, und viel Neues und Interessantes weggelassen. Bei mir meldete sich die Erkenntnis zurück, dass es das Beste wäre, mit fitten, jüngeren, weniger eingefahrenen Kolleg/innen neue Projekte aufzuziehen, anstatt sein Glück bei den etablierten zu versuchen und frustriert zu scheitern. Solche innovativen Projekte wären doch im Sinne von Stiftungen förderungswürdig.</p>
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		<title>Rezension: Freelance Whales – Weathervanes</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Dec 2010 07:07:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wham Jam</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
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		<description><![CDATA[Tweet Der aufmerksame YouTubeGucker und Twitternutzer kennt die Freelance Whales seit geraumer Zeit. Denn die Auftritte der New Yorker in Fußgängerzonen und U-Bahnstationen werden dort schon seit mehreren Monaten gesehen und wurden für die akustische Untermalung der Herbstkampagne des Mikroblogingdienstes verwendet. Beides machte neugierig und überbrückte die Zeit bis zum jetzt erschienenen Debütlbum Weathervanes. Dieses [...]
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<span id="more-17681"></span><br />
Dieses erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen, der sich in das spukende Geistermädchen Hannah verliebt und Pläne schmiedet, wie er seiner paranormalen Freundin näher kommen kann. Illustriert wird diese kindliche Liebesgeschichte im  Booklet, welches mit düsteren Bleistiftzeichnungen gestaltet ist und beim Betrachten an das Kinderbuch <em>Where the Wild Things Are</em> erinnert.</p>
<div id="attachment_17686" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/12/Freelance-Whales-Weathervanes.jpg" alt="Freelance-Whales-Weathervanes" title="Freelance-Whales-Weathervanes" width="600" height="600" class="size-full wp-image-17686" /><p class="wp-caption-text">Cover</p></div>
<p>Das Konzept des Albums findet sich auch im Sound der Band wieder, der niedlich, verspielt zu hören ist und sich zwischen Folk und TweePop einordnen lässt. Glocken, Triangeln, Streicher, Gitarren,  Harmonium, analoge Synthies und Banjo plönkeln, klingeln und klöpeln gutmütig und verträumt vor sich hin und werden durch die sanfte Stimme von Sänger Judah Dadone abgerundet. Die unschuldig arrangierten Harmonien sind leicht zu hören und wirken mal sehnsüchtig träumend, mal frenetisch wach. </p>
<p>Jedoch ist es stellenweise zu viel des Guten. Das musikalische Sammelsurium wirkt gelegentlich überladen und lässt das Hören anstrengend werden. Etwas weniger Verspieltheit und eine gezielte Instrumentalisierung hätten das ganze runder gemacht. Auch für Musik gilt: Manchmal ist weniger mehr. Aber insgesamt erscheint die Musik der Freelance Whales so liebenswert offenherzig wie leuchtende Kinderaugen und lässt vergessen geglaubte Erinnerungen wach werden. Nicht nur diese werden beim Hörer geweckt, denn Dadones Gesang klingt wie Benjamin Gibbart von Death Cab for Cutie und der häufige Einsatz des Zupfinstruments aus den amerikanischen Südstaaten lässt die Musik von Sufjan Stevens im inneren Ohr ertönen.  </p>
<p>Trotz seiner Schwächen und wegen seiner Stärken ist Wethervanes einen Versuch wert und wird ganz sicher viele Liebhaber gewinnen. Denn gerade in der kalten Jahreszeit braucht es Musik, die das Herz wärmt. </p>
<p>Freelance Whales – Weathervanes<br />
VÖ 26. November 2010<br />
Frenchkiss/Mom &#038; Pop Records</p>
<p><strong><a href="http://www.freelancewhales.com/" target="_blank">Webseite</a><br />
<a href="http://www.myspace.com/freelancewhales" target="_blank">MySpace</a></strong></p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/14962437" width="640" height="360" frameborder="0"></iframe>
<p><a href="http://vimeo.com/14962437">Freelance Whales &#8220;Hannah&#8221;</a> from <a href="http://vimeo.com/humbletv">HUMBLE TV</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
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		<title>Rezension: The Hundred in the Hands – The Hundred in the Hands</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Dec 2010 06:26:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wham Jam</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Tonträger]]></category>
		<category><![CDATA[The Hundred in the Hands]]></category>
		<category><![CDATA[Warp]]></category>
		<category><![CDATA[Warp Records]]></category>

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		<description><![CDATA[Tweet The Hundred in the Hands sind keine großzügige Barspende in der Hand eines Bedürftigen, sondern das New Yorker Indietronic-Duo Eleanore Everdell und Jason Friedmann. Beide kommen aus der Brooklyner Indieszene und waren Mitglieder der Boggs, bei denen sie mit Leuten wie Sam Jayne (Love as Laughter), David Lloyd (Cause for Applause) und Heather D’Angelo [...]
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			<content:encoded><![CDATA[<div class="bottomcontainerBox" style="background-color:#F0F4F9;">
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>The Hundred in the Hands sind keine großzügige Barspende in der Hand eines Bedürftigen, sondern das New Yorker Indietronic-Duo Eleanore Everdell und Jason Friedmann. Beide kommen aus der Brooklyner Indieszene und waren Mitglieder der Boggs, bei denen sie mit Leuten wie Sam Jayne (Love as Laughter), David Lloyd (Cause for Applause) und Heather D’Angelo (Au Revoir Simone) spielten. Zusammen traten sie das erste Mal im Frühjahr 2010 mit ihrer EP <em>This Dessert</em> an die Öffentlichkeit, welche der Band positive Kritiken entgegenbrachte und im Herbst, mit dem ebenfalls bei Warp erschienen Debütalbum, neues Klangmaterial erhielt.<br />
<span id="more-17662"></span><br />
<div id="attachment_17666" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/12/the-hundred-in-the-hands-the-hundred-in-the-hands-cover.jpg" alt="the-hundred-in-the-hands-the-hundred-in-the-hands-cover" title="the-hundred-in-the-hands-the-hundred-in-the-hands-cover" width="600" height="600" class="size-full wp-image-17666" /><p class="wp-caption-text">Cover</p></div></p>
<p>Mit dem elf Tracks umfassenden Album bieten THITH gitarrenlastige und syntiebeatorientierte Rhythmen, die mit Eleanores glasklarem, subtil melancholieschwangeren Gesang direkt über die Gehörsynapsen ins Bein gehen.  Das Duo versteht es, Gitarren, Gesang, Synthies und Drums geschickt im richtigen Mischungsverhältnis einzusetzen und verbindet dabei das Organische mit dem Synthetischen. Der durchsichtige, leicht unterkühlte Sound spielt mit leichtfüßigen Melodien; schwere Grooves und einfache Postpunkriffs alternieren mit eingängigem Pop. </p>
<p>Dabei machen THITH nichts neu, aber auch nichts falsch. Im Gegenteil: Sie holen aus Altbekanntem das Beste heraus und schalten einen Gang höher auf der nächtlichen Fahrt in den Club. Denn diesem ähnelt das selbst betitelte Album in seinem Ablauf: Den Anfang machen lockere und gelöste Nummern wie <em>You Aren´t Young</em> und  Lovesick, gefolgt von den leicht beschwingten und tanzbaren Stücken <em>Pigeons</em> und <em>Commotion</em>, bis hin zu den extatischen Höhepunkten <em>Dressed in Dresden</em> und <em>Last City</em>. Um zwischendurch auch mal durchatmen zu können, werden den müden Knochen auch langsamere Nummern wie<em> Lovesick (Once Again)</em> und <em>Killing It</em> gegönnt. Thank God It´s Friday, endlich abschalten, tanzen, feiern – oder mit den Worten von THITH: Saturday comes, sunday comes, we go.</p>
<p>The Hundred in the Hands &#8211; s/t<br />
VÖ 17. September 2010<br />
Warp Records</p>
<p><strong><a href="http://thehundredinthehands.com/" target="_blank">Webseite</a><br />
<a href="http://www.myspace.com/thehundredinthehands" target="_blank">MySpace</a></strong></p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/15877957" width="640" height="272" frameborder="0"></iframe>
<p><a href="http://vimeo.com/15877957">Commotion &#8211; The Hundred in the Hands</a> from <a href="http://vimeo.com/danieldaniel">DANIELS</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
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		<title>30 Jahre Sandinista!</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 00:00:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Reviews]]></category>
		<category><![CDATA[Tonträger]]></category>
		<category><![CDATA[Don Letts]]></category>
		<category><![CDATA[Lee "Scratch" Perry]]></category>
		<category><![CDATA[Mickey Dread]]></category>
		<category><![CDATA[Post-Punk]]></category>
		<category><![CDATA[Punk]]></category>
		<category><![CDATA[Sandinista!]]></category>
		<category><![CDATA[The Clash]]></category>

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		<description><![CDATA[Tweet Als das Album im Dezember 1980 in die Läden kam, erkannten einige Fans The Clash nur an der Stimme von Joe Strummer. Auch wenn sie schon 1977 auf der Single Complete Control mit der jamaikanischen Produzenten-Legende Lee &#8220;Scratch&#8221; Perry gearbeitet hatten, wurde sein Dub-Reggae Einfluss hier zum ersten Mal im gesammten Sound des Albums [...]
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Als das Album im Dezember 1980 in die Läden kam, erkannten einige Fans The Clash nur an der Stimme von Joe Strummer. Auch wenn sie schon 1977 auf der Single <em>Complete Control </em>mit der jamaikanischen Produzenten-Legende Lee &#8220;Scratch&#8221; Perry gearbeitet hatten, wurde sein Dub-Reggae Einfluss hier zum ersten Mal im gesammten Sound des Albums bestimmend, ebenso wie die Zusammenarbeit mit dessen Landsmann Mickey Dread, aber auch der gerade aufkommende Rap und andere Musikstile wie Rhythm &#038; Blues, Calypso oder Gospel deutliche Noten setzten. </p>
<div id="attachment_9618" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/09/the-clash-sandinista.jpg" alt="the clash sandinista" title="the clash sandinista" width="600" height="601" class="size-full wp-image-9618" /><p class="wp-caption-text">Cover</p></div>
<p>Die Kritiken waren sehr gemischt. So beklagte sich u. a. der geschätzte Diederich Diederichsen, der die Qualitäten der Band durchaus schätzte, damals bei <em>Sounds</em> über ein &#8220;Kuddelmuddel&#8221;, dem der straighte Stil geopfert worden wäre, und bezeichnete die Platte als ein &#8220;beliebige[s] Sammelsurium von Stilen, Instrumental- und Effekteinsätzen&#8221;, die &#8220;seicht vor sich hinblubbern&#8221;. Aber darin zeigt sich gerade das Wegweisende des Albums &#8211; zumindest wenn man die negative Wertung herausnimmt.</p>
<p>Was auch schon in der No Wave / New Wave Szene New Yorks entwickelte, nämlich die Einbeziehung aktueller afroamerikanischer und auch nichtwestlicher Einflüsse wie z.B. bei den Talking Heads, begann sich auch der britische Punk aus der straighten männlich und weiß geprägten Rockecke herauszubewegen. Mit Dubreggae waren The Clash schon von Anfang an über ihre Bekanntschaft mit <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2010/08/28/don-letts-neuer-film-carnival-feiert-fernsehpremiere/" target="_blank">Don Letts</a> vertraut, Rap hörten sie im Frühjahr 1980 auf ihrer <em>16 Tons</em> Tour in den USA auf den einschlägigen New Yorker Radiostationen.</p>
<p>Während auf dem Erfolgsalbum <em>London Calling</em> noch der geradeaus gespielte Punksong im Vordergrund stand, ging <em>Sandinista </em>deutlich spielerischer, experimenteller und offensiver mit den neuen musikalischen Einflüssen um. Damit wurde nicht nur die &#8220;Weltmusik&#8221; der 80er antizipiert, wie vielfach geschrieben steht, sondern auch der genreübergreifende globale Sound, nach dem heute die Mehrzahl der interessanteren Indiebands sucht.</p>
<p><object style='width:640px;height:385px;' width='470' height='285'><param name='movie' value='http://www.myvideo.de/movie/5653761'></param><param name='AllowFullscreen' value='true'></param><param name='AllowScriptAccess' value='always'></param><embed src='http://www.myvideo.de/movie/5653761' width='470' height='285' type='application/x-shockwave-flash' allowscriptaccess='always' allowfullscreen='true'></embed></object><br/><a href='http://www.myvideo.de/watch/5653761/The_Clash_The_Magnificent_Seven' title='The Clash - The Magnificent Seven - MyVideo'>The Clash &#8211; The Magnificent Seven &#8211; MyVideo</a></p>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<pubDate>Tue, 30 Nov 2010 03:33:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<div class="bottomcontainerBox" style="background-color:#F0F4F9;">
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Normalerweise sind ja Dauerwerbeveranstaltungen wie Jägermeister Rockliga &#038; Co. nicht so meine Liga, und zwar tendentiell unabhängig von Inhalten, die präsentiert oder beworben werden sollen (wobei Tabak / Hartalk noch ein anderes Thema sind, und wenn man sich mit grobkörnigen Marketingkonzepten an musikalisch weniger mainstreamige &#8211; also tendetiell bessere &#8211; Sachen heranrobbt, die zudem eventuell sogar noch eine <em>Haltung</em> vorgeben, wird die Kombi Werbung / Musik zumeist noch schmerzhafter). </p>
<p>Da ich aber Spoek Mathambo gern sehen wollte und seine vorhergehenden Auftritte in Berlin verpasst hatte, musste ich mich wohl oder übel auf Smirnoff Nightlife Exchange einlassen. Popkontext fiel als ein Blog, auf dem Karten für die Veranstaltung verlost werden, gleich unten durch, nachdem ich sagte, ich habe eine kritische Haltung zu solchen Events. Da setzte man doch lieber auf Blogs, die PR-Texte abdrucken (und das entsprechend unkritische Publikum, das sowas liest).</p>
<div id="attachment_15678" class="wp-caption aligncenter" style="width: 445px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/11/Smirnoff-Nightlife-Exchange-Berlin.jpg" alt="Smirnoff-Nightlife-Exchange-Berlin" title="Smirnoff-Nightlife-Exchange-Berlin" width="435" height="600" class="size-full wp-image-15678" /><p class="wp-caption-text">Poster</p></div>
<p>Das Konzept des u.a. von MTV beworbenen Events war allerdings erstmal gut und recht stilvoll, was die Künstler/innen angeht: Man wollte an einem Abend in 14 Städten der ganzen Welt in Clubs die Athmosphäre eines Nachtclubs in einem anderen Land erzeugen. Dazu kaufte man lokale Szenegrößen ein, die das Event kuratieren sollten. Irgendwie hat das zwar nicht ganz so richtig geklappt, oder ich habe was verpasst, aber sei’s drum. Im Fall von Berlin war der “Kurator” der bekannte Veranstalter Conny Opper (Scala / Rio / Berlin Festival). Was der allerdings für einen Draht nach Südafrika hat, ist mir nicht bekannt.</p>
<p>Aber er kennt sich aus und hat mit Spoek Mathambo und Gazelle zwei recht interessante Acts eingeladen. Was Boys Noize jetzt speziell mit Südafrika zu tun hatte, lag auch erstmal nicht auf der Hand. Sah eher nach eine Hand wäscht die andere aus. Die echten südafrikanischen DJs Fresh und Euphonik, die eigentlich auftreten sollten, standen zumindest nicht auf dem Poster, so sie denn überhaupt &#8211; wenn dann als Einheizer am Anfang, den ich verpasst habe &#8211; aufgetreten sind. Dabei wurden sie zumindest in südafrikanischen Blogs als Kuratoren für die Veranstaltung gehandelt (<strong>Update:</strong> Die waren auf dem südafrikansichen Event, <a href="http://www.mycitybynight.co.za/smirnoff-nightlife-exchange-the-night-the-world-swopped-nights/" target="_blank">was offenbar doch stattgefunden hat</a>. Da war der Flug für den Austausch doch zu teuer.)</p>
<p>Gerüchtehalber hatte man auch angedacht, den derzeit populärsten südafrikanischen Act, <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2010/10/06/video-die-antwoord-evil-boy-tourdaten/" target="_blank">Die Antwoord</a>, einzuladen. Ging aber nicht, weil die gerade auf US-Tour sind &#8211; und generell im Einkauf sicher derzeit nicht ganz billig. Da hat Opper mal kurzerhand seine Freundin gefragt, ob sie nicht auftreten mag. Die ist Kanadierin und heißt Peaches und hat das Beste aus der Situation gemacht. Sie legte ein Duett mit Gazelle aufs Parkett. Da der sowieso schon alle Klischees, die der durchschnittliche Mitteleuropäer von (Süd-)Afrika so im Kopf hat, freimütig bedient, außer selber schwarz zu sein &#8211; war Peaches dann im Arrangement zwischen Tiger und Leopard mal das Zebra. Soviel Südafrika. Die Künstler/innen haben allesamt professionelle und gute Auftritte hingelegt. Aber die Stimmung war merkwürdig mau &#8211; nur bei den eingängigen Rhythmen von Gazelle zuckte doch das eine oder andere Knie.</p>
<div id="attachment_15674" class="wp-caption aligncenter" style="width: 459px"><a href="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/11/conny-opper-smirnoff-.jpg" rel="shadowbox[sbpost-15669];player=img;" title="conny opper smirnoff"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/11/conny-opper-smirnoff-.jpg" alt="conny opper smirnoff" title="conny opper smirnoff" width="449" height="600" class="size-full wp-image-15674" /></a><p class="wp-caption-text">Poster</p></div>
<p>Das Publikum war bunt zusammengewürfelt (erstmal nichts Schlechtes), viele gerade im Alter, ab dem man legal Alkohol konsumieren darf, bis Mitte 30. Einige Herren sahen aus, als ob sie gerade von der RWE-Jahresparty kommen, eine jüngere Dame glänzte mit einem Hut, der die Konkurrenz in Ascot hätte erblassen lassen, ein paar Verloren rumstehende, die nicht wußten, was sie hier eigentlich wollten, und durchschnittliches Indie-Publikum, wie man es vielleicht auf dem Berlin Festival oder ähnlichen Veranstaltungen antreffen kann. Am Eingang traf ich auch ein paar überdurchschnittlich attraktive, perfekt durchgestylte Menschen mit wohlklingenden spanischen Namen, die aber so ein Gewese um sich und ihre Präsenz auf der VIP-Liste gemacht haben, dass sie garantiert nicht wichtig waren. Es liefen vergleichsweise viele, wenn auch nicht allzuviele Menschen afrikanischer Abstammung rum, zumeist <em>dressed to the nines</em>. Zu vermuten, dass man sie als Deko engagiert hat, wäre vielleicht zu böse. Berlin ist ja &#8211; angenehmer Weise &#8211; eine internationale Stadt, wo sich auch echte afrikanische Nightclubber auf ein Fake-Event verirren.</p>
<p>Mindestens so viel Faszination wie die Musik schien die Coctailbar auszuüben, wo man gegen Bons kostenfrei wohl typisch südafrikanische Drinks, natürlich mit Wodka von der das Event bezahlenden Marke, bekam (soweit ich sah keiner alkoholfrei). Die waren, soweit ich das beurteilen kann, vorzüglich, aber ich bin bei Coctails auch deutlich weniger sensibel als bei Musik &#8211; um nicht zu sagen, ich habe keine Ahnung davon. Für einen kostenfreien Abend, bei dem man auf Werbeevent eingestellt ist, alles sehr nett, und die Künstler/innen und Herr Opper haben sicher auch überdurchnittlich viele Scheinchen ins Portemonaie zählen dürfen. Aber ein Sponsored Event kann, wie es sich hier zeigte, nie das Real Thing sein. You can&#8217;t buy love, and you can&#8217;t buy style.</p>
<p><strong>Fotos vom Abend <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2010/11/30/smirnoff-nighlife-exchange-mit-spoek-mathambo-gazelle-peaches-und-boys-noize/" target="_blank">hier</a>.</strong></p>
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		<title>Von Atombomben und Hipstern &#8211; ein Hör- und ein Lesetipp</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Nov 2010 13:18:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Im <a href="http://www.guardian.co.uk/music/2010/oct/31/pop-music-atomic-bomb-jon-savage">gestrigen Guardian</a> stellte der britische Punk-Philosoph John Savage in einem Essay ein bereits im Sommer erschienes Compilation-Album vor, das sich mit dem Kontext nukleare Bedrohung und Entstehung der Popkultur befasst. Die Angst vor einer nuklearen Katastrophe war in der Zeit des Kalten Krieges so präsent wie heute die vor einer globalen Umweltkatastrophe und islamistischem Terror. Laut Savage prägte die Vorstellung einer atomaren Auslöschung in der Nachkriegsgeneration eine Haltung, die dem Hier und Jetzt zugewandt war, weil es &#8211; das No Future der Punks quasi vorrausnehmend &#8211; eine Zukunft möglicherweise gar nicht mehr geben würde.<br />
<span id="more-13318"></span><br />
Die Zusammenstellung <em><a href="http://www.bear-family.de/index.php?sid=a8195dd1dc457b6c197dd1034072160a&#038;cl=details&#038;cnid=bearlabel&#038;anid=0a9d3e251940d01ad9043071abeec9cd"><strong>Atomic Platters: Cold War Music from the Golden Age of Homeland Security</strong></a></em> vereint US-Songs zum Thema aus den Jahren 1945 &#8211; 1969 und ist bei Bear Family für den stolzen Preis von 157 € zu haben (<a href="http://www.atomicplatters.com/">hier die eigen Webseite dazu</a>). Savage bezeichnet sie weniger als Compilation ale eine &#8220;kleine Ausstellung&#8221;. Ausführlicheres von ihm dazu gibt es <a href="http://www.guardian.co.uk/music/2010/oct/31/pop-music-atomic-bomb-jon-savage">hier zu lesen</a>, wo er auch gleich noch auf den für März angekündigten Dokumentarfilm <em>Countdown to Zero</em>  (Trailer unten) hinweist, der sich mit der gänzlichen Abschaffung aller Atomwaffen befasst. Hier noch eine <a href="http://sz-magazin.sueddeutsche.de/blogs/musikblog/2324/ein-atom-cocktail-bitte/">Rezension auf Deutsch</a> aus der SZ.</p>
<div id="attachment_13416" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/11/atomic-platters-cold-war-music-bear-family.jpg" rel="shadowbox[sbpost-13318];player=img;" title="atomic platters cold war music bear family"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/11/atomic-platters-cold-war-music-bear-family.jpg" alt="atomic platters cold war music bear family" title="atomic platters cold war music bear family" width="500" height="500" class="size-full wp-image-13416" /></a><p class="wp-caption-text">Cover</p></div>
<p>Auch Noman Mailer begann sein berühmtes Essay <em>The White Negro: Superficial Reflections on the Hipster</em> von 1957 mit einem Szenario das klar macht, dass nach dem Holocaust und den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki nichts mehr so ist wie es war &#8211; nichts mehr so sein kann. Er legte mit dem Text die ultimative Beschreibung des Weltgefüges der Hipster dar, ein Begriff, der zuerst 1948 von Anatole Broyard verwandt wurde. Jetzt liegt ein aktueller Essayband mit Texten vor, die sich vor allem mit dem neuen Hipster beschäftigen. Während sich der Originalhipster aus der weißen Mittelklasse der afroamerikanischen Kultur als der untimativen Außenseiterkultur zuwandte, sei es heute der White Trash, die weiße Unterschicht, so die These &#8211; äußere Kennzeichen Schnurrbart, komische Brillen und linkische Westover. Der Band trägt den Titel <a href="http://nplusonemag.com/what-was-hipster"><em><strong>What Was the Hispster</strong></em></a> und wurde vom Literaturmagazin <strong><a href="http://nplusonemag.com/c">n+1</a></strong> herausgegeben. Hier eine längere <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-10/hipster?page=1">Besprechung in der Zeit</a>. </p>
<div id="attachment_13421" class="wp-caption aligncenter" style="width: 603px"><a href="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/11/hipster.jpg" rel="shadowbox[sbpost-13318];player=img;" title="Cover: What Was The Hipster / Advertisments for Myself"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/11/hipster.jpg" alt="Cover: What Was The Hipster / Advertisments for Myself" title="Cover: What Was The Hipster / Advertisments for Myself" width="593" height="491" class="size-full wp-image-13421" /></a><p class="wp-caption-text">Cover: What Was The Hipster / Advertisments for Myself</p></div>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/3mn-1LuLhrw?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/3mn-1LuLhrw?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object></p>
<p>Update:</p>
<p>WNYC-Interview with Mark Greif, co-founding editor of the literary journal n+1 and frequent contributor to The American Prospect, discusses the rise and fall of the contemporary hipster. Greif also participated in a writers&#8217; debate on the topic, published in What Was The Hipster?: A Sociological Investigation (n+1 Foundation, 2010).</p>
<p><embed src="http://www.wnyc.org/media/audioplayer/red_progress_player_no_pop.swf" width="515" height="29" wmode="transparent" allowscriptaccess="always" quality="high" flashvars="file=http://www.wnyc.org/audio/xspf/99787/&#038;repeat=list&#038;autostart=false&#038;popurl=http://www.wnyc.org/audio/xspf/99787/%3Fdownload%3Dhttp%3A//www.podtrac.com/pts/redirect.mp3/audio.wnyc.org/bl/bl110810fpod.mp3"></embed><script type="text/javascript">(function(){var s=function(){__flash__removeCallback=function(i,n){if(i)i[n]=null;};window.setTimeout(s,10);};s();})();</script></p>
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		<title>anbb: Blixa Bargeld und Alva Noto im Berghain Berlin</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Sep 2010 22:52:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p><strong>Update:</strong><br />
<em>Blixa Bargeld und Alva Noto: Interview-Mitschnitt von Jorinde Reznikoff und Klaus-Peter Flügel (<a href="http://www.neopostdadasurrealpunkshow.de/" target="_blank">neopostdadasurrealpunkshow</a>) vom <a href="http://www.fsk-hh.org/" target="_blank">Freien Senderkombinat FSK Hamburg</a>.</em></p>
<p><object height="81" width="100%"><param name="movie" value="http://player.soundcloud.com/player.swf?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F6080219&amp;show_comments=true&amp;auto_play=false&amp;color=00ff8a"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param> <embed allowscriptaccess="always" height="81" src="http://player.soundcloud.com/player.swf?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F6080219&amp;show_comments=true&amp;auto_play=false&amp;color=00ff8a" type="application/x-shockwave-flash" width="100%"></embed></object>   <span><a href="http://soundcloud.com/popkontext/anbb-fsk">anbb fsk</a> by <a href="http://soundcloud.com/popkontext">popkontext</a></span></p>
<p>Eine handvoll Menschen stand in der Herbstkühle vor dem Berliner Berghain, nachdem das erst kurzfristig intensiver beworbene Event kurz vor Veranstaltungsbeginn erwartungsgemäß ausverkauft war. Fast alle, die in die heiligen Hallen des weltweit bekannten Clubs eintreten wollten, waren deutlich älter als der Schnitt der hier  ansonsten verkehrenden Nachtschwärmer. Einige waren offenbar mitgealterte Neubauten-Anhänger/innen der ersten Stunde (und das oft auch weiblich), aber auch die Musikhipster jeglicher Couleur und die vergleichsweise jüngeren Alva Noto-Fans waren vielfach deutlich über 30. </p>
<div id="attachment_10111" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/09/anbb_promo.jpg" rel="shadowbox[sbpost-10083];player=img;" title="Press Photography / 2010 / Berlin Commissioned by Raster-Noton / Berlin"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/09/anbb_promo.jpg" alt="anbb" title="Press Photography / 2010 / Berlin Commissioned by Raster-Noton / Berlin" width="600" height="393" class="size-full wp-image-10111" /></a><p class="wp-caption-text">anbb / Foto: Promo Copyright Raster-Noton Berlin</p></div>
<p>Die vermutete Stardichte an einem Abend, an dem sich eine international verehrte Kultfigur aus der alten Berliner Szene und ein angesehener Elektronikmusiker die Ehre gaben, war zumindest am Einlass dann doch nicht so hoch. Aber die Presse kam, u.a. Jens Balzer von der Berliner Zeitung samt Fotograf und Martin Hossbach von der Spex, der wie aus dem Ei gepellt in Schlips und Kragen mit frisch geföhntem Haar in den Berghain rauschte. In den dunklen Gefilden im Inneren des Berghains hat man kaum eine Chance, auf Gesichter zu achten: Immer wieder entgleitet hier der Blick von der spärlich in Weiß, Lila und Stroboskoplicht beleuchteten Menschenmenge in die beeindruckende Raumhöhe. Man kontempliert die Architektur, in der der einzelne Mensch verschwindet, Teil einer wabernden Masse zwischen Mauern, Stufen und Säulen wird. Dafür fielen mir diesmal die Designlautsprecherboxen besonders auf, die mich in diesem Kontext an die futuristischen <a href="http://www.medienkunstnetz.de/werke/intonarumori/" target="_blank">Intonarumori</a> erinnerten, die Bargeld einst für eine Arbeit hat nachbauen lassen. (<em>Update: </em><a href="http://www.funktion-one.com/Berghain_Germany_Mondo.htm" target="_blank">Hier </a>ein interessanter Artikel über die Anlage).</p>
<p>Die Lightshow auf der Bühne war passend minimalistisch und effektvoll: Auf einer weißen Leinwand im Hintergrund spielten die Schatten der manchmal grell weiß angestrahlten, manchmal in weiches lila, oranges oder grünes Licht getauchten Musiker. Auftritt Blixa Bargeld: Das zeltartige Jacket umspielte einen veritablen Wanst, das bleiche Gesicht verlebt und aufgedunsen. Die schmierige Schüttelfrisur mit den ausgeschnittenen Ohrenpartien war schon immer albern. Und doch macht dieser Mann, der nie darauf Wert gelegt hat, als Sympath zu erscheinen, Eindruck. Denn der mittlerweile 51jährige ist nicht nur jemand, der sich selbst zur unnahbaren Künstler Star-Persona stilisiert, sondern auch 30 Jahre substantiell Musikgeschichte geschrieben hat, mit den Einstürzenden Neubauten und jenseits davon. Das verlangt einfach Respekt ab, ja sogar ein bisschen Ehrfurcht.</p>
<div id="attachment_10093" class="wp-caption aligncenter" style="width: 418px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/09/blixa-bargeld-neubauten-promo-web.jpg" alt="blixa bargeld einstuerzende neubauten" title="blixa bargeld einstuerzende neubauten" width="408" height="600" class="size-full wp-image-10093" /><p class="wp-caption-text">Blixa Bargeld / Foto: Promo</p></div>
<p>Er griff das Mikro, sang los mit der charakteristischen theatralischen Stimme, voller durch den neu gewonnen körpereigenen Resonanzboden, in seinem Englisch mit dem starken deutschen Akzent, in seiner Muttersprache, er warf Wortfetzen in die Menge, und auch von den Geschichten, die er in den Songs erzählte, verstand man leider nur Bruchstücke. Die Wirkung entfaltete sich aus dem Zusammenspiel von Geste, Text, Gesangsstil und Musik, wenn zum Bespiel beim Titelsong der EP <em>Ret Marut Handshake</em> Erinnerungen an Nick Caves <em>Murder Ballads</em> wach wurden &#8211; was natürlich zudem auch Kontextassoziation war, weil Bargeld lange Jahre in dessen Band Gitarre spielte. Bargeld wedelte mit den Händen, reckte die Finger in die Luft, trat vom Mikro zurück, kreischte, fauchte und schrie, wiegte dabei den massigen Körper hin und her und ging ein paar Schritte. Nach fast jedem Stück umarmten sich er und sein Mitstreiter, als seien sie riesig glücklich über das gerade Zustandegebrachte und / oder müssten ihre Energien wieder vereinen für das Kommende.</p>
<p>Sieht man vom Kult ab, war der Star des Abends allerdings Carsten Nicolai alias alva noto. Ich kannte den renommierten Soundforscher bisher vor allem aus seiner Zusammenarbeit mit Ryuichi Sakamoto, einer Bargeld ebenbürtigen musikalische Figur, aber einem völlig entgegengesetzten Typus: Ein ruhiger, freundlicher und liebenswürdiger Mensch, uneitel, was seine Person betrifft. Nicolais Arbeit mit ihm schien in ihrer tranceartigen Zurückhaltung mit seiner zu Einem zu verschmeltzen. Es überraschte mich so, wie dynamisch und krachig Nicolai die Diva Bargeld in Szene setzte. Offenbar ist der in Karl Marx-Stadt aufgewachsene 45jährige Künstler in der Lage, sich völlig auf seine jeweiligen musikalischen Partner einzulassen: In dem, was der Musiker aus Rechner und allerlei Effektgeräten herausholte, hallte der Geist der Neubauten wider, der Noise, aber auch das Balladeske. Diesen Nachhall übersetzte und reinterpretierte Nicolai in seinem elektronischen Universum: Er überraschte mit immer neuen und unterschiedlichen Krachfeuerwerken, nahm sich zurück, wenn Bargeld sang, legte zerzauste Soundteppiche unter Songs, um dann wieder loszulegen. Dabei schlug auch er mit den Armen durch die Luft, zum Teil in synchroner Choreografie mit dem Altmeister, und wippte energetisch mit dem Oberkörper, sprang von einem der auf Eck gestellten Geräte zum anderen. Dann stand er wieder in der Ecke und beobachtete, was Herr Bargeld so macht.</p>
<div id="attachment_10097" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/09/alvanoto-promo.jpg" alt="alva noto" title="alva noto" width="400" height="600" class="size-full wp-image-10097" /><p class="wp-caption-text">alva noto / Foto: Promo</p></div>
<p>Das Zusammenspiel der beiden Künstler funktionierte perfekt. Als Bargeld die am <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2010/09/14/einsturzende-neubauten-jubilaumstour-alva-noto-und-blixa-bargeld-tourtermine/" target="_blank">im Oktober erscheinenden Album</a> beteiligte Veruschka von Lehndorff zum Song <em>Katze </em>auf die Bühne holte, wirkte die schräge ältere Dame, in ein türkisfarbenes Schlauchkleid mit passendem Glitzerhäubchen gekleidet, trotz des Versuchs, sie einzubeziehen, wie ein Fremdkörper und wurde dann auch schnell von Bargeld wieder galant davongeleitet. Außer einem gut gelaunt wirkenden „Herzlichen Dank“ an das Publikum gab es kaum Kommunikation außerhalb des Bargeld / Noto-Universums. Aber nach einigen anfänglichen Irritationen zog das Gespann die Zuhörerinnen mit den immer wieder überraschenden Klängen und Bargelds lamentierendem Sprechgesang in einheimischen, ausländischen und außerweltlichen Zungen in einen magischen Bann. In einem schönen Moment von Gemeinsamkeit begann Bargeld die Zugabe mit einem spitzen Schrei, den Nicolai aufnahm und in eine an Florian Hecker erinnernde, für manche Zuhörer/innen schmerzhafte Hochfrequenzorgie verwandelte: Der Fiepton schien physisch auf dem Trommelfell zu tanzen und zu sirren wie eine hysterische, im Gehörgang gefangene Monstermücke (<em>Update:</em> Wie man an unten stehendem Video aus Hamburg sieht, war es doch nicht so spontan &#8211; der physische Effekt kommt allerdings nur live). </p>
<p>Die Qual schien Bargeld zu freuen, denn er verkündete bei der zweiten Zugabe strahlend und ungewöhnlich menschlich, dass das ein spontanes Zusammenspiel war. Zum Schluss gab er noch den an angloamerikanischen Weisen geschulten <em>Song I Wish I Was</em> zum Besten (<em>Update</em>: Es war wohl tatsächlich <em><a href="http://www.youtube.com/v/YETlmOQWkXU" rel="shadowbox[sbpost-10083];player=swf;width=640;height=385;">I Wish I Was a Mole in the Ground</a></em> von Bascom Lamar Lunford von der Anthology of American Folk Music, wie ein aufmerksamer Leser anmerkte), den Nicolai mit zurückhaltenden, passend monotonen Loops unterlegte. Nach der zweiten Zugaben war das Publikum mindestens so erschöpft wie die Band und zog sich gen Ausgang zurück. Das Konzert hatte einiges abverlangt, im besten Sinne eines fordernden Sinneseindrucks &#8211; es war anstrengend, aber befriedigend, stark und bereichernd.</p>
<p><a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0920/feuilleton/0032/index.html" target="_blank">Eine sehr schöne Review auch von Jens Balzer in der Berliner Zeitung</a></p>
<p><object width="640" height="505"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/TOPWKT6ltyA?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/TOPWKT6ltyA?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="505"></embed></object></p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/VrVRTAuDI5E?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/VrVRTAuDI5E?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object></p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/v7PRzkhFuJ0?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/v7PRzkhFuJ0?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object></p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/jTWwXvAI250?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/jTWwXvAI250?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object></p>
<p>Mehr qualitativ recht gute Videos von der Aufführung bei Kampnagel in Hamburg, die der Berliner Show offenbar ähnlich war, <a href="http://www.youtube.com/results?search_query=Alva+Noto+%26+Blixa+Bargeld+live+in+Kampnagel+Hamburg&#038;aq=f" target="_blank">von User DJDistortedChaos auf YouTube</a>.</p>
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		<title>Seu Jorge and Almaz</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 22:46:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Der heute 40jährige brasilianische Musiker Seu Jorge ist im westlichen Kulturkreis zunächst als Schauspieler bekannt geworden. Er spielte eine Hauptrolle im oscargekrönten brasilianischen Film <em>Cidade de Deus</em> (City of God, 2002). Musikalisch wurde er zum ersten Mal einem breiteren Publikum bekannt, als er das Coveralbum <em>This Life Aquatic Studio Sessions </em>veröffenlichte. Darauf waren David Bowie-Cover zu hören, die er als Protagonist in Wes Andersons Film <em>The Life Aquatic with Steve Zissou</em> in seiner Muttersprache interpretiert hatte.</p>
<p>Obwohl Jorge auch ein profilierter Komponist ist, der seit 1998 auch eigene Songs mit der Band Farofa Carioca und später solo aufgenommen hat, verläßt er sich auf seinem neuen Album wieder auf seine Qualitäten als Musiker, Sänger und Arrangeur. Das altmodische Albumdesign des britischen Grafikers Lewis Heriz gibt das Programm vor: Jorge widmet sich diesmal vorrangig brasilianischen Klassikern seit den 60ern, von seinem großen Helden Jorge Ben (<em>Errare Humanum Est</em>), aber auch im Westen weniger bekannten Musikern wie Noriel Vilela (<em>Saudosa Bahia</em>), Tim Maia (<em>Cristina</em>), Martinho da Vila und João de Aquino (<em>Cirandar!</em>). Zudem covert er ein paar westliche Songs, wie Michael Jacksons <em>Rock With You</em>, oder <em>Girl You Move Me</em> von der wenig bekannten französichen Band Cane and Abel. </p>
<div id="attachment_4984" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/07/seu-jorge-and-almaz.jpg" alt="seu jorge and almaz" title="seu jorge and almaz" width="500" height="500" class="size-full wp-image-4984" /><p class="wp-caption-text">Cover</p></div>
<p>Das Besondere an dem Album ist der zeitlose Sound, den er gemeinsam mit seiner neuen Band Almaz kreiert. Für das Projekt hat er sich mit Schlagzeuger Pupillo, dem Gitarristen Lucio Maia und dem Bassisten Antonio Pinto zusammengetan. Coproduziert wurde das Ganze von Mario Caldato, der zwar ein Landsmann ist, aber vor allem durch seine Arbeit mit den Beastie Boys und Jack Johnson bekannt wurde.</p>
<p>Jorge selber ist ein großer Fan der afrobrasilianischen Samba, um deren Weiterentwicklung er bemüht ist, aber auch US-Amerikansicher Jazz-Soul hat ihn beeinflußt (auf dem Album durch Roy Ayers <em>Everbody Loves The Sunshine</em> repräsentiert). Pupillo und Maia kommen von Nação Zumbi, einer der profiliertesten Bands der Mangue Bit bzw. Beat-Bewegung (Bit bezieht sich auf die elektronischen Momente, Beat ist eine Fehlinterpretation). Diese ist seit den frühen 90ern in der nordostbrasilianischen Stadt Recife aktiv und wird mit der Tropicalismo-Bewegung der 60er verglichen: die reiche musikalische Tradition der Gegend soll mit der modernen westlichen Musik verbunden werden, das Ganze unter einem sozialkritischen Ansatz. Der Vierte im Bunde, Antonio Pinto, ist vor allem als Filmkomponist bekannt (u. a. Soundtrack zu <em>Cidade de Deus</em>).</p>
<div id="attachment_6053" class="wp-caption aligncenter" style="width: 465px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/07/seu-jorge-and-almaz-silk-screened-tour-poster.jpg" alt="seu-jorge-and-almaz-silk-screened-tour-poster" title="seu-jorge-and-almaz-silk-screened-tour-poster" width="455" height="455" class="size-full wp-image-6053" /><p class="wp-caption-text">Nordamerika-Tourposter</p></div>
<p>Alle Ansätze sind zu einem relativ homogenen Sound zusammengefügt, der die Balance zwischen neu und Retro findet. Die von Haus aus  sanften Sambabeats werden mit schwereren psychedelische Beats und Elektronika verstärkt, besonders in den Covern der nichtbrasilianischen Songs kommen verstärkt Rockelemente zum Einsatz, auch wenn es hier um eine brasilianische Reinterpretation geht. Diese funktioniert allerdings nur hörenswert bei Kraftwerks &#8220;The Model&#8221;, durch den krassen Gegensatz zwischen kaltem Original und dem Warmen des brasilianischen Flairs, was die ganze Platte beherrscht. Das weichen brasilianische Portugiesisch, in dem Jorge bis auf wenige Ausnahmen singt, klingt so sanft und zurückgelehnt wie die Musik, aber es gibt genug Dynamik und Spannung, dass es nie langweilt oder schläfrig macht. Besonders der psychedelische Einschlag erzeugt einen wehmütigen Unterton, der Sehnsucht nach einem trunkenen Tanz durch die tropische Nächte in Jorges Heimat weckt.</p>
<p><strong>Veröffentlichungstermin / Release Date:</strong><br />
14. September (Europa)<br />
27. Juli (Rest der Welt)<br />
auf <a href="http://www.nowagainrecords.com/" target=_blank">Now-Again Records</a>, ein Sublabel von <a href="http://www.stonesthrow.com/" target=_blank">Stone&#8217;s Throw Records</a></p>
<p><strong>Hören / Listen:</strong><br />
<a href="http://www.kcrw.com/music/programs/ap/ap100719seu_jorge_and_almaz" target=_blank">Album Stream beim kalifornischen NPR-Ableger KCRW</a>.<br />
<a href="http://beta.wnyc.org/shows/soundcheck/2010/jul/29/seu-jorge/" target="_blank"><strong>Live-Performance</strong> bei WNYC</a><br />
Albumvorstellung beim <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2010/08/06/popkontext-510-brasilien-special/" target="_blank"><strong>Brasilien-Special von Popkontext-Radio</strong></a></p>
<p><strong>Kostenloser Dowload / Free Download</strong><br />
<a href="http://seujorgealmaz.com/2010/06/22/seu-jorge-and-almaz-out-07-27-10/" target=_blank">Cirandar!</a> gegen E-Mail / in exchange for your E-mail address.<br />
<a href="http://www.stonesthrow.com/news/2010/07/seu-jorge-and-almaz-on-now-again">Everybody Loves the Sunshine</a> bei / at Stone&#8217;s Throw Records.</p>
<p><strong>Tourdaten:</strong><br />
<strong>Seu Jorge</strong><br />
23.10.10, Huxleys Berlin<br />
24.10. 2010 Fabrik Hamburg<br />
<em>(mehr zur Europatournee Ende Oktober demnächst)</em></p>
<p><strong>Webseite / Website <a href="http://seujorgealmaz.com/" target=_blank">Seu Jorge and Almaz</a></strong></p>
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		<title>Sex &amp; Drugs &amp; Rock&#8217;n&#039;Roll: Ian Dury Biopic</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 19:59:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bottomcontainerBox" style="background-color:#F0F4F9;">
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			</div>			
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Ian Dury gehört nicht zu den Musikern, die im Zuge des Revivals der britischen Punk und New Wave-Musik in den letzten Jahren noch einmal besondere Beachtung gefunden haben. Obwohl er zweifellos zu einem der wichtigsten Protagonisten dieser Zeit zählte, war er zu sperrig, zu eigen und ja, zu britisch. Wie z. B. auch bei David Bowie besonders in seiner frühen Phase, schwang bei Dury neben musikalischen Einflüssen aus Punk, Rock, Funk und Jazz auch immer seine Liebe zur britischen Music Hall mit, einer Art Varieté-Musik, die den gemeinen Punkliebhaber besonders außerhalb des britischen Kulturkreises eher befremdet.</p>
<div id="attachment_2094" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/04/SexDrugsRocknroll_scene_2.jpg" alt="Sex_Drugs_Rocknroll" title="Sex_Drugs_Rocknroll_1" width="600" height="377" class="size-full wp-image-2094" /><p class="wp-caption-text">Andy Serkis als Ian Dury / Foto: Promo</p></div>
<p>Aber der derzeitige Biopic-Boom machte auch vor ihm nicht halt und Regisseur Mat Whitecross setzte dem 2000 verstorbenen Sänger mit dem Film „Sex &#038; Drugs &#038; Rock&#8217;n'Roll“ nicht nur ein Denkmal, sondern bringt ihn &#8211; wie auch eine neue Biografie von Will Birch &#8211; in die Erinnerung der Musikfreunde zurück. Der Film, der weniger eine originalgetreue Nacherzählung von Dury&#8217;s Leben ist als ein Eindruck seiner Persönlichkeit, nimmt stilistisch das Grobe und Bizarre dieser Person Ian Dury auf, ebenso wie das darunter liegende Sensible und Verletzliche.</p>
<p>Harte, schnelle Schnitte – teilweise mit Animationen von Dury&#8217;s einflussreichem Kunstlehrer und Freund Peter Blake  &#8211; und laute, chaotische Momente werden langsamen, nachdenklichen und tragischen Passagen gegenüber gestellt. Als weiteres, zunächst irritierendes Stilmittel lässt man die Schauspieler nicht wie gewohnt der Geschichte entsprechend Altern – sie sind entweder Kind oder Erwachsene, ob zwischendurch zehn Jahre vergangen sind oder nicht. Damit wirkt der Film, wie schon die teilweise surrealistischen Animationsszenen nahelegen, ein wenig wie ein Theaterstück.</p>
<p>Dury war aufgrund einer Polio-Erkrankung in seiner Kindheit gehbehindert – der Film zeichnet nach, wie er die Verletzungen aus seiner Kindheit in seine Beziehungen zu anderen Menschen &#8211; seiner Band und seinen Frauen &#8211; trägt und sich einerseits völlig egozentrisch, rücksichtslos und zuweilen grausam verhält, andererseits ständig auf der Suche nach Liebe ist – und diese auf seine Art auch hin und wieder geben kann. Neben dem Persönlichen ist der Film eine Hommage an das künstlerische Schaffen von Ian Dury, das sehr eng mit seiner verschrobenen Person verwoben ist. </p>
<div id="attachment_2095" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/04/SexDrugsRocknroll_scene_7.jpg" alt="Sex_Drugs_Rocknroll" title="Sex_Drugs_Rocknroll_2" width="400" height="600" class="size-full wp-image-2095" /><p class="wp-caption-text">Nachstellung des berühmten Covers des ersten Ian Dury and The Blockheads-Albums / Foto: Promo</p></div>
<p>Die Geschichte beginnt mit einem Auftritt seiner ganz und gar nicht nach coolem Rock&#8217;n'Roll aussehenden und entsprechend erfolglosen Pubrock-Band Kilburn &#038; the High Roads (hier ein <a href="http://www.rocktownhall.com/blogs/media/blogs/rth/HighRoads.jpg" rel="shadowbox[sbpost-2083];player=img;" target="_blank">Foto der echten Band</a>). Dann trifft Dury (Andy Serkis) Chas Jankel (Tom Hughes), der zu seinem wichtigsten Mitstreiter werden soll. Mit einer neuen Band, den Blockheads, und unter neuem Management landet er mit „Sex &#038; Drugs &#038; Rock &#038; Roll“ auf dem ebenfalls neuen Plattenlabel Stiff Records den lange ersehnten ersten Hit, sein Blockheads-Debüt „New Boots and Panties!!&#8221; (1977) wird ein Millionenseller. </p>
<p>Der komische „Krüppel“, zu diesem Zeitpunkt bereits 35 Jahre alt, wird zum gefeierten und seinerzeit einflussreichen Rockstar. Zumindest eine Filmszene widmet sich hier auch explizit den Texten, in denen es nicht nur oft auf obszöne Weise um Sex geht, sondern die eine derbe, aber dichterisch herausragende Betrachtung des Lebens der britischen Arbeiterklasse sind (obwohl er zumindest mütterlicherseits aus dem Bildungsbürgertum stammte). </p>
<p>In diesen spielt er, nicht immer zur Freude der vermeintlich politisch Korrekten, auch häufig auf seine Körperbehinderung an.  Er nennt sich selbst „Raspberry“, in der Cockney-Sprache die Bezeichnung für „Krüppel“ („Rasberry Ripple“ &#8211; Himbeer-Vanilleeiscreme &#8211; als Reim auf „Cripple“) und feiert  das Internationale Jahr der Behinderten 1981 mit dem provokativen Song „Spasticus Autisticus“, das von der BBC gebannt wurde. Dieses Krüppel-Sein, zentral prägend für Dury&#8217;s Karriere und sein ganzes Leben von der Aggression gegen Andere bis zum unbedingten Willen zum Ruhm, dient dem Film als Leitmotiv und Metapher.</p>
<p>Dury hatte jedoch als Musiker nicht nur Schwierigkeiten, jenseits des Musters seines Hits „Sex &#038; Drugs &#038; Rock &#038; Roll“ innovativ zu komponieren, sondern er vergraulte durch sein provokatives und zum Teil bösartiges Verhalten bald wichtige Kollaborateute und war vom Starruhm genervt – weshalb der Film folgerichtig auch Anfang der 80er endet, als Dury&#8217;s kreativste Schaffensphase vorbei war und er als alkohol- und pillenabhängiger Rockstar in einem Hotel lebend sein Umfeld tyrannisierte. Diesem Negativbild wird allerdings auch ein liebevoller, zumindest streckenweise gereift wirkender Dury entgegen gesetzt, der sich für behinderte Kinder einsetzt.</p>
<div id="attachment_2097" class="wp-caption aligncenter" style="width: 497px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/04/ian_dury_wikipedia_web.jpg" alt="ian_dury_wikipedia" title="ian_dury_wikipedia_web" width="487" height="600" class="size-full wp-image-2097" /><p class="wp-caption-text">Der echte Ian Dury (1978) / Foto: Wikipedia</p></div>
<p>Ian Dury-Darsteller Andy Serkis, der auch das Gollum im Herrn der Ringe gespielt hat, beweist hier wieder seine Fähigkeit, ein sehr eigenes, sensibles und komplexes – in diesem Fall menschliches – Wesen überzeugend zu verkörpern. Alle anderen Figuren dienen dazu, die Hauptfigur zu zeichnen. Der Schmerz aber auch die Liebe, die der manipulative Schürzenjäger Dury bei seinen Frauen auslöste, wird nachvollziehbar anhand der schauspielerischen Leistung von Olivia Williams als Durys ersten Ehefrau Betty und Naomie Harris als die exemplarisch für diverse Liebhaberinnen stehende Freundin Denise. Zentrale Handlungsträger, die helfen, sich Dury zu nähern, sind auch sein wichtigster Kollaborateur Chas Jankel stellvertretend für die Blockheads (Tom Hughues) und sein Sohn Baxter (der heute 15jährige Bill Milner). Letzterer überzeugt vor allem durch seine Wandlung vom schüchternen, angepassten Grundschüler zum rebellischen Teenager. Die Filmmusik stammt neben den Originalsongs vom echten Chaz Jenkel, der Co-Autor vieler Blockheads-Hits war und dessen Weggang 1979 den Anfang vom Ende von Dury&#8217;s innovativer Schaffensphase markierte. </p>
<p>Während die Blockheads dem Film kritisch gegenüber standen, u. a. weil die Musik zu wenig und die persönlichen Beziehungen Dury&#8217;s zu stark Beachtung fanden (Interview bei <a href="http://thequietus.com/articles/03586-sex-drugs-rock-roll-the-life-of-ian-dury-reviewed-by-the-blockheads" target="_blank">The Quietus</a>), war  Baxter Dury unter dem Strich trotz der schonungslosen Darstellung seines Vaters zufrieden. Er fand nur einiges übertrieben und sagte dem <a href="http://www.guardian.co.uk/music/musicblog/2010/jan/15/baxter-dury" target="_blank">Guardian</a>: „Ich mache mir Sorgen, dass die Leute denken, dass wir eine Art Rock&#8217;n'Roll Experiment waren, aber wir waren eine ganz normale, glückliche Familie.“ Andererseits unterstützt er die Aussage des Films vollkommen, in dem er zitiert, was einmal über seinen Vater gesagt wurde: „Er war wie ein schön eingerichtetes Hotel, auf der eine Seite mit Blick auf einen Traumstrand, auf der anderen Seite mit Blick auf den Gaza-Streifen.“ </p>
<p><strong>Filmstart war in Großbritannien der 8. Januar 2010, für Deutschland gibt es noch kein Datum. Der Film wurde als Deutschlandpremiere auf der Berlinale 2010 gezeigt.</strong></p>
<p><strong>Termin</strong><br />
Der Film wird auf dem <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2011/04/03/in-edit-musikfilmfestival-vom-5-10-april-in-berlin/" target="_blank">In-Edit Musikfilmfestival</a> in Berlin gezeigt:<br />
Dienstag 5.4.2011 20:45 Moviemento 2<br />
Freitag 8.4.2011  23:00 Moviemento 1<br />
Sonntag 10.4.2011  22:15 Moviemento 1<br />
Kino Moviemento, Kottbusser Damm 22, Berlin<br />
<a href="http://www.in-edit.de/webapp/pelicula;jsessionid=bxkw8a8g5p9y?peli_id=137" target="_blank">Ankündigung bei In-Edit (English)</a></p>
<p><object width="600" height="337"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="movie" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=8245291&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=00ADEF&amp;fullscreen=1" /><embed src="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=8245291&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=00ADEF&amp;fullscreen=1" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always" width="600" height="337"></embed></object>
<p><a href="http://vimeo.com/8245291">Sex&#038;Drugs&#038;Rock&#038;Roll Trailer</a> from <a href="http://vimeo.com/user1978469">Sex&amp;Drugs&amp;Rock&amp;Roll</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
<p><H3>Mehr Infos</H3><br />
<a href="http://www.sex-drugs-rock-roll-thefilm.com/" target="_blank">Webseite des Films</a><br />
<a href="http://www.iandury.co.uk/" target="_blank">Webseite Ian Dury</a><br />
<a href="http://willbirch.wordpress.com/" target="_blank">Ian Dury, The Definitive Biography</a> von Will Birch (hier eine <a href="http://www.dailymail.co.uk/tvshowbiz/article-1241730/Sex--Drugs--Rock--Roll-Ian-Dury-film-reveals-charming-cruel-violent-womaniser.html" target="_blank">Zusammenfassung</a>)</p>
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		<title>Frauen in der elektronischen Musik: 24 Interviews</title>
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		<comments>http://www.popkontext.de/index.php/2010/04/06/frauen-in-der-elektronischen-musik-24-interviews/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 06 Apr 2010 10:38:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Antye Greie]]></category>
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		<category><![CDATA[elektronische Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Pink Noise]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<div class="bottomcontainerBox" style="background-color:#F0F4F9;">
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>„Pink Noises“ &#8211; so der Buchtitel &#8211; ist neben der offensichtlichen Konnotation (rosa seit Mitte des 20. Jahrhunderts in der westlichen Welt als Farbe des akzeptierten Weiblichen, Noise als Lärm, Krach, Geräusch) auch ein Begriff aus der Akustik, ähnlich dem „White Noise“, dem Weißen Rauschen (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1/f-Rauschen" target="_blank">nähere technische Erläuterung</a>). Die New Yorker Autorin, Wissenschaftlerin und Musikerin Tara Rodgers findet es bezeichnend, dass dieses Rosa Rauschen zwar als Referenzsignal in Aufnahmestudios eingesetzt wird, also essentiell wichtig ist, aber bei den Aufnahmen zumeist herausgehalten wird.</p>
<p>Ähnliches stellte Rodgers nämlich in der Geschichtsschreibung der elektronischen Musik fest: Die sowieso schon recht wenigen Frauen, die in dem Bereich aktiv und zum Teil wegweisend waren, kamen im offiziellen Diskurs gar nicht vor. Beispielhaft ist hier ein Dokumentarfilm von 1998, sogar von einer Frau gedreht: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=JH-isHOxV8E" rel="shadowbox[sbpost-2005];player=swf;width=640;height=385;" target="_blank">„Modulations: Cinema for the Ear“</a>,  der den Anspruch erhebt, die Geschichte der elektronischen Musik zu erzählen, kommt ganz ohne eine einzige Frau als Protagonistin aus, ebenso sind die fast 80 Informanten, mit denen über das Thema gesprochen wurde, ausschließlich Männer.</p>
<div id="attachment_2008" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/04/pauline-oliveros.jpg" alt="pauline oliveros" title="pauline oliveros" width="600" height="424" class="size-full wp-image-2008" /><p class="wp-caption-text">Pauline Oliveros / Foto: Barbara Mürdter</p></div>
<p>In 24 Interviews mit Frauen, die sich mit elektronischer Musik und elektronischem Sound beschäftigen &#8211; Musikerinnen, DJs, Remixerinnen, Komponistinnen, Instrumentenbauerinnen und Installationskünstlerinnen &#8211; versucht Rodgers herauszufinden, wer diese Frauen in der elektronischen Musikkultur nun sind und was sie umtreibt. Dabei geht es weniger um große Namen – Le Tigre und Blevin Blectum sind die bekanntesten – als um Künstlerinnen verschiedener Generationen und kultureller Hintergründe, um ein möglichst umfassendes Bild dieser unsichtbaren weiblichen Seite zu zeichnen. Rodgers beschäftigt sich seit Ende der 90er mit dem Thema und gründete 2000 die Webseite Pinknoises.com, aus der das Buch entstand. </p>
<p>In der Einleitung, die nicht nur ihre Arbeitsweise, sondern auch eine andere Sichweise auf das Thema wiedergeben soll, und ebenso eine Verbindung zwischen den Interviews herstellen will, vergibt die Autorin leider sehr viel. Der Ansatz ist sehr wissenschaftlich – der Verlag ist auch die Duke University Press &#8211;  aber leider werden die komplizierten Gedankenansätze und erstmal nicht für sich selbst sprechenden Thesen oft nicht ausführt und Behauptungen nicht belegt. Diese klingen dann gerade unter dem Aspekt, dass feministisches Allgemeinplätze nicht allen Leser/innen vertraut sind und zudem besonders kritisch geprüft werden schnell wie ein Totschlagargument. </p>
<p>Selbst als Feministin kommt mir auch das Wort „feministisch“ mehr als einmal zu oft vor – eine argumentativ konzise geschriebene Einleitung hätte hier einen weitaus besseren Dienst geleistet, als unnötig oft die offensichtliche Herangehensweise zu betonen, selbst wenn sie ein Anschreien gegen den so genannten Postfeminismus ist, der meint, dass doch alles in Butter sei. Dass es ganz und gar nicht so ist, ist die schiere Existenzberechtigung des Buchs. </p>
<p>So bleiben Gedanken auf der Strecke, die es durchaus verdienten, weiter gedacht zu werden und exemplarisch sein könnten: Thesen, wie Frauen durch eine sehr stark männlich bestimmte Ästhetik und einen fast ausschließlich männlich bestimmten Diskurs  von der Teilnahme an der Produktion elektronischer Musik abgeschreckt werden &#8211; und wenn sie in dem Bereich trotz aller Widerstände und mangelnder Rollenvorbilder aktiv sind, an ihrer Wahrnehmung und Akzeptanz in der Szene gehindert werden. Ebenso kommt zu kurz, was die Strategien, die Ästhetik und die Herangehensweise der Frauen ausmacht, die sich durchgesetzt haben. Das kann man dann höchstens aus den einzelnen Interviews herauslesen und selbst vergleichen.</p>
<div id="attachment_2007" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/04/antye-greie.jpg" alt="antye greie agf" title="antye greie agf" width="600" height="450" class="size-full wp-image-2007" /><p class="wp-caption-text">Antye Greie (AGF) / Foto: Barbara Mürdter</p></div>
<p>Rodgers versucht sich ansatzweise in einer alternativen Geschichtsschreibung der elektronischen Musik: Sie setzt den Futuristen (leider auch nicht weiter ausgeführt, <a href="http://www.medienkunstnetz.de/werke/intonarumori/" target="_blank">hier</a> mehr), die gemeinhin als die ersten elektronischen Musiker gelten, die Arbeit von <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Bm-rnbupIjk&#038;feature=player_embedded#" rel="shadowbox[sbpost-2005];player=swf;width=640;height=385;" target="_blank">Clara Rockmore</a> am Theremin seit den 20er Jahren entgegen. Leider ist das aber aufgrund des grundsätzlich unterschiedlichen ästhetischen Ansatzes dabei aber wie ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen und Rodgers tappt sowieso öfter in ihre eigene Falle, wenn sie vom Weiblichen und Männlichen spricht und dabei diese Dualität und die ihr zugeschriebenen ästhetischen Präferenzen akzeptiert. Trotzdem lohnt es sich zumindest für akademisch Interessierte, die Einleitung als Anregung mitzulesen.</p>
<p>Die leichtere und weniger ärgerliche Lektüre, die deshalb nicht weniger tiefgehend ist, sind sicher die Interviews, die den Hauptteil des Buches ausmachen. Die meisten Künstlerinnen werden sogar Musikinteressierten neu sein. Rodgers stellt sie – und ggf. auch das gemeinsame Verhältnis &#8211; kurz vor. Leider alles ohne Musik, was in diesem Fall natürlich essentiell wäre, aber wie bei anderen Buchprojekten dieser Art wahrscheinlich zu teuer geworden wäre. Da sei das Internet gelobt, und gegebenenfalls der gepflegte Fachhandel, soweit Tonträger existieren. </p>
<p>Die Protagonistinnen kommen dann ausführlich über mehrere Seiten selber zu Wort, in ihrer eigenen, nicht wie bei journalistischen Interviews oft stark geglätteten Sprache. Hier schlägt dann weniger die ideologische Phrasendreschmaschine zu, sondern unterschiedliche Erfahrungen und damit  verbundene Sichtweisen sprechen für sich – und auch der musikinteressierte Mensch, der einfach nur etwas über die Künstlerinnen wissen möchte, kommt endlich zu seinem Glück. Diese werden zu ihrer persönliche Geschichte, ihrer Art zu arbeiten, ihrer individuelle Herangehensweise an das Genre und ihrer Auffassung von ihrer Rolle als Frau in einem männlich dominierten Bereich befragt.</p>
<p>Auch wenn die Autorin mit der inzwischen fast 80jährigen, aber noch immer sehr aktiven US-Pionierin Pauline Olivieros beginnt, die sich mit elektronischer Klangaufzeichnung beschäftigt, seit nach dem Krieg die ersten Bandmaschinen für den Konsumentenmarkt hergestellt worden sind und die seit Mitte der 90er digital arbeitet, geht Rodgers nicht chronologisch vor. Sie hat sechs eher abstrakte Schwerpunktthemen in den Selbstdarstellungen und der Arbeit der Künstlerinnen ausgemacht, unter denen sie die Interviews organisiert hat, z. B. „Time and Memory“ oder „Language, Machines, Embodiment“. </p>
<p>Trotz aller Kritik ist das Buch ist für an Musik und / oder Gender Interessierte, die sich von einer akademischen Herangehensweise und dem gelegentlichen ideologischen Holzhammer nicht abbringen lassen, eine lesenswerte Lektüre und nur der Beginn einer umfassenderen Geschichtsschreibung der weiblichen Seite der elektronischen Musik. </p>
<p><strong>Die Interviewpartnerinnen:</strong> Maria Chavez, Beth Coleman (M. Singe), Antye Greie (AGF), Jeannie Hopper, Bevin Kelley (Blevin Blectum), Christina Kubisch, Le Tigre, Annea Lockwood, Giulia Loli (DJ Mutamassik), Rekha Malhotra (DJ Rekha), Riz Maslen (Neotropic), Kaffe Matthews, Susan Morabito, Ikue Mori, Pauline Oliveros, Pamela Z, Chantal Passamonte (Mira Calix), Maggi Payne, Eliane Radigue, Jessica Rylan, Carla Scaletti, Laetitia Sonami, Bev Stanton (Arthur Loves Plastic), Keiko Uenishi (o.blaat)</p>
<p><strong>Tara Rodgers – Women on Electronic Music</strong><br />
Duke University Press<br />
erscheint im Juni 2010 (in englischer Sprache)</p>
<p><H3>Mehr Infos</H3><br />
<a href="http://www.pinknoises.com/pn_book.html" target="_blank">Pink Noises Webseite</a></p>
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