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	<title>popkontext &#187; Kommentar</title>
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		<title>Stand und die Zukunftschancen des Printjournalismus &#8211; eine Diskussionsrunde im Rahmen der Berliner Stiftungswoche</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jun 2011 17:07:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Im Rahmen der Berliner Stiftungewoche fand am Montag eine Veranstaltung unter dem Titel <em>Wie Stiftungen guten Journalismus stützen</em> statt. Ausgerichtet von der BMW Stiftung Herbert Quandt und Stiftung Wertevolle Zukunft. Eingeladen waren Nikolaus Blome (Bild Hauptstadtredaktion), Bascha Mika (Publizistin), Volker Lilienthal (Universität Hamburg, Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Praxis des Qualitätsjournalismus), Leonard Novy (Stiftung Neue Verantwortung); moderiert wurde sie von Ralf Müller-Schmid, Redaktionsleiter DRadio Wissen. Es sollte darum gehen, wie Stiftungen „unabhängigen Journalismus in seiner demokratischen und gesellschaftlichen Funktion“ unterstützen. Das spielte allerdings nur relativ am Rande eine Rolle – es ging vor allem um den Stand und die Zukunftschancen des Printjournalismus im Allgemeinen.</p>
<div id="attachment_23357" class="wp-caption aligncenter" style="width: 650px"><a href="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/06/Beliner-Stiftungswoche-Logo.jpg" rel="shadowbox[sbpost-23325];player=img;" title="Beliner Stiftungswoche Logo"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/06/Beliner-Stiftungswoche-Logo.jpg" alt="Beliner Stiftungswoche Logo" title="Beliner Stiftungswoche Logo" width="640" height="440" class="size-full wp-image-23357" /></a><p class="wp-caption-text">Beliner Stiftungswoche Logo</p></div>
<p><strong>Strukturwandel und Krise in den Printmedien</strong></p>
<p>Zunächst gab es eine Keynote von Lewis A. Friedland, University of Wisconsin-Madison über die (wie bekannt sehr desolate) Situation der Medien in den USA und die Rolle, die Stiftungen dort spielen. Später einigte man sich schnell darauf, dass die Situation dort jedoch eine andere sei, da in den USA die Zivilgesellschaft etwas leistet, was der Staat nicht leistet. Doch auch hierzulande geht es dem Journalismus schlecht, zumindest in der Tendenz. Nicht dass das eine neue Erkenntnis wäre, und so wurde in der ersten Hälfte der Diskussionsrunde über Dinge geredet, die zumindest jede/r Zweite aus dem anwesenden Fachpublikum auch aus dem Stegreif hätte referieren können.</p>
<p>Wenn von einem struktureller Wandel der Medien durch das Internet die Rede war und von fehlenden Bezahlmodellen fürs selbiges, ist wahrscheinlich kaum eine/r der Zuhörer/innen vor Überraschung vom Stuhl gerutscht. Bei Lilienthals Feststellung, das die Journalisten zu schwerfällig seien, sich mit den neuen Medien zu beschäftigen stellte sich die Frage, ob sein freimütiges Bekenntnis, er selbst habe gerade bei einem Seminar zu Online-Recherche noch dazu gelernt unbedingt sein musste. Dass es nur die Printmedien beträfe, wie es insgesamt anklang, ist so nicht ganz richtig, aber da neben zwei Akademikern nur (Ex-)Mitarbeiter/innen von Printmedien anwesend waren kein Wunder, dass diese im Mittelpunkt standen.</p>
<p><strong>Das Prinzip Zeitung unabhängig vom Medium erhalten</strong></p>
<p>Bascha Mika, (die fast ausschließlich aus ihrer Position als Ex-taz-Chefin sprach, und man sich die Frage stellte, warum man nicht gleich die aktuelle, Ines Pohl, eingeladen hatte) ging es darum, „das Prinzip Zeitung zu retten“, egal ob auf Papier oder Online. Wissen statt Information sei hier der Punkt, die Zeitung habe Tiefe, sei ein analytisches Medium, was Fernsehen oder Radio in der Art nicht leisten könnten. Eine Zeitung sei auch eine „Wundertüte“, in der man nicht wie bei Online gezielt nach einem Thema suche, sondern auch zufällig auf Themen stößt. Beim Wechsel zu Online sei die alles entscheidende Frage: Wie bezahlt man vernünftige Recherche, woher das Geld für Reisen?</p>
<p>Volker Lilienthal betonte, dass der Strukturwandel dann keine Katastrophe sei, wenn man “die gute alte journalistische Tugenden” in das neue Medium hinüberretten könne. Es sei eine zivilgesellschaftliche Aufgabe, dass der Journalismus nicht unter die Räder gerät.</p>
<p>Ein Problem sah vor allem Mika im Desinteresse des Publikums, das keine Wertschätzung, d.h. Zahlungsbereitschaft für den Qualitätsjournalismus habe. Man kaufe bei Starbucks ekeligen Kaffee zu überteuerten Preisen, aber ein paar Cent für eine gute Zeitung seien schon zu viel – wo sie von Blome Zustimmung erhielt, dass Zeitungen viel zu billig seien. Mika räumte ein, dass sich Leser schon über die grottenschlechten Regionalblätter beschwerten, aber es müsse eigentlich einen öffentlichen Aufstand geben, der aber ausbleibe. Sie sieht für die Zukunft einen Abschied vom Qualitätsjournalismus bei weiten Teilen der Bevölkerung. Die Frage sei: Für wen machen wir welchen Journalismus. Früher habe die Süddeutsche jeder in der Region gelesen: Bäckersfrau, Kleingärtner, Intellektuelle. Jetzt werden die Zielgruppen immer spezifischer – bestimmte gesellschaftliche Gruppen werden ihre Zeitung halten. Verleger hätten in der Mehrzahl kein Interesse an Qualitätsjournalismus.</p>
<p>Blome wies darauf hin, dass der Scheidepunkt weniger zwischen Boulevard und Qualitätsmedien verliefe, sondern zwischen überregionalen und regionalen Blättern. Letztere würden den nächste Krise nicht überleben, wenn es nicht zu Fusionen komme. Es sei zudem eine Krise des Trägermediums, das durch Herstellungskosten und Vertrieb so teuer sei. Ansonsten sei Journalismus online nicht anders, wenn denn ein brauchbares Bezahlmodell gefunden würde, an das er aber zuversichtlich glaube. Als Beispiel nannte er unter anderem die britische <a href="http://www.thetimes.co.uk/tto/news/" title="The Times" target="_blank">The Times</a>, bei der das schon funktioniere.<br />
<strong><br />
Mehr Bürgerbeteiligung durch neue Technologien möglich – und nötig</strong></p>
<p>Bascha Mika beschwert sich, dass der Qualitätsjournalismus teuer für Print produzierte Artikel im Netz „verschleudert“ – was dann allerdings nicht mit dem von Blome mehrfach als Beispiel genannten erfolgreichen Konzept der Zeit zusammenpasst. Diese stellt nicht nur viele Texte ins Netz, sondern produziert extra für dieses. Zudem hat auch als eine der ersten das Bloggerprinzip aufgenommen, für den der Guardian, der jetzt sogar nach dem Digital First-Prinzip arbeitet, als innovativ gelobt wurde.</p>
<p>Das nicht ganz neue, aber immer noch in der frühen Testphase befindliche und keineswegs angekommene Konzept des Mitmachens der verstärkten Leser/innenbeteiligung über Kommentare und Blogs, und auch die Einbindung professionell gemachter Blogs wurde ausgiebiger diskutiert. Lilienthal meinte, dass sich Publikum sich besser einbringen könne und mehrt Dialog stattfände erhöhe den Rechtfertigungsdruck auf die Journalisten, der aber eine Chance zur Optimierung des Angebots erhöhe. Novy sprach an anderer Stelle von „responsiven Praktiken“, nicht mehr dem Motto: Ich mache das Blatt, was mir gefällt.</p>
<p><strong>Journalistische Qualität bleibt notwendig<br />
</strong><br />
Von journalistischen Laien verfasste Blogs könnten aber die professionelle journalistische Arbeit nicht ersetzen, sondern nur ergänzen, war man sich einig. Bascha Mika meinte zum Zusammendenken von Qualitätsjournalismus und Bürgermedien, dass zum Prinzip Zeitung auch journalistische Standards gehören, auf die die Journalist/innen „gestoßen werden“ können. Blome sprach von einer „intelligenten Art des Weglassen“ im Journalismus – man reduziert das zu Berichtende auf die Kernpunkte und setzt es in einen Kontext. Das Gegenteil sei beim Bürgerjournalismus der Fall: Online gäbe es unendlich viel Platz – und da ließe man sich dann ausführlich aus, und anscheinend gäbe es auch Leute, die unendlich viel Zeit hätten, das auch zu lesen.</p>
<p>Lilienthal hielt dagegen, dass es eben die Blogger/innen seien, die wegließen: Beim ihnen stehe das persönliches Anliegen im Vordergrund, während die gesellschaftlich relevante Ebene wegfiele, wo es Aufgabe der Journalisten sei, das ganze Bild zu liefert. Der Journalismus habe eine vermittelnde Aufgabe, die in Zeiten der Krise bedroht sei. Als Beispiel nannte er, dass der WAZ-Konzern kein Geld mehr für Regionalberichterstattung hätte und so auf die glorreiche Idee gekommen wäre, einfach einen Volontär zur Ratssitzung zu schicken und den Audiomitschnitt online zu stellen.</p>
<p>Als Beispiel dafür, dass professionell gestaltete, über Kleinspenden finanzierte Blogs teilweise schon die Aufgaben der Regionalberichterstattung übernähmen, nannte Novy <a href="http://www.regensburg-digital.de/" title="Regensburg Digital" target="_blank">Regensburg Digital</a>. Er forderte eine Zusammenarbeit mit klassischen Medienhäusern, um so eine gesellschaftliche Anschlussfähigkeit zu erreichen.</p>
<p><strong>Orientierung an Marktwirtschaft oder öffentlich-rechtliche Tageszeitungen?</strong></p>
<p>Jetzt kam man endlich zum Kernpunkt – wie kann die Finanzierung funktionieren, wenn das Geschäftsmodell nicht mehr profitorientiert oder profitabel ist – , nachdem Lilienthal den Moderator mehrfach angegangen war, dass man sich doch bitte am Thema des Abends orientieren solle. Novy fragte, ob der Vorschlag von Habermas, für den er 2007 fast gesteinigt worden ist, öffentlich-rechtliche Zeitungen zu machen, heute wieder diskussionsfähig sei. Blome sagte wenig überraschend: „Eine große GEZ -Gebühr für ARD und ZDF gedruckt will ich nicht.“ Eine Zeitung müsse sich am Markt orientieren, was die Leute wollen. Zeitungen über Parteien zu finanzieren wurde schon probiert &#8211; funktioniert nicht, weil das keiner haben will.</p>
<p>Mika konterte: Die taz habe sich zu aller erst an der Politik orientiert, dann am Journalismus und jetzt zum Schluss zumindest auch etwas am Markt. Journalismus darf nicht wie Produktion von Wurst oder Käse sein und die gesellschaftliche Funktion der ökonomischen Ebene total untergeordnet, meinte sie.</p>
<p><strong>Welche Rolle können Stiftungen spielen?</strong></p>
<p>Wie können Stiftungen da helfen? Ohne z.B. auf den Guardian zu schauen, der meines Wissens nach neben dem Verkauf und Werbeanzeigen <a href="http://www.gmgplc.co.uk/the-scott-trust/" target="_blank">ausschließlich oder vorrangig aus einer Stiftung finanziert wird,</a> sind sich hier alle einig: Stiftungen können nur in Zeiten des ökonomische Drucks als Hilfe dienen, und zwar bei „technologisch getriebene Innovationsprojekten, nicht zum Bewahren ökonomischer Strukturen“, wie Novy anmerkte. Sie seien „keine karitative Veranstaltung für einen Totkranken“. In den USA kämen nur 0,2 % des gesamten Spendenaufkommens für Journalismus. US-Stiftungen helfen bei Digitalisierung, Recherche Lokaljournalismus, wobei die Orientierung am Gemeinwohl liege. Er wies dabei noch einmal auf den Unterschied zwischen gemeinnützigen / kommerziell orientierten Stiftungen hin.</p>
<p>Als Beispiele, die auch in Deutschland funktionieren könnten nannte er Pro Publica, wo man sich um vernachlässigte Themen kümmert, oder Stateline, wo es um good + bad gouvernance gehe. Bei letzteren kritisierte er, dass deren Artikel zwar kostenlos von anderen Medien übernommen werden dürfen, allerdings nicht redaktionell bearbeitet. Lilienthal sieht Stiftung als wohltätiges Gebilde, das die sich wandelnde Gesellschaft beobachtet und als intervenierender Impulsgeber agiert, der kleine, aber feine Projekte finanziert. Sie können Anschubfinanzierungen leisten für Projekte, die dann in der Marktwirtschaft betsehen müssten. Als Beispiel nannte er das Netzwerk Recherche und den Otto Brenner-Preis, wo Blome lobend zustimmte. Übernahmen könnten sie nicht leisten, da sie lieber ihr Geld in Unis geben, wie z.B. die VW-Stiftung. Lilienthals Professur an der Uni Hamburg wird von der Rudolf-Augstein-Stiftung finanziert.</p>
<p><strong>Parteibhängigkeit und PR vermeiden</strong></p>
<p>Lilienthal meinte, Stiftungen müssen überlegen, wie man Aufmerksamkeit für gute Medieninhalte organisiere, wer sind die Partner seien und wie man Leute erreiche. Als potentielle Probleme bei der Stiftungsförderung sieht er einerseits inhaltlicher Einflussnahme als auch die Orientierung an relevanten Themen. Als negativ-Beispiel nannte er den derzeitigen Boom der Journalistenpreise für alles mögliche – „sogar die Friseurinnung schreibt schon einen aus.“ Damit gleite man in die PR ab.</p>
<p>Zudem muss man sich vor parteipolitischer Orientierung schützen. Auf Blomes provokative Frage: „Würden sie es gut finden, wenn die taz von der Heinrich Böll Stiftung übernommen würde?“ rief Bascha Mika entsetzt: „Um Gottes Willen.“Auch die Genoss/innen dürften sich bei der taz nicht politisch einmischen. Es müsse eine extra Stiftung für die Zeitung geben.</p>
<p>Bei der naiven Frage, ob denn die Bild nicht aus dem erwirtschafteten Überschuss in gemeinnützige journalistische Projekte investieren wolle, musste sogar der sonst so beherrschte Blome etwas kichern. Man investiere schon in Journalismus, aber dann doch lieber im eigenen Blatt – nicht als „Ablass“ an die Öffentlichkeit. Als Beispiel nannte er die Rechercheserie Griechenland, die 40 000 Euro gekostet habe. Jemand merkte dann noch an, was jeder weiß, aber Blome auch nicht sagte: Im Axel Springer-Verlag werden die Profite in das defizitäre „Qualitätsblatt“ Die Welt gesteckt.</p>
<p><strong>Schluss voller offener Fragen</strong></p>
<p>Zum Schluss machte Bascha Mika noch einmal klar, dass die Frage nicht die nach dem Medium sei, sondern die Frage ist die nach Journalismus: Wie kann man den aufklärerischer Gesichtspunkt aufrecht erhalten und ein Publikum finden? Die Frage nach der Funktion in der Demokratie wichtig, Technologie Wurst, das sei die Aufgabe von Anderen, sich darum zu kümmern. Offenbar aus ihrer Sicht auch die nach der Finanzierung. Sie stellt lediglich fest: Guter Journalismus muss erschwinglich bleiben, aber auch Wert haben.</p>
<p>Novy erzählte von Dave Eggers, der in San Francisco teure Zeitungen für Eliten mache und sieht eine Spaltung Info-Elite und die Abgehängten. Es drohe die Krise der öffentlichen Information. Die neue Medienlandschaft im Netz biete viele Bits and Pieces, aber wenig Orientierung, was zu einem Verlust der sozial-integrativen Funktion der Medien führe. Er sehe zwar nicht den Untergang des Abendlandes kommen, aber stehe dem “Netztriumphalismus” ebenso kritisch gegenüber, denn Bürgermedien allein funktionierten auch nicht.</p>
<p>Dann kam man noch mal auf den Trichter, dass das Thema Stiftungen und Journalismus eigentlich gar nicht so neu sei: Bereits 1949 gab es bei der Frankfurter Rundschau Bestrebungen, den Verlag zu einer gemeinnützigen Stiftung zu machen, was aber auf Druck der Amerikaner verhindert wurde. 1973 wurde die gemeinnützige Karl-Gerold-Stiftung gegründet, die seinerzeit 100-prozentige Eigentümerin des Druck- und Verlagshaus Frankfurt wurde, das die FR herausgibt. Seit 2004 hält die Stiftung noch einen Stammkapitalanteil von 10 Prozent.</p>
<p><strong>Kernthema verfehlt und zu hausbacken</strong></p>
<p>In der anschließenden kurzen Diskussion, bei der der Moderator bat, keine „Co-Referate“ zu halten sondern sich kurz zu fassen und Fragen zu stellen, gab es u.a. noch Anregungen zu Förderung von Bürgermedien „als Labor“ und „angewandte Medienkompetenz“, Kritik, dass Crowdfunding (wie so vieles andere zum Kernthema, z.B. die Kulturflatrate oder die Kulturwertmark) nicht besprochen wurde. Ein Besucher merkte an, dass als Bezahlmodell auch Online nur ein „Bouquet“ aus Meldungen, Hintergründe etc. funktionieren könne, als Gesamtpaket und nicht einzelne Artikel – wozu Blome und Mika nickten. Mika wies in diesem Zusammenhang noch einmal auf die gestaffelten Abopreise der taz hin. Lilienthal meinte, es würde auf eine Mischkalkulation Boulevard / Qualitätsjournalismus hinauslaufen, wie er einerseits bei den Öffentlich-rechtlichen, aber auch beim Springer-Verlag zu finden sei.</p>
<p>Alles in allem wurde neben dem verfehlten Thema auf der Veranstaltung zu viel Altbekanntes wiedergegeben, und viel Neues und Interessantes weggelassen. Bei mir meldete sich die Erkenntnis zurück, dass es das Beste wäre, mit fitten, jüngeren, weniger eingefahrenen Kolleg/innen neue Projekte aufzuziehen, anstatt sein Glück bei den etablierten zu versuchen und frustriert zu scheitern. Solche innovativen Projekte wären doch im Sinne von Stiftungen förderungswürdig.</p>
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		<title>Zum Tode von Gil Scott-Heron (1949-2011)</title>
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		<pubDate>Sat, 28 May 2011 12:29:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch]]></category>
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			<div style="float:left; width:85px;padding-right:10px; margin:4px 4px 4px 4px;height:30px;"><script src="http://www.stumbleupon.com/hostedbadge.php?s=1&amp;r=http://www.popkontext.de/index.php/2011/05/28/zum-tode-von-gil-scott-heron-1949-2011/"></script></div>			
			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Wieder ist einer der ganz Großen von uns gegangen, einer der wichtigsten Vertreter der afroamerikanischen Musikkultur und Dichtkunst auch jenseíts der Popmusik. Der Autor, Spoken Word-Artist und Musiker Gil Scott-Heron war ein zentrales Bindeglied zwischen der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 50er und 60er und der Rapmusik der späten 70er und 80er Jahre, der bis in die Jetztzeit hinein wirkte, Zeitgenossen wie Curtis Mayfiled und George Clinton ebenbürtig. Über jazz- und soulgetränkte Musik sprach er in seiner warmen, rauen Stimme vom Alltag der afroamerikanischen Community, von Alkoholismus und Diskriminierung, Jazzmusik und Sehnsucht, solidarisiert sich mit den von Apartheid unterdrückten Brüdern und Schwestern in Südafrika oder richtet sich <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2011/04/06/video-gil-scott-heron-we-almost-lost-detroit/" target="_blank">gegen Atomkraftwerke, deren tödliche Bedrohlichkeit keine Hautfarbe kennt</a>. </p>
<div id="attachment_22573" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/05/gil-scott-heron.jpg" alt="gil scott heron" title="gil scott heron" width="600" height="450" class="size-full wp-image-22573" /><p class="wp-caption-text">Foto: Barbara Mürdter / Popkontext</p></div>
<p>Seine Hits aus den 70ern, wie <em>The Revolution Will Not Be Televised</em> und  <em>The Bottle</em> sind  zu kulturellem Allgemeingut geworden. Selten hat er in Stadien gespielt, sondern meist nur größere Clubs gefüllt. 13 Jahre war er ganz von der Bildfläche verschwunden, bis er im letzten Jahr mit <em>I&#8217;m New Here</em> noch ein <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2010/03/13/gil-scott-herons-im-new-here-live-in-deutschland/" target="_blank">furioses Come Back</a> feiern konnte. Da war er schon ein gebrochener Mann, mit mehreren Jahren Gefängnis auf dem Buckel und einer langjährigen Drogenabhängigkeit samt HIV-Infektion. Mit gerade mal 60 wirkte er schon wie ein Greis, ein Weiser, der noch spirituelle Kraft hatte, aber die Unterstützung der neuen Generation brauchte, um diese an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Beats, mit denen Richard Russell die neuen Aufnahmen kongenial unterlegte, wirken wie Krücken, die noch einmal ein würdevolles Aufbäumen des Altmeisters erlaubten.</p>
<p>Songs wie <em>Coming From A Broken Home</em> klangen schon wie eine Abrechnung mit dem Diesseits, ein Vermächtnis, was diese Platte nun auch werden sollte. <em>I&#8217;m New Here</em> konnte aber auch auf einen späten Neubeginn hindeuten, in dem er die schwierige Kindheit in zerissenen Familienverhältnissen, den Rassismus in den USA der 50er und 60er, eine wechselhafte Karriere und das eigene Nicht-in-sich-ruhen eines zu klugen, zu aufrechten und zu gütigen Geistes in einer rauen Welt, die keinen Halt gibt, wie eine alte Haut abstreifen würde, und im Alter zur Ruhe findet. Doch wenn man genau hinschaute, sah man bereits, dass diesem ausgemergelten Körper, der brüchigen Stimme und dem leicht weggetreten scheinenden Geist die irdische Kraft abhanden gekommen war.</p>
<p>Gil Scott Heron verstarb am Freitag Nachmittag Ortszeit im New Yorker St. Luke&#8217;s Hospital aus bisher ungeklärter Ursache, nachdem er von einem Europaaufenthalt zurückgekehrt war. Thank you for the music and the spirit.</p>
<p><iframe width="640" height="510" src="http://www.youtube.com/embed/_b2F-XX0Ol0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p><iframe width="640" height="390" src="http://www.youtube.com/embed/OET8SVAGELA" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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<li><a href='http://www.popkontext.de/index.php/2010/05/01/konzerttipps-mai/' rel='bookmark' title='Konzerttipps für Mai: Gil Scott-Heron, Peaches, Xiu Xiu, Nina Nastasia u.v.m'>Konzerttipps für Mai: Gil Scott-Heron, Peaches, Xiu Xiu, Nina Nastasia u.v.m</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wie Die Welt den 30. Todestag von Bob Marley nutzt, um die Ressentiments ihres Klientels zu bedienen</title>
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		<pubDate>Fri, 13 May 2011 20:47:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Tweet Es ist schwierig, 30 Jahre nach ihrem Tod einen ausgewogenen Rückblick auf das Wirken einer nahezu religiös verehrten Lichtgestalt zu werfen. Ihre reale Existenz ist noch zu sehr in der Gegenwart, aber man war im Zweifel nicht selbst dabei, kennt weder die Person noch die Reaktion anderer Menschen auf ihr Wirken zu ihrer Zeit. [...]
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			<content:encoded><![CDATA[<div class="bottomcontainerBox" style="background-color:#F0F4F9;">
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Es ist schwierig, 30 Jahre nach ihrem Tod einen ausgewogenen Rückblick auf das Wirken einer nahezu religiös verehrten Lichtgestalt zu werfen. Ihre reale Existenz ist noch zu sehr in der Gegenwart, aber man war im Zweifel nicht selbst dabei, kennt weder die Person noch die Reaktion anderer Menschen auf ihr Wirken zu ihrer Zeit. Zudem gehört es zu ihrem Wesen, dass ihr Wirken entweder schon zu Lebzeiten oder spätestens nach ihrem Tod maßlos verklärt wird, so dass sich „Wahrheiten“ kaum noch finden lassen. Und letztendlich sind oft die symbolischen Bedeutungen dieser Lichtgestalten deutlich wichtiger als ihre reale Person. So strotzen viele der Rückblicke auf den 30. Jahrestag des Todes von Reggae-Legende Bob Marley nur so von Klischees.</p>
<div id="attachment_22359" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/05/bob-marley-reggae-screenshot.jpg" alt="bob marley reggae" title="bob marley reggae" width="600" height="450" class="size-full wp-image-22359" /><p class="wp-caption-text">Ikone Bob Marley / Foto: Screenshot</p></div>
<p>Normalerweise werden in derartigen Texten – durchaus auch kritisch – die Leistungen der Person betrachtet, ihre gesellschaftlichen Auswirkungen und vielleicht eine neue historische Perspektive hinzugefügt, um nicht immer wieder die gleichen Sachen wiederzukäuen. Bei der Tageszeitung <em>Die Welt</em> ist man jedoch ganz andere Wege gegangen, um vermeintlich neue Aspekte zu finden: Man hat auf die Darstellung jeglicher Verdienste der besprochenen Person verzichtet, dafür aber einfach alle Kritikpunkte an der jamaikanischen / Rastafarikultur / Popkultur zusammengeworfen und sie völlig undifferenziert und ohne sie konkret zu verifizieren auf Bob Marley projiziert. </p>
<p>Schon die ersten Sätze zeigen, dass der Autor Michael Pilz zwar recht frei von Kenntnis der Sachlage ist (Bob Marley sei erst nach seinem Tod zur Ikone geworden – das war er bereits zu Lebzeiten), und es auch nicht für nötig hält, Behauptungen zu belegen (Marley sei größer als John Lennon – das stimmt, wenn dann, nur global gesehen).  Der Text mit dem Titel <a href="http://www.welt.de/kultur/history/article13365050/Er-war-ein-Heiliger-ohne-Gnade-Bob-Marley.html" target="_blank"><em>Er war ein Heiliger ohne Gnade</em></a> will weit mehr, als mit einem simplen &#8220;Mißverständnis der Popkultur&#8221; aufräumen. Das klare Ziel: Bob Marley als Ikone komplett zu demontieren und seine Bewunderer mitsamt ihren Idealen als fehlgeleitete Idioten dastehen zu lassen. Warum gerade Bob Marley? Angriffsziel Nr. 1 ist das linke, ohnehin ein wenig lächerlich wirkende Milieu, aus dem sich die Marley Fans vermeintlich zusammensetzen, „das Milieu der Eine-Welt-Läden, der sexuellen Toleranz, der Spiritualität und der verfilzten Haare“, Angriffsziel Nr. 2:  die neben Fela Kuti einzige schwarze, nicht aus dem Westen stammende Ikone der Popkultur, die auch und gerade in der nichtwestlichen Welt einen hohen Identifikationswert hat (was der Autor wie vieles andere kurzerhand unterschlägt). Beides passt bestens ins Feindbild des konservativ bis rechten und <a href="http://www.welt.de/kultur/article12158567/So-sind-sie-halt-die-Zigeuner.html" target="_blank">nicht selten auch massiv rassistischen</a> Springer-Blatts, das sich unter dem Mäntelchen „seriöse Presse“ versteckt. </p>
<p>Marley wird zunächst persönlich auf seine vermeintlichen oder tatsächlichen miesen Eigenschaften reduziert: Er sei mit den Frauen umgegangen wie mit seinen Musikern – das heißt natürlich schlecht. Da laut dem Autor alle Rude Boys, wie Marley damals einer war, habituell ihre Frauen schlugen, wird impliziert, dass auch Marley das tat. Selbst wenn es ansatzweise so stimmen sollte, und das natürlich zu verurteilen ist – diesen Vorwurf kann man einem Großteil auch der weißen Rock&#8217;n'Roller machen. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass solche Bemerkungen den Grundtenor eines vergleichbaren Textes über Mick Jagger, David Bowie oder auch John Lennon ausmachen, die auch weder Kinder von Traurigkeit waren und zumindest teilweise, soweit nachvollziehbar, auch sehr zweifelhafte Frauenbilder haben / hatten. Dann beglückt uns der Autor – wieder unbelegt – mit der küchenpsychologischen Weisheit, dass Marley „ehrgeizig und machtbewusst“ gewesen sein.  Ja, das sind die meisten Menschen, die in irgendwelche Spitzenpositionen kommen – da redet nur kaum jemand drüber, selbst wenn sie extrem unzimperlich mit ihren Mitmenschen umgehen. Und generell ist es ja auch erstmal nichts Negatives, „ehrgeizig und machtbewusst“ zu sein &#8211; nur in dem Kontext erscheint es wie ein Kapitalverbrechen.</p>
<div id="attachment_22362" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/05/Rasta_Man_Barbados-Wikipedia-Klaus-J-Kahle.jpg" alt="Rasta_Man_Barbados Wikipedia Klaus J Kahle" title="Rasta_Man_Barbados Wikipedia Klaus J Kahle" width="600" height="558" class="size-full wp-image-22362" /><p class="wp-caption-text">Rasta-Man auf Barbados / Foto: Klaus-J. Kahle Quelle: Wikipedia </p></div>
<p>Nicht genug mit Frauenverachtung: Marley hasste selbstverständlich auch Schwule, meint der Autor. So ist er eben, der Jamaikaner. Natürlich gibt es derzeit in Jamaika – allerdings nicht nur nicht nur da &#8211; ein besonderes Problem mit Schwulenhass, der nicht gerechtfertigt werden soll, der seine Wurzeln ganz klar in Christentum, Sklaverei, Rassismus und der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation hat. Aber der Autor macht den „rüden Reggae“ verantwortlich, und wie jeder Musiker der Stilrichting hätte auch der „junge Marley im Gesang die Todsünde der Homosexualität“ gegeißelt. Mir ist kein Song bekannt, in dem er das tut. Ein Reggae-Experte, der sich auch mit der Homophobie im Reggae beschäftigt hat, meint, es gäbe eine Textzeile: &#8220;Man to Man is so unjust&#8221; <em>[Update: Nicht mal das bezieht sich darauf: <a href="http://www.rasta-man-vibration.com/who-the-cap-fit.html" target="_blank">Who Th Cap Fit</a>]</em> &#8211; eine in monotheistischen Religionen leider sehr weit verbreitete Ansicht. Da muss man bloß mal einen Blick auf das Milieu der Welt-Leser/innen werfen, die sich ja eigentlich moralisch überlegen fühlen sollen.</p>
<p>Der Autor hat auch eine Erklärung dafür, dass Marleys vermeintliche Homophobie nicht bekannt ist: Der weiße, in Jamaika aufgewachsene Brite Chris Blackwell, Gründer des Island-Labels, habe den aufstrebenden Popstar vor der Veröffentlichung seines ersten Albums für den internationalen Markt, <em>Catch a Fire </em>(1973), darauf aufmerksam gemacht, „dass Weltstars keine Schwulen ausgrenzen und Frauen achten.“ Bloss gut, dass er das gemacht hat, soll man hier wohl denken, von alleine wäre der „Sünder“ Marley nicht auf die Idee gekommen. Abgesehen davon, dass es keine Belege für eine besondere Schwulenfeindlichkeit des jungen Marley zu geben scheint und von der Misogynie in diversen Rocksongs gar nicht die Rede sein soll, wird das Image eines jeden Rockstars aufpoliert, wenn er / sie für den internationalen Markt fit gemacht wird. Und Marley wurde von seiner britischen Plattenfirma zum „herzensguten Botschafter der dritten Welt“ stilisiert – eine weiße, westliche Projektion -, und da gute Umsätze garantieren sollte, wo das Geld saß. Afrikaner/innen, schwarze Amerikaner/innen und andere nichtweiße Menschen, die ihn verehren, haben ein ganz anderes Bild: Für sie ist er das Sinnbild des kulturellen Widerstands gegen die westliche Dominanz.</p>
<p>Die Mühe, auf kulturelle Hintergründe und Kontexte einzugehen macht sich der Autor generell nicht. Darum geht es auch gar nicht. Aber er muss natürlich darauf hinweisen, dass es sich bei den in der Rastafari-Religion verehrten realen Männern um historisch durchaus zweifelhafte Persönlichkeiten handelt: Haile Selassie, den letzten äthiopischen Kaiser, der als der schwarze Messias ausgerufen wurde, charakterisiert er mit den Worten: „Ein selbstherrlicher Modernisierer in Fantasieuniformen, der sich 1974 demonstrierenden Studenten, hungerleidenden Bauern und Militärs beugen musste und geheimnisvoll verschied.“ Abgesehen davon, dass Selassie 1930, zur Zeit der Gründung der Rastafari-Religion und damit genau passend, gerade erst an die Macht kam, war Äthiopien verdammt weit weg von Jamaika, noch weiter für Leute mit sehr beschränktem Zugang zu irgendwelchen Medien. Er eignete sich also prima als völlig leere Projektionsfläche – er war nur schwarz, Christ, aus dem zum gelobten Land stilisierten Äthiopien und sogar noch dessen frisch gekrönter Kaiser. So funktioniert das mit der Religion.</p>
<p>Die zweite Gallionsfigur der Rastafaris ist Marcus Garvey, ein jamaikanischer Drucker, der die verlorenen (oder besser geraubten) Kinder Afrikas aus Amerika wieder in die Heimat bringen wollte. Zu ihm weiß der Autor folgendes zu sagen: „Ein Schwarzer, der die Rassentrennung predigte, sich mit dem Klu-Ku-Klux-Klan verbündete und einen schwarzen König prophezeite, den Messias.“ Die Idee mit der Rassentrennung kam allerdings nicht von Garvey – jahrhundertelang hatten sich die Weißen zur Herrenrasse erklärt und die Sklaverei in den Amerikas damit begründet. Da einfach mal den Spieß umzudrehen und die Schwarzen zu den Besseren zu erklären ist sicher genauer durchdacht nicht die Lösung, aber eine naheliegende Idee zur Erhebung des eigenen geschundenen Selbstwertgefühls, die sich leider bis heute in der <em>Nation of Islam</em> fortsetzt.</p>
<div id="attachment_22368" class="wp-caption aligncenter" style="width: 469px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/05/459px-Selassie_restored.jpg" alt="Haile Selassie Wikipedia" title="Haile Selassie Wikipedia" width="459" height="599" class="size-full wp-image-22368" /><p class="wp-caption-text">Haile Selassie / Foto: Wikipedia</p></div>
<p>Garvey sah sich zum Propheten der Rastafari-Religion berufen, die sich zu einer Zeit entwickelte, in der auch in der Westlichen Welt – allerdings sekuläre &#8211; radikale Massenbewegungen <em>en vogue </em>waren. Sie entstand vor dem Hintergrund von Generationen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft unterdrückter Menschen, denen ihre eigene Kultur genommen und der Zugang zu Bildung verwehrt wurde. Hier wurden fundamentalistisches Christentum mit Elementen diverser afrikanischer Glaubenslehren zusammengemischt und als eine Art Befreiungsideologie und eigene kulturelle Identität entwickelt.Wenn heute im Westen weiße Menschen 1:1 das übernehmen, was diese Religion lehrt, wirkt das zu recht lächerlich und naiv (wobei das bei der christlichen Bibel auch nicht anders ist). Und wenn man genau überlegt sind überzeugte Rastafari-Anhänger/innen, die nicht nur einfach universelle ideelle Botschaften aus der Religion ziehen, auch nicht bizarrer als Mormonen oder Evangelikale und andere Fundamentalisten – nur haben sie meines Wissens nach als einzige andere Leute zufrieden gelassen.</p>
<p>Ach ja, und dass er Rastafari nur in verwässerter Form präsentierte wird Marley auch vorgeworfen – dass das vielleicht wie bei anderen Popstars vielleicht auch nur Teil der Verkaufsstrategie war, geht nicht. Natürlich kann man argumentieren – und ich sehe das auch so – dass Marley (mitsamt der Reggae-Musik) aufgrund seiner Bedeutung jenseits des westlichen Popkosmos eine besondere Rolle einnimmt. Aber das eben aufgrund dessen, was er im Positiven symbolisiert – simple Dinge wie Liebe, Völkerverständigung, kulturelle Identität &#8211; , und nicht, weil er eben auch nur ein ganz normaler Mensch war. Und selbst dem Menschen Marley bringt uns der Text, auch wenn es er vorgibt, kein Stück näher. Die vermeintliche (feindliche) Annäherung entpuppt sich als ein zusammengewürfelter Haufen von klischeemäßigen Behauptungen zu seiner Person und aus dem Zusammenhang gerissenen historischen und politischen Tatsachen, die einzig dem Zweck dienen, die rassistischen und konservativen Ressentiments der anvisierten Welt-Klientel zu bestätigen und die Käufer/innen bei der Stange zu halten. </p>
<p><strong><a href="http://www.welt.de/kultur/history/article13365050/Er-war-ein-Heiliger-ohne-Gnade-Bob-Marley.html" target="_blank">Er war ein Heiliger ohne Gnade &#8211; Text in <em>Die Welt</em></a></strong></p>
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		<title>Mittwochmorgen wird alles anders! Radio Leinehertz Hannover wird endgültig Dudelfunk. Ein paar Gedanken zum freien Radio</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 14:47:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
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			<div style="float:left; width:85px;padding-right:10px; margin:4px 4px 4px 4px;height:30px;"><script src="http://www.stumbleupon.com/hostedbadge.php?s=1&amp;r=http://www.popkontext.de/index.php/2011/01/18/mittwochmorgen-wird-alles-anders-radio-leinehertz-hannover-wird-endgultig-dudelfunk-ein-paar-gedanken-zum-freien-radio/"></script></div>			
			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Vor drei Jahren war dem von internen Krisen, Querelen, Machtkämpfen und Richtungsstreits, aber auch stark durch Druck von Außen geschwächten Bürgersender Radio Flora Hannover die Lizenz entzogen worden, weil er angeblich zu niedrige Einschaltquoten hatte. Die lagen nach offizieller Meinung daran, dass der Sender in Wort und Musik zu &#8220;alternativ&#8221; war und zudem zu viele muttersprachliche Sendungen gehabt hätte. Er hatte sich auch &#8211; im völligen Einklang mit den Vorgaben zur Förderung des Bürgerfunks &#8211; auf die Fahnen geschrieben, dass die zu Wort kommen sollten, die sonst nicht gehört werden. </p>
<p>Nach einer Neuausschreibung &#8211; an der sich auch Flora beteiligen durfte &#8211; erhielt der neu gegründete Förderverein Bürgerradio Hannover e.V. mit der &#8220;106,5 Rundfunkgesellschaft&#8221; und einem deutlich angepassteren Programmentwurf den Zuschlag für die Frequenz und die Bürgerfunk-Fördergelder, die bisher der Verein Radio Flora e.V. bekommen hatte. Der Förderverein bestand z. T. aus einer Fraktion der ehemaligen Radio Flora-Macher/innen und neuen Personen und Gruppen, u.a. von Radio Neustadt am Rübenberge (Nomen ist hier Omen), das sich in aller Bescheidenheit zunächst eigenständig um die Lizenz für die gesamte Region Hannover bewerben wollte. </p>
<p>Auch wenn die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) das Konzept des neuen Senders &#8220;Leinehertz 106einhalb&#8221; als &#8220;innovativ&#8221; bezeichnete (auf welcher Grundlage auch immer) und man sich selbst als &#8220;<a href="http://www.myspace.com/fbhonline">Reformkraft</a>&#8221; (als die sich ja auch konservative Bewegungen gern sehen) darstellte, war den Meisten, die das Spektakel beobachteten oder daran beteiligt waren klar, wohin die Reise geht. Zunächst versuchte man unter dem neu eigesetzten Geschäftsführer <a href="http://www.leinehertz.net/index.php?id=232" target="_blank">Markus Mayer</a>, der von Antenne Bayern zu LeineHertz kam und auch Erfahrungen bei Spreeradio 105,6 und SWR3 gesammelt hatte, noch einen Spagat. </p>
<div id="attachment_19057" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/01/TeamLeineHertz.jpg" alt="team leinehertz" title="team leinehertz" width="600" height="420" class="size-full wp-image-19057" /><p class="wp-caption-text">Team LeineHertz anno 2009, nach der Übernahme von Radio Flora: Geschäftsführer Markus Mayer 2. von rechts, umringt von den Musikchefs Jens Dreiser und Markus Musall / Foto: Promo</p></div>
<p>Kritische politische und soziale Berichterstattung stand im Gegensatz zum Flora-Programm &#8211; das auch über die Jahre deutlich unpolitischer geworden war &#8211; nicht mehr im Vordergrund. Man suchte vermeintliche Bürgernähe zu erreichen, indem man aus der als links-alternativ verschrieenen Enklave Linden-Nord auszog an den wenig entfernten, aber vergleichsweise zentraleren Klagesmarkt <em>[Korrektur: Leinehertz residiert in der Hildesheimer Str. in der als gutbürgerlich bekannten Südstadt - Klagesmarkt war die urprüngliche Planung]</em>. Dieser war schon in den Jahren zuvor von den Stadtoberen bedingt erfolgreich einem Gentrifizierungs- und Säuberungsprozess unterzogen worden &#8211; da passte das aus einem ebensolchen Denkschema heraus &#8220;reformierte&#8221; Bürgerradio prima hin.</p>
<p>Auch wenn sich die Wortbeiträge jetzt mehr an Mainstream-Unterhaltung und kleinen Lokalthemen orientierte, die nicht mit einem großen Ganzen in den Kontext gesetzt wurden, hielt man zunächst noch bis zu einem gewissen Grad an der von Flora geerbten &#8220;Musikfarbe&#8221; fest &#8211; kaum Rotation, wenig Mainstream und ein breites Musikspektrum von Indie über Folk bis &#8220;Weltmusik&#8221;.  Abends gibt es bis jetzt noch eine Musikschiene, in der freie Musiksendungen laufen. Diese ist vielfach mit ehemaligen Radio-Flora-Musikmacher/innen besetzt, die mangels Alternativen aus der Not eine Tugend machten und jenseits ihrer Sendungen zu LeineHertz oft kritische Distanz halten. Wann sie weichen müssen, ist nur noch eine Frage der Zeit &#8211; gerade schon kursiert eine merkwürdige Verpflichtungserklärung der Geschäftsleitung, wo sie offenbar unterschreiben müssen, dass sie &#8220;lediglich Musikstücke von Künstlern zum Einsatz zu bringen, die GEMA-registriert sind oder von denen [sie] die persönliche Genehmigung zum kostenlosen Einsatz ihrer Musikstücke haben (die Beweislast und Haftung hierfür liegt bei Ihnen).&#8221;  <em>[Update: Aufgrund der Ablehnung ihrer Unterschrift unter diese "Verpflichtungserklärung" seien aktuell elf Redakteure/ Moderatoren aus der Musikredaktion nicht mehr mit ihren Sendungen im Programm, teilen mehrere Leinehertz-Redakteure mit. Stand 19.1.2011 2. Update: Der neueste Stand der Information ist, dass vier Sendungen bereits suspendiert sind, und weiter sieben Redakteure heute die Unterschrift verweigert bzw. zurückgezogen haben und so unter den derzeitigen Umständen mit einer Suspendierung ihrer Sendung rechnen müssen. Um eine Stellungnahme zum Sachverhalt habe ich bei der Geschäftsführung angefragt.]</em></p>
<p>Jetzt kam es, wie es kommen musste: Auch das Letzte, was Leinehertz noch vom gängigen &#8220;Dudelfunk&#8221; unterschied (sieht man von der nichtprofessionellen Produktion ab), wird morgen gekappt. Stolz verkündet man: &#8220;<a href="http://www.leinehertz.net/index.php?id=35&#038;tx_ttnews[tt_news]=4548&#038;cHash=a1b7d591c054984711f01f766308cd07" target="_blank">Mittwochmorgen, 7 Uhr: Alles wird anders!</a>&#8221; <em>[Update: Die Meldung wurde offebar entfernt. Der Text findet ihr im Kommentar].</em> Man verspricht &#8220;ein neues und verbessertes LeineHertz! Ein völlig neues Klangbild sowie 1.000 neue Songs&#8221; (wohl minus aller bisher gespielten) sollen den Sender &#8220;noch beliebter&#8221; und bürgernäher machen. Zwischen Mitternacht und 18 Uhr sollen die besten (=vermeintlich populärsten) Songs der 60er, 70er, 80er, 90er, 2000er und von heute laufen. Geschäftsführer Mayer, der, auch wenn man sich (noch) sogar zwei Musikredakteure gönnt, die Oberhand hat, meint dazu: „Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf den 70ern und 80ern, mit diesen Dekaden verbinden unsere Hörer besonders viele Erinnerungen. Damit unsere Hörer aber auch mit ihren Kindern mitreden können, spielen wir auch das wichtigste von heute.&#8221; Zu so einer Einstellung zum Thema Musik muss man, glaube ich, nicht viel anmerken. Neben der neuen Musikfarbe habe man auch &#8220;erstmals ein professionelles Produktionsstudio damit beauftragt, das Sounddesign des Programmes &#8220;auf den Punkt definiert umzusetzen,&#8221; teilt Leinehertz mit <em>[Upadate: Zu Produktionsfirma und -kosten etc. ist die Geschäftsleitung angefragt]</em>.</p>
<div id="attachment_19127" class="wp-caption aligncenter" style="width: 569px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/01/559px-Chumbawamba_1.jpg" alt="Chumbawamba" title="559px-Chumbawamba_1" width="559" height="599" class="size-full wp-image-19127" /><p class="wp-caption-text">Die linksradikale britische Band Chumbawamba vor Radio Flora - vielleicht sind ja ihre Songs poppig und alt genug fürs neue Leinehertzprogramm? Foto: Wikipedia, Barbara Mürdter</p></div>
<p>Nach der Bekanntgabe der Pläne meinte der Grünen-Abgeordnete Enno Hagenah in einer Mitteilung: „Gerade das Musikprogramm von Leinehertz hat im ersten Jahr nach Sendestart einen erfrischend positiven Eindruck hinterlassen. Sich davon verabschieden und stattdessen bewusst kommerzielle Vorbilder kopieren zu wollen, ist Ausdruck einer beklagenswerten kulturellen Verarmung.“ Die Grünen hatten sich in den 90ern am stärksten von allen Fraktionen für die Einrichtung eines Bürgerfunks für Hannover eingesetzt, woraufhin 1997 Radio Flora nach langjähriger Vorarbeit und aufopferndem Engagement von Radioaktivisten On Air ging.</p>
<p>Ausdrücklich gehe es dabei nicht nur um eine Geschmacksfrage, läßt Hagenah weiter mitteilen, sondern auch um Medienpolitik: &#8220;Mit dem Lizenzbescheid für „Leinehertz106einhalb“ [ist] die Erwartungshaltung verbunden gewesen, einen Bürgerfunk zu bekommen, der sich auch und gerade bei der Musikauswahl als publizistische Ergänzung begreif[t]. Dieses war und ist nicht nur ein frommer Wunsch, sondern ein gesetzlicher Auftrag. Für einen weiteren „Dudelfunksender“ ist die Förderung nicht gedacht.“ Hinsichtlich des zukünftigen Musikprogramms fordert Hagenah eine öffentliche Diskussion, anstelle der jetzt erfolgten einsamen Entscheidung der Geschäftsführung, so die Mitteilung.</p>
<p>In dieser öffentlichen Diskussion muss dann allerdings auch der von Hagenah erwähnte Auftrag des Bürgerfunks noch einmal sehr deutlich betont werden &#8211; wo ihn doch die NLM nicht nur bei der Lizenzvergabe in Hannover selber übersehen hat, sondern er auch bundesweit offenbar nicht für voll genommen wird, solange man überhaupt noch Fördergelder für den Bürgerfunk zahlen will. Neben ein paar störrischen gallischen Dörfern tendieren leider viele Bürgersender besonders aus den nicht so stark urban geprägten Regionen dazu, den Dudelfunk nachzuäffen &#8211; nur dummerweise zumeist deutlich unprofessioneller. </p>
<div id="attachment_19129" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/01/momus-reboot-studiok.jpg" alt="momus-reboot-studio" title="momus-reboot-studiok" width="600" height="422" class="size-full wp-image-19129" /><p class="wp-caption-text">Ganz sicher keine Musik für alle und trotzdem Kult - Schrägo-Musiker Momus im Studio von Reboot.fm Berlin / Foto: Barbara Mürdter</p></div>
<p>Aber auch die zuständige Person bei der kürzlich erfolgten Evaluation der an der <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2010/06/15/88vier-nichtkommerzielles-lokalradio-fur-berlin-auf-ukw/" target="_blank">Berliner Frequenz 88vier</a> hatte offenbar Null Verständnis für diverse Formen von Radio, auch wenn hier immerhin eher der Deutschlandfiunk als Leitbild stand, nach dem sie bewertete. Dass genau diese Vielfalt sich lebhaft auf den freien Wellen tummeln sollte &#8211; deshalb auch die bisher unerfüllte Forderung noch einem freien UKW-Kultursender in Berlin &#8211; schien ihr gar nicht in den Sinn zu kommen. </p>
<p>Das &#8220;Ideal&#8221; vom Sender, der &#8220;alle anspricht&#8221; &#8211; oft auch mit antiintellektuellem Vorzeichen, da es ja &#8220;alle&#8221; verstehen müssen -, den es effektiv nie geben kann und wird, erst recht nicht in einer immer fragmentierteren Welt, dient nur als &#8220;Argument&#8221; einer immer weiteren Gleichschaltung. Es vergrault innovative Macher/innen und an Innovativem interessierte Hörer/innen, die terrestrisches Radio (und Fernsehen) lieber gleich auslassen und das Internet nach Alternativen durchforsten (wo übrigens auch<a href="http://www.radioflora.de/" target="_blank"> Radio Flora in rudimentärer Form noch sendet</a>). </p>
<p>Die Gleichschaltung hinterläßt ein kulturelles Netzwerk der Angepassten, Machtgeilen und Visionslosen, die die Fördergelder einstreichen. Bürgersender waren einmal als Alternative und Bereicherung für den Medienmarkt gedacht und hatten ihre Hochzeit nicht zufällig in den 90ern, als die Öffentlich-Rechtlichen sich feige dem vermeintlichen Anpassungsdruck der neuen Privatradios beugten. Jetzt werden auch sie auf Spur gebracht wie das ehemalige Radio Flora, und anderen wird wie in Sachsen der Geldhahn zugedreht.</p>
<p><object width="640" height="390"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/Y97dd1c57-s&#038;hl=de_DE&#038;feature=player_embedded&#038;version=3"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowScriptAccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/Y97dd1c57-s&#038;hl=de_DE&#038;feature=player_embedded&#038;version=3" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" allowScriptAccess="always" width="640" height="390"></embed></object></p>
<p><strong>Update: </strong>Wie die HAZ vom 19.1.2011 mitteilt, könnte es in diesem Jahr zu einer neuen Reichweitenerhebung auch des Bürgerfunks kommen. Weht daher der Wind? Wie allerdings der Auftrag des Bürgerfunks und Quote vereinbar sind, ist mir völlig schleierhaft. Die Reichweitenerhebung 2006 hatte für Radio Flora aufgrund angeblich zu geringer Einschaltquoten (wie auch immer sie ermittelt wurden) den Verlust der Lizenz zur Folge.</p>
<p><strong>2. Update:</strong> Die <a href="http://www.facebook.com/?ref=home#!/leinehertz.hundertsechseinhalb?sk=wall" target="_blank">Facebook-Seite</a> von Leinehertz quillt von Kommentaren entsetzter Hörer/innen über, während die wenigen verteidigenden Kommentare von einigen Leinehertzmitarbeiter/innen stammen. Offenbar wird, dass der Großteil der Hörer/innen Leinehertz <em>wegen </em>der anderen Musik eingeschaltet hat. Leinehertz selber äußerte sich gestern (20.1.) am selbigen Ort dazu: &#8220;Toll, wie rege über unsere neue Musikausrichtung diskutiert wird. Noch mehr freuen wir uns über so viele neue facebook-Freunde und die zahlreichen Anrufe bei uns im Hause. Es zeigt uns sehr deutlich, dass die Entscheidung, noch mehr auf die musikalischen Wünsche unserer Hörer einzugehen, richtig war. Die Erwartungen an Leinehertz 106einhalb sind hoch, wir werden sie erfüllen, ganz im Sinne von 100 % Region Hannover.&#8221; Da kann man entweder völligen Realitätsverlust oder bewußte Lüge dahinter sehen.</p>
<p><strong>3. Update: </strong>Am 2. Februar findet nach noch nicht bestätigten Informationen eine eine öffentliche Anhörung des Landtags zum Thema statt. Die genaue Uhrzeit und welche Diskutant/innen teilnehmen wird später mitgeteilt. 2. Update: Es werden nach bisher unbestätigten Informationen Herr Mayer und Politiker von den Grünen teilnehmen und das Ganze soll um 19 Uhr stattfinden. <em>[Update: Wie Leinehertz am 27.1. über Facebook mitteilt, sei die Geschäftsführung bisher nicht eingeladen und daher bisher auch keine Teilnahme geplant.]</em> Die Veranstaltung fand doch mit Beteiligung von Herrn Mayer statt. Hier eine <a href="http://www.radioflora.de/index.php?article_id=122&#038;clang=0&#038;audiofile=audio%2F%2Fgesellschaft%2FLeinehertz-01.mp3" target="_blank">Aufzeichnung der ersten Veranstaltung vom 2. Februar</a>.</p>
<p><strong>4. Update: </strong>Hannoversche Künstler/innen und Kulturinstitutionen haben eine Petition veröffentlicht, in der sie zu einer Diskussion über den Bürgerfunk auffordern. Hier die <a href="http://www.hannover-entdecken.de/content/view/17109/1/" target="_blank">Petition</a> und hier eine <a href="http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Kuenstler-wollen-echtes-Buergerradio" target="_blank">Meldung aus der HAZ</a>. Es wurde eine weitere Diskussionsrunde <del datetime="2011-02-14T12:31:52+00:00">im Pavillon</del> im Kulturzentrum Faust für den 22. Februar anberaumt (19 Uhr in der Warenannahme). (16.2.) Wie die HAZ von heute mitteilte, lehnen sowohl Geschäftsführer Mayer als auch die Gesellschafter eine Beteiligung an der Veranstaltung ab, welche die Künstler/innen gefordert hatten. Stattdessen suche der Vorsitzende der Gesellschafter, Georg May (ebenfalls Vorsitzender von h1, Bürgerfernsehen aus Hannover und im Vorstand des<a href="http://www.lbm-niedersachsen.de/" target="_blank">Landesverbands Bürgemedien</a>), das Gespräch mit prominenten Kritkern wie Gerd Kespohl vom Pavillon, meldet das Blatt.</p>
<p><strong>5. Update:</strong> Meine Email-Anfragen an Herrn Mayer blieben bis zum heutigen Tag (12.2.2011) unbeantwortet. (15.2.) <a href="http://www.facebook.com/leinehertz.hundertsechseinhalb/posts/1279690568816?notif_t=feed_comment_reply" target="_blank">Hier </a>dafür eine interessante Facebook-Diskussion mit dem Leinehertz-Gesellschafter Christof Vetter, der als dessen Geschäftsführer das Lutherische Verlagshaus der evangelischen Kirche dort vertritt. </p>
<p><strong>6. Update</strong> Ein Grund für den rigoros durchgesetzten Wechsel könnte die Änderung im Niedersächsischen Landesmediengesetz sein, nach der ab 1.1.2011 lokale Kommerzielle Radio- und TV-Sender ebenso zugelassen werden sollen wie Uni-Radios.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" width="640" height="390" src="http://www.youtube.com/embed/vp0L5hXv3xc" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p><strong><br />
7. Upadate:</strong><br />
Jetzt gibt es eine Seite, wo man über Bürgerfunk in Hannover diskutieren und eine Petition unterschreiben kann: <a href="http://www.wasistbuergerradio.de/index.php?id=1" target="_blank"><strong>Was ist Bürgerradio?</strong></a> </p>
<p><strong><br />
8. Upadate:</strong><br />
Ein Artikel zum weiteren Verlauf in der <a href="http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Mitarbeiter-kritisieren-Hannovers-Buergersender-LeineHertz" target="_blank">HAZ online vom 23.2</a>. Hier sprechen Mitarbeiter davon, dass sie sich wie &#8220;Fremdkörper&#8221; im Sender fühlten, und dass sie aus Angst um ihren Sendeplatz die kritische Petition gegen die Veränderungen im Sender nicht unterschrieben hätten. Herr Mayer sieht die Lösung darin, besser zu kommunizieren, wer der &#8220;feste Ansprechpartner für Kritik&#8221; im Hause sei. Leider immer noch nichts verstanden. <a href="http://www.radioflora.de/index.php?article_id=122&#038;clang=0&#038;audiofile=audio%2F%2Fgesellschaft%2FRADIOINI.mp3" target="_blank">Hier ein Beitrag</a> dazu von Radio Flora.</p>
<p><em>Anmerkung: Ich war zehn Jahre ehrenamtliche Mitarbeiterin des lokalen Bürgerfunks Radio Flora und sende jetzt einmal monatlich auf dem freien Berliner Radio Reboot.fm. Ich habe mir diese Sender gesucht, weil ich sie &#8211; trotz diverser Kritikpunkte &#8211; gut fand bzw. finde, und umgekehrt hat diese Arbeit natürlich auch meine Meinung zum Thema geprägt. </em></p>
<p>9. Update: <a href='http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2011/01/Presseerklärung-Musikredaktion.pdf'>Pressemitteilung der ehrenamtlichen Musikredakteure</a> vom 24.3.2011.</p>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>You Can&#8217;t Buy Style: Smirnoff Nightlife Exchange Project Berlin</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Nov 2010 03:33:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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		<description><![CDATA[Tweet Normalerweise sind ja Dauerwerbeveranstaltungen wie Jägermeister Rockliga &#038; Co. nicht so meine Liga, und zwar tendentiell unabhängig von Inhalten, die präsentiert oder beworben werden sollen (wobei Tabak / Hartalk noch ein anderes Thema sind, und wenn man sich mit grobkörnigen Marketingkonzepten an musikalisch weniger mainstreamige &#8211; also tendetiell bessere &#8211; Sachen heranrobbt, die zudem [...]
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Normalerweise sind ja Dauerwerbeveranstaltungen wie Jägermeister Rockliga &#038; Co. nicht so meine Liga, und zwar tendentiell unabhängig von Inhalten, die präsentiert oder beworben werden sollen (wobei Tabak / Hartalk noch ein anderes Thema sind, und wenn man sich mit grobkörnigen Marketingkonzepten an musikalisch weniger mainstreamige &#8211; also tendetiell bessere &#8211; Sachen heranrobbt, die zudem eventuell sogar noch eine <em>Haltung</em> vorgeben, wird die Kombi Werbung / Musik zumeist noch schmerzhafter). </p>
<p>Da ich aber Spoek Mathambo gern sehen wollte und seine vorhergehenden Auftritte in Berlin verpasst hatte, musste ich mich wohl oder übel auf Smirnoff Nightlife Exchange einlassen. Popkontext fiel als ein Blog, auf dem Karten für die Veranstaltung verlost werden, gleich unten durch, nachdem ich sagte, ich habe eine kritische Haltung zu solchen Events. Da setzte man doch lieber auf Blogs, die PR-Texte abdrucken (und das entsprechend unkritische Publikum, das sowas liest).</p>
<div id="attachment_15678" class="wp-caption aligncenter" style="width: 445px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/11/Smirnoff-Nightlife-Exchange-Berlin.jpg" alt="Smirnoff-Nightlife-Exchange-Berlin" title="Smirnoff-Nightlife-Exchange-Berlin" width="435" height="600" class="size-full wp-image-15678" /><p class="wp-caption-text">Poster</p></div>
<p>Das Konzept des u.a. von MTV beworbenen Events war allerdings erstmal gut und recht stilvoll, was die Künstler/innen angeht: Man wollte an einem Abend in 14 Städten der ganzen Welt in Clubs die Athmosphäre eines Nachtclubs in einem anderen Land erzeugen. Dazu kaufte man lokale Szenegrößen ein, die das Event kuratieren sollten. Irgendwie hat das zwar nicht ganz so richtig geklappt, oder ich habe was verpasst, aber sei’s drum. Im Fall von Berlin war der “Kurator” der bekannte Veranstalter Conny Opper (Scala / Rio / Berlin Festival). Was der allerdings für einen Draht nach Südafrika hat, ist mir nicht bekannt.</p>
<p>Aber er kennt sich aus und hat mit Spoek Mathambo und Gazelle zwei recht interessante Acts eingeladen. Was Boys Noize jetzt speziell mit Südafrika zu tun hatte, lag auch erstmal nicht auf der Hand. Sah eher nach eine Hand wäscht die andere aus. Die echten südafrikanischen DJs Fresh und Euphonik, die eigentlich auftreten sollten, standen zumindest nicht auf dem Poster, so sie denn überhaupt &#8211; wenn dann als Einheizer am Anfang, den ich verpasst habe &#8211; aufgetreten sind. Dabei wurden sie zumindest in südafrikanischen Blogs als Kuratoren für die Veranstaltung gehandelt (<strong>Update:</strong> Die waren auf dem südafrikansichen Event, <a href="http://www.mycitybynight.co.za/smirnoff-nightlife-exchange-the-night-the-world-swopped-nights/" target="_blank">was offenbar doch stattgefunden hat</a>. Da war der Flug für den Austausch doch zu teuer.)</p>
<p>Gerüchtehalber hatte man auch angedacht, den derzeit populärsten südafrikanischen Act, <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2010/10/06/video-die-antwoord-evil-boy-tourdaten/" target="_blank">Die Antwoord</a>, einzuladen. Ging aber nicht, weil die gerade auf US-Tour sind &#8211; und generell im Einkauf sicher derzeit nicht ganz billig. Da hat Opper mal kurzerhand seine Freundin gefragt, ob sie nicht auftreten mag. Die ist Kanadierin und heißt Peaches und hat das Beste aus der Situation gemacht. Sie legte ein Duett mit Gazelle aufs Parkett. Da der sowieso schon alle Klischees, die der durchschnittliche Mitteleuropäer von (Süd-)Afrika so im Kopf hat, freimütig bedient, außer selber schwarz zu sein &#8211; war Peaches dann im Arrangement zwischen Tiger und Leopard mal das Zebra. Soviel Südafrika. Die Künstler/innen haben allesamt professionelle und gute Auftritte hingelegt. Aber die Stimmung war merkwürdig mau &#8211; nur bei den eingängigen Rhythmen von Gazelle zuckte doch das eine oder andere Knie.</p>
<div id="attachment_15674" class="wp-caption aligncenter" style="width: 459px"><a href="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/11/conny-opper-smirnoff-.jpg" rel="shadowbox[sbpost-15669];player=img;" title="conny opper smirnoff"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/11/conny-opper-smirnoff-.jpg" alt="conny opper smirnoff" title="conny opper smirnoff" width="449" height="600" class="size-full wp-image-15674" /></a><p class="wp-caption-text">Poster</p></div>
<p>Das Publikum war bunt zusammengewürfelt (erstmal nichts Schlechtes), viele gerade im Alter, ab dem man legal Alkohol konsumieren darf, bis Mitte 30. Einige Herren sahen aus, als ob sie gerade von der RWE-Jahresparty kommen, eine jüngere Dame glänzte mit einem Hut, der die Konkurrenz in Ascot hätte erblassen lassen, ein paar Verloren rumstehende, die nicht wußten, was sie hier eigentlich wollten, und durchschnittliches Indie-Publikum, wie man es vielleicht auf dem Berlin Festival oder ähnlichen Veranstaltungen antreffen kann. Am Eingang traf ich auch ein paar überdurchschnittlich attraktive, perfekt durchgestylte Menschen mit wohlklingenden spanischen Namen, die aber so ein Gewese um sich und ihre Präsenz auf der VIP-Liste gemacht haben, dass sie garantiert nicht wichtig waren. Es liefen vergleichsweise viele, wenn auch nicht allzuviele Menschen afrikanischer Abstammung rum, zumeist <em>dressed to the nines</em>. Zu vermuten, dass man sie als Deko engagiert hat, wäre vielleicht zu böse. Berlin ist ja &#8211; angenehmer Weise &#8211; eine internationale Stadt, wo sich auch echte afrikanische Nightclubber auf ein Fake-Event verirren.</p>
<p>Mindestens so viel Faszination wie die Musik schien die Coctailbar auszuüben, wo man gegen Bons kostenfrei wohl typisch südafrikanische Drinks, natürlich mit Wodka von der das Event bezahlenden Marke, bekam (soweit ich sah keiner alkoholfrei). Die waren, soweit ich das beurteilen kann, vorzüglich, aber ich bin bei Coctails auch deutlich weniger sensibel als bei Musik &#8211; um nicht zu sagen, ich habe keine Ahnung davon. Für einen kostenfreien Abend, bei dem man auf Werbeevent eingestellt ist, alles sehr nett, und die Künstler/innen und Herr Opper haben sicher auch überdurchnittlich viele Scheinchen ins Portemonaie zählen dürfen. Aber ein Sponsored Event kann, wie es sich hier zeigte, nie das Real Thing sein. You can&#8217;t buy love, and you can&#8217;t buy style.</p>
<p><strong>Fotos vom Abend <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2010/11/30/smirnoff-nighlife-exchange-mit-spoek-mathambo-gazelle-peaches-und-boys-noize/" target="_blank">hier</a>.</strong></p>
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		<title>Ari (by Judy Nylon)</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Oct 2010 15:13:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Themen]]></category>
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		<category><![CDATA[Judy Nylon]]></category>
		<category><![CDATA[Punk]]></category>
		<category><![CDATA[The Slits]]></category>

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		<description><![CDATA[Tweet I’m flipping memories, like wild cards spinning over 37 years of Ari. She often seemed barely contained by her body. Because she and I were so different, yet always totally comfortable with each other, I think I should speak up about all that we had in common and celebrate the vast wingspan of British [...]
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>I’m flipping memories, like wild cards spinning over 37 years of Ari. She often seemed barely contained by her body. Because she and I were so different, yet always totally comfortable with each other, I think I should speak up about all that we had in common and celebrate the vast wingspan of British punk that sheltered and formed us both. In those days Chrissie Hynde always said I reminded her of a cross between Lily Tomlin’s character ‘Edith Ann’ and ‘Howdy Doody” because my clothes were always too tight under the arms and I walked around like an angry ‘Snow White’ but was over-smiling in private. If I was all that, Ari reminded us all of a cross between Kay Thompson’s ‘Eloise at the Plaza’ and ‘Big Bird’ on Sesame Street. From the first day I met her she has been my favorite tattered fairy. In the prevailing style of the times, both of us were neither fish nor fowl…..and we weren’t British. We were what I have come to call ‘Fourth World”.</p>
<div id="attachment_12567" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/10/ari-up-by-judy-nylon.jpg" alt="ari up by judy nylon" title="ari up by judy nylon" width="600" height="496" class="size-full wp-image-12567" /><p class="wp-caption-text">Ari Up by Judy Nylon / Courtesy of Judy Nylon</p></div>
<p>I remember how much fun it was watching the Slits that night on stage at the <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Holland_Park_School" target="_blank">Holland Park Comprehensive School</a> and helping Palmolive load out her drums because friends and the band were the roadies and Nora [Forster, Ari's mother] drove. Everybody was there. Chrissie and I had walked from Chelsea. I think Ari was enrolled at HPCS in those days, it had probably been suggested to Nora by Chris Spedding who was then reading about the ideas of Maria Montessori and Rudolf Steiner. And then I remember trying to jam with the Slits when I got my first bass on Denmark St. I had no idea how to do anything with a guitar, but just to be among typical girls and feel comfortable enough to flail at it made me so happy. I could be loud and awful and laugh about it. I ate my first ‘chip butty’ that afternoon.</p>
<p>Much will be made about Ari being Jamaican identified. Ari, Little Annie and I all worked under the On-u umbrella. All of us were interested in empathizing with the whole rainbow of cultures. We still are. To be different is to have something new to offer. There was no special ghetto in punk to be separated into by race, age, looks, nationality, sexual choices, or whatever. But there was also a reality. Even recently it came up again, talking with Carolyn “Honeychild&#8221; Coleman”, that when it comes to handicaps “gender” trumps race, or anything else every time. In the struggle for gay rights, it is most often the perceived “feminization” of men that calls out the worst hatred. It’s not a level playing field and Ari, by example, helps me come to terms with female history being a special and an almost secret lineage to be proud of. To reorder things historically is to particularly fly in the face of the male history of the entertainment business and it’s not about blaming individual men; there is an ancient structure in place that just needs the spotlight thrown on it regardless of how tiring that gets. Ari was all for honoring and telling the story through time from the girl point of view. We were determined to be strong. We all loved Nico. Tessa and Nico were quite close at one point and Nico and I go back even earlier. I remember Ari saying that ‘if only Nico had been born a little later she would have been with us and not been so alone.’ None of us felt alone; Ari was the queen of inclusive. She was ‘of the people’ and faced more heartbreak and disappointments than you’ve heard about.</p>
<div id="attachment_12569" class="wp-caption aligncenter" style="width: 574px"><a href="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/10/ari-up-judy-nylon.jpg" rel="shadowbox[sbpost-12561];player=img;" title="ari up judy nylon"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/10/ari-up-judy-nylon.jpg" alt="ari up judy nylon" title="ari up judy nylon" width="564" height="439" class="size-full wp-image-12569" /></a><p class="wp-caption-text">Ari Up and Judy Nylon / Courtesy of Judy Nylon</p></div>
<p>We did a guest night in LA on She Rocks at KXLA together last year. Ari had reached out to the younger generation of girlfriends and dragged me in. She was a ‘steamroller’. Man, you could hardly get a word in. On another occasion I ran into Ari on the street in NYC and she twisted my arm to come along and speak to a group of twenty something year old women who get together as Ladies Lotto. I didn’t want to go because I didn’t have any makeup on and was in my funky old clothes after getting something out of my storage bin. Ari stood up there and encouraged self-creation, a revolution starting with oneself. She espoused her truth that having children shouldn’t hold you back and talked about how much she loved her kids, music, and believed in change from the heart. I talked too; we had to show that it was possible to stay true to the beliefs of youth and build on them. I met quite a few of her Brooklyn girlfriends that summer night and walked back from Chelsea with Kyana Gordon. There was another time when Ari spent everyone’s last cent on a tiny red wooden piano in Chinatown that she wanted to use on stage. When we got to the restaurant to meet, Jane Friedman, June Hony and Claire O’Conner, we had a piano but it was not a place where you could sing for supper. She was loud and clear on the punk panel for HOWL in NY one year too. There are so many stories. I’m glad she got her artist’s quote out in her own voice, “I’m not here to be loved; I’m here to be heard.”</p>
<p>The day that keeps coming back to mind though, is a special day we spend in LA. Nora, Ari, Wilton and I took John’s boat out off Santa Monica. It’s a beat up huge powerboat that Nora had to stand on a cushion to drive. She put the petal to the deck. That boat flew. I had to use the safety pins off my key ring to keep the boat roof tarp from flapping. It was a punk pirate ship and we were surrounded by maybe two dozen tiny dolphins’ playing in our wake. The light was perfect late afternoon in LA pinkish amber. It was shared magic followed by excellent fried clams in Malibu. I roll that day, even with the cranky bits, across my brain over and over when I think of her gone. There will be a lot written about the Slits and the punky reggae she lived. You know Ari would not leave the writing to the professional pundits so all of us who knew her can coax out a few words, like shards, offerings, to build the larger than life memory of her that’s hand made and mad true.</p>
<p><em>Creative Commons copyright: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/<br />
Noncommercial  attribute, share, copy, distribute, display, translate &#8211; and derivative works based upon it &#8211; but for noncommercial purposes only&#8230;..or contact Judy Nylon via barbara at popkontext.de.</em></p>
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		<title>David Lynchs Interview Project Germany &#8211; Menschenschicksale als Branded Entertainment</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Oct 2010 03:48:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
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		<category><![CDATA[Absurda]]></category>
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		<category><![CDATA[Interview Project]]></category>
		<category><![CDATA[Mercedes]]></category>
		<category><![CDATA[Red Onion]]></category>
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<p>Eben wollte ich ein paar sachliche Zeilen über das <a href="http://www.interviewproject.de/about/" target="_blank">David Lynch Projekt Germany</a> schreiben, als mir bei der Recherche schnell die Lust dazu verging &#8211; und der Ekel hochkam. Mich wunderte, warum ich nicht bei den Bloggern, die sonst ganz weit vorn sind, davon las, sondern zufällig über Facebook darauf kam. Und dann nur einen <a href="http://www.filmecho.de/aktuell/tv_und_medien/meldung/?id=13082-David-Lynchs-Interview-Project-kommt-nach-Deutschland" target="_blank">Text in Marketingsprech in einem Branchenblatt</a> fand. </p>
<p>Die sich, wie sich herausstellte, sprachlich ziemlich nah an der <a href="http://upload.redonion.de/press/150610_Lynch_PM_red_onion.pdf" target="_blank">Pressemitteilung der Webeagetur Red Onion</a> aus Berlin bewegte. In dieser verkündet man stolz, einen „Vertrag mit David Lynchs Produktionsfirma Absurda“ unterzeichnet zu haben, und „mit Internet-Roadmovie ihr erstes Projekt im Bereich Branded Entertainment“ starten will. „Das Ziel ist der Aufbau einer eigenen deutschen Fancommunity [für das Filmprojekt]“,  wird der eigene Geschäftsführer und Inhaber Stephan Balzer zitiert. Weiter: „Die Einbindung von Marken soll dabei inhaltlich und kommunikativ neue Wege gehen und effektiver erfolgen als bei traditionellem Sponsoring, bei dem meist nur eine Logo-Einbindung erfolgt.“ Das David Lynch Interview-Projekt sei eine &#8220;spannende Reihe von Kurzfilmen, die sich dem vermeintlich gewöhnlichen Leben der Amerikaner widmet und einen Querschnitt durch Amerika zeichnet;&#8221; es gehe um die &#8220;ganz gewöhnlichen Menschen Amerikas.&#8221;</p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/d2_wenvFzbk?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/d2_wenvFzbk?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object></p>
<p>Ich habe nicht alle der kurzen Porträts gesehen, aber die Handvoll, die ich mir angeschaut habe, zeigten keineswegs „gewöhnliche“ Amerikaner. Für eine bestimmte Sorte unreifer, arroganter Werbefuzzis, denen jede persönliche Moral abgeht, mag es  so aussehen, als ob das die „gewöhnlichen“ Menschen sind &#8211; von denen man sich in seiner eigenen unzulänglichen Welt, die man aber für das Non Plus Ultra hält, besser abgrenzen kann als von normalen Büroangestellten oder Verkäuferinnen in alltäglichen, aber soliden Jobs, mit mehr oder weniger intakten Familien und Mittelklasse-Lebensstandart und zumindest der vagen Chance, Dinge auch in Frage zu stellen. </p>
<p>Die Mehrheit der Porträtierten – um nicht zu sagen alle, deren drei bis fünf Minuten Lebensgeschichte ich mir angeschaut habe – waren sehr einfache Menschen, die harte Arbeitsleben hinter sich hatten oder im klassischen Sinne gescheitert waren, ihre Liebsten und / oder ihre Träume verloren hatten, nie im Leben Fuß gefaßt haben und / oder gesellschaftliche Außenseiter sind. Manche &#8211; wenige &#8211; waren auch zufriedene Menschen, deren Leben nach Plan verlaufen war und die nie Fragen gestellt haben oder Ansprüche und Träume hatten. Die meisten von ihnen waren relativ bis sehr arm und häufig älter, alle vom Lande oder aus der Kleinstadt. Sie wurden allein gezeigt, vor der Kamera, erzählten offen von einfachen, schönen und vielen tragischen Dingen in ihrem Leben, einige weinten, die meisten zeigten einen trotzigen Willen zum Glück, das sie oft im Glauben gefunden hatten, oder zumindest zum Leben, auch wenn die meisten dem „amerikanischen Traum“ nicht ferner sein konnten. Genau das macht den Reiz der Serie aus. Sie zeigt ungeschminkt und ohne externen Kommentar das harte Leben am unteren Ende der US-Gesellschaft, das vielen Städtern, besser Gebildeten oder Wohlhabenderen völlig fremd ist und zu der sich der Betrachtende je nach eigener Perspektive seinen Teil denken kann.</p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/w8nH6r5dgz0?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/w8nH6r5dgz0?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object></p>
<p>Ich weiß nicht, ob noch jemand anders hinter dem Original Interview-Project steckt außer Lynchs Produktionsfirma Absurda und der als Sponsor angegebene Webhoster <a href="http://mediatemple.net/" target="_blank">Media Temple</a>, der vermutlich die Plattform bereit stellt. In Deutschland soll die Marke Mercedes beworben werden &#8211; welche sich diese „gewöhnlichen“ Menschen im Zweifelsfall niemals leisten können. Geht es also bei solcher Markenwerbung dann doch darum, sich von diesen vermeintlich „gewöhnlichen“ Menschen abzugrenzen, sich an ihrem Leid oder ihren Unzulänglichkeiten zu ergötzen? An den fauligen Restzähnen der Trailerbewohnerin, an dem vom Alter und einem harten Leben gezeichneten Gesicht des schwarzen Mannes, der kein Zuhause hat oder der schwitzenden Haut des drogensüchtigen schwulen weißen Jungen in der Kleinstadt? Die aus ihren kargen Leben im Zweifelsfall noch etwas Glück und Freude herauskratzen können? Was sonst will eine Werbefirma, die offenbar nur sieht, dass die Serie mehrere Preise, unter anderem Webby Awards, gewonnen hat, und eine als ernsthafter Filmemacher „gebrandete“ „Celebrity“ namens David Lynch dahinter steht? Was macht sonst eine solche Porträtserie dazu geeignet, die ersten Schritte ins „Branded Entertainment“ zu gehen, „für Kunden [wie Mercedes] eigene Themenplattformen zu entwickeln“, und die Marke effektiver einzubinden? </p>
<p>Nun sind die deutschen Episoden noch nicht veröffentlicht. (Mindestens) zwei US-Amerikaner &#8211; Jason S. und Lynchs Sohn Austin, die auch bei der US-Serie Kamera und Regie geführt haben &#8211; und die freundliche deutsche Begleitung von der Marketingagentur fahren gerade durch Deutschland, um ihren Blick auf das einfache Volk hierzulande zu werfen. Gerade haben sie in München ein junge Frau interviewt, die von einer privaten Schauspielschule abgelehnt wurde. Das deutet darauf hin, dass man sich hier vielleicht auf ein anderes Milieu und einen andere Altersgruppe konzentrieren mag. Vielleicht tatsächlich, anders als in der US-Version, die „gewöhnlichen“ Menschen, den Studenten, die Verkäuferin, die Fabrikarbeiterin, die Arbeitslose, den Gärtner, den Büroangestellten, die selbständige Grafikdesignerin, den Geschäftsführer, die Hausfrau und Mutter, den alten Mann in der Kneipe. Ob die dann diesem merkwürdigen Gespann, das sich sicher sehr umgänglich geben kann und kaum erzählen wird, dass es gerade „Branded Entertainment“ für Mercedes abdreht, auch so offenherzig von ihrem Leben und ihrer Philosophie berichten, genauso berührende, weil echte Geschichten? Wenn Lynch an wahrhaftigen Porträts Interesse gehabt hätte, hätte er sich andere Partner gesucht als eine schmierige Werbeagentur. So ist schon der Ansatz falsch, egal wie das Endergebnis aussieht.</p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/FIicxyhGivw?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/FIicxyhGivw?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object></p>
<p>Natürlich mag man argumentieren, dass alles im Kapitalismus Ware ist, auch Kunst und Kultur – und Menschenwürde. Das wurde schon Anfang des letzten Jahrhunderts über soziologische Arbeiten und vergebliche künstlerische Ausbruchsversuche geklärt. Aber wenn oft tragische menschliche Schicksale von einer Werbeagentur als Möglichkeit gesehen werden, ins „Branded Entertainment“ einzusteigen, ist das ethisch noch unter dem Niveau von mittäglichen Fernsehshows, in dem Schicksale einfacher Menschen vermarktet werden, die einmal im Leben jemand sein möchten. Hier wird den Interviewpartnern, aber auch den Zuschauern, eine Seriosität vorgegaukelt, die gar nicht gegeben ist. Und dann wirbt diese Agentur mit den tollen Kontakten zu in- und ausländischen „Celebrities“ auch noch mit Fingerspitzengefühl. Und David Lynch sollte sich lieber an Handtaschenwerbung halten, wenn er sich ein extra Taschengeld verdienen will. Und wer sich für aus Empathie für die &#8220;gewöhnlichen&#8221; Menschen gemachte Porträts interessiert, sollte die Bücher von Studs Terkel lesen.</p>
<p><object width="640" height="505"><param name="movie" value="http://www.balistikart.fr/_lady_dior/LR.swf"></param><param name="wmode" value="transparent"><param name="bgcolor" value="000000"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.balistikart.fr/_lady_dior/LR.swf" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" bgcolor="000000" width="640" height="505"></embed></object></p>
<p><H3>Links</H3><br />
<a href="http://interviewproject.davidlynch.com" target="_blank">David Lynch Interview Project<br />
<a href="http://www.interviewproject.de" target="_blank">Interview Project Germany</a><br />
<a href="http://upload.redonion.de/press/150610_Lynch_PM_red_onion.pdf" target="_blank">Pressemitteilung der Werbeagetur Red Onion </a></p>
<p><em><strong>Update:</strong></em> Hier der Trailer zum Interview Project Germany: </p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/17920071" width="640" height="360" frameborder="0"></iframe>
<p><a href="http://vimeo.com/17920071">INTERVIEW PROJECT GERMANY</a> from <a href="http://vimeo.com/user5508604">IPG</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
<p><em>&#8220;INTERVIEW PROJECT GERMANY&#8221; was deleted at 4:22:58 Tue Feb 1, 2011.</em></p>
<p><strong>2. Update:</strong><br />
Da es einigen Leser/innen nicht klar zu sein scheint und auch das Interview Project Germany Mercedes auf seiner Seite fälschlich als Sponsor bezeichnet, obwohl in der Pressemitteilung eindeutig von Branded Entertainment gesprochen wird: Es ist ein Unterschied, ob eine Firma oder ein Konzern eine Filmproduktionsfirma o.ä. <em>sponsered</em>, d.h. ein Projekt unterstützt, um ihr / sein Image damit zu schmücken, oder ob eine <em>Werbeagentur </em>mit der Produktion eines Films o.ä. als Branded Entertainment beauftragt wird, also einem ausgedehnten Werbeclip.</p>
<p>Hier mal kurz zur Klärung die einleitenden Definitionen aus der Wikipedia:<br />
<em>Unter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sponsoring" target="_blank"><strong>Sponsoring</strong></a> versteht man die Förderung von Einzelpersonen, einer Gruppe von Menschen, Organisationen oder Veranstaltungen, durch eine Einzelperson, eine Organisation oder ein kommerziell orientiertes Unternehmen, in Form von Geld-, Sach- und Dienstleistungen mit der Erwartung, eine die eigenen Kommunikations- und Marketingziele unterstützende Gegenleistung zu erhalten.<br />
Sponsoring wird von Unternehmen (dem Sponsor) zum Zweck der Kommunikationspolitik des Marketings betrieben. Ziel ist, durch die Förderung des Empfängers auf das eigene Unternehmen, vornehmlich im Zusammenhang mit einem medienwirksamen Ereignis, aufmerksam zu machen. Sponsoring ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen, mit dem Ziel der Absatzförderung für Produkte und Dienstleistungen, für die dem Produktnutzen ein &#8220;Erlebnisnutzen&#8221; hinzugefügt werden soll.</em></p>
<p><em><strong><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Branded_entertainment" target="_blank">Branded entertainment</a></strong> [...] is an entertainment-based vehicle that is funded by and complementary to a brand&#8217;s marketing strategy. The purpose of a branded entertainment program is to give a brand the opportunity to communicate its image to its target audience in an original way, by creating positive links between the brand and the program.</em></p>
<p><strong>3. Update:</strong><br />
Der Trailer zum Interview Project Germany wurde am 1. Februar von Vimeo gelöscht. Wie von einem Kommentatoren, der anscheinend Insiderwisssen hatte, bereits angekündigt, erschien kurz darauf die Werbekampagne von Daimler, die sich an die Struktur des Interview Projects anlehnt und für das offenbar auch die Rechte von Absurda gekauft worden sind (<a href="http://www.125-years-of-automobiles.com/de_DE/interviews" target="_blank">hier</a>). Hier stellen die portätierten Menschen ihre lebensgeschichtliche Beziehung zur Marke Mercedes-Benz dar. Zunächst sind es offenbar vorrangig Interviews mit Mercedes-Benz Mitarbeiter/innen und Umfeld, aber die Kund/innen können an einem Gewinnspiel teilnehmen, um auch porträtiert zu werden. Ganz deutlich wird hier nicht nur die mindere Qualität der Interviews (um nicht zu sagen, dass sie peinlich und seelenlos sind, weil völlig aufgesetzt und somit gar nichts mehr mit dem Original zu tun haben), sondern auch der klare Klassenunterschied. Auf der Seite findet sich kein Verweis auf die ausführende Werbefirma, aber aufgrund des Insiderkommentars und der obigen Pressemitteilungen ist anzunehmen, dass auch diese Kampagne von Red Onion gestaltet wurde (was zu belegen bleibt und gern korrigiert wird, falls es nicht zutrifft).</p>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>All Together Now Camp &#8211; Gutes Programm und Imageprobleme</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Sep 2010 13:05:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Themen]]></category>
		<category><![CDATA[alltogethernow]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin Music Week]]></category>
		<category><![CDATA[Edgar Berger]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Free Music Archive]]></category>
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		<description><![CDATA[Tweet Die Berlin Music Week wird ziemlich an mir vorbeigehen, weil ich andere Dinge zu tun habe, eine extreme Unlust verspürt habe, um Akkreditierungen zu betteln und sie medial sowieso mehr als gut abgedeckt ist. Aber ein bißchen wollte ich mir doch anschauen und habe auf der a2n-Camp vorbeigeschaut. Zumal ich es sehr zwiespältig fand, [...]
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			<content:encoded><![CDATA[<div class="bottomcontainerBox" style="background-color:#F0F4F9;">
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Die Berlin Music Week wird ziemlich an mir vorbeigehen, weil ich andere Dinge zu tun habe, eine extreme Unlust verspürt habe, um Akkreditierungen zu betteln und sie medial sowieso mehr als gut abgedeckt ist. Aber ein bißchen wollte ich mir doch anschauen und habe auf der a2n-Camp vorbeigeschaut. Zumal ich es sehr zwiespältig fand, wie sich die im letzten Jahr kurzfristig entstandene Alternativveranstalltung zur Popkomm im Vorfeld vermarktet hat. Viel gesprochen wurde von &#8220;anders&#8221;, &#8220;neu&#8221; und &#8220;alternativ&#8221;, andererseits waren die Gesichter der Ideenmesse die gleichen älteren Herren, die mich auch bei der Popkomm eher vergraulen, mir das Gefühl geben, dass es nicht meins ist.</p>
<div id="attachment_9258" class="wp-caption aligncenter" style="width: 650px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/09/renner-berger-a2n-web.jpg" alt="renner berger a2n" title="renner berger a2n web" width="640" height="431" class="size-full wp-image-9258" /><p class="wp-caption-text">Tim Renner (Motor.fm) / Edgar Berger (Sony) / Foto: Barbara Mürdter</p></div>
<p>Dabei war das Programm nur schlecht vermarktet, und ansonsten recht interessant und vielseitig. So habe ich das Vergnügen gehabt, zwei von mir sehr geschätzte, innovative Projekte und ihre Macher kennen zu lernen, <a href="http://soundcloud.com/" target="_blank">Soundcloud </a>und das <a href="http://freemusicarchive.org/" target="_blank">Free Music Archive</a> (zu beiden bald mehr auf Popkontext). Selbst ein Gespräch von Tim Renner mit Sony-Chef Edgar Berger war interessant, nur um mal zu sehen, dass bei den Major-Bürokraten &#8211; Berger ist von Haus aus Maschinenbauingenieur und Wirtschaftswissenschaftler &#8211; noch immer absolutes Unverständnis dafür herrscht, wie das Netz funktioniert. Schöner Kracher zum Beispiel: Berger hat bei der Vorstellung einer günstigen monatlichen Flatrate to keep fast hyperventiliert. Da könnten sich ja die Leute in sechs Monaten sämtliche produzierte Musik herunterladen und dann das Abo beenden! Allein diese Idee zeigt, dass der Mann in der Beziehung Null Ahnung hat: Die Zahl der Leute, die das tatsächlich machen würden, ist zu vernachlässigen &#8211; die meisten würden vielleicht erstmal viel runterladen, aber nie systematisch alles, und bei einem akzeptablen Preis dabei bleiben und so neue &#8211; und neue alte &#8211; Sachen entdecken und kaufen. Renner meinte auch nur, runterladen tun sie ja jetzt schon, nur verdient ihr nichts daran.</p>
<div id="attachment_9270" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/09/dave-haynes-soundcloud-web.jpg" alt="Stereo Total - Tour De France" title="dave haynes soundcloud web" width="600" height="391" class="size-full wp-image-9270" /><p class="wp-caption-text">Dave Haynes (Soundcloud VP Business Development London, rechts) und Berliner Soundcloud-Mitarbeiter / Foto: Barbara Mürdter</p></div>
<p>Leider ist Identity Politics offenbar an den Macher/innen völlig vorbei gegangen: Auch das Publikum war vorrangig männlich, weil das Image der Veranstaltung für Frauen etwa so ansprechend war wie die Piratenpartei, mir sind zudem ganze zwei nichtweiße Menschen über den Weg gelaufen, und das in so einer internationalen Stadt wie Berlin. Die ausländischen Gäste und Redner waren (fast?) ausschließlich englischer oder US-amerikanischer Provinienz &#8211; da war die Popkomm vor zwei Jahren <em>deutlich </em>internationaler, zumindest was die Stände anging. Das und das Durchsschnittsalter der wortführenden Herren &#8211; möglichst noch im Anzug &#8211; passt nicht zu einem alternativen Image. Als ich mir dann das Abendprogramm anschauen wollte, ein ganz toller Act aus dem Kaffee Burger, musste ich nach kurzer Zeit fliehen: eine Handvoll, ähm, älterer Herren vom Typ Bluesfreund auf der Bühne erzählte Rockgeschichte anhand von Chuck Berry und Keith Richards und spielte countryeske Rockmusik dazu. Später soll wohl noch kurz eine (sehr) junge Frau dazu gekommen sein. Irgendwer meinte, es muss ironsich gemeint gewesen sein, vielleicht habe ich ja was verpasst?</p>
<p>Andererseits entstand bei mir nach mehreren Gesprächen mit Macher/innen der Eindruck, dass die Alltogethernow von den anderen an der Berlin Music Week Beteiligten ziemlich wie das häßliche Stiefkind behandelt wird, einerseits potentielle Konkurrenz (von wegen <a href="http://www.popkontext.de/index.php/2010/05/03/%E2%80%9Egemeinsamkeit-ist-plotzlich-trend%E2%80%9C-berlin-music-week-6-12-september-2010/" target="_blank">Gemeinsamkeit ist plötzlich Trend</a>), andererseits als nicht ganz ernst zu nehmend. So konnten wohl z.B. viele a2n-Mitarbeiter/innen und Speaker keine Karte für das Tempelhof-Gelände bekommen, auf dem der zweite Teil der a2n, der Kongress stattfand / stattfindet. In so einem Fall hilft es aber nicht, sich anzudienen und zu versuchen die Popkomm nachzuäffen, in dem man sich abgewrackte Prominenz wie Gorny an Land holt, um vermeintlich wichtig wichtig zu wirken. Ein Berger hat gereicht, um das alte, etablierte Denken vorzuführen. Aus meiner Sicht hat die a2n nur eine Chance, wenn sie es schafft, nicht nur neue, innovative Projekte im Programm zu haben, sondern das auch nach Außen zu kommunizieren über ein selbstbewußtes, wirklich frisches Image, in dem auch Frauen, Jüngere und Menschen aus der kulturell vielfältigen Szene Berlins und darüber hinaus vorkommen (und auch was zu sagen haben). Mit einem souveräneren, reflektierteren und eigenständigeren Image hat die Veranstaltung eine Chance, sich als Alternative auf Augenhöhe zu präsentieren und zu etablieren. Dieses Jahr war der erste Test &#8211; ich bin auf das nächste gespannt.</p>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Video: Peaches &#8211; Showstopper</title>
		<link>http://www.popkontext.de/index.php/2010/07/15/peaches-showstopper/</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 14:19:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das gute Video]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Caroline Sascha Cogez]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Peaches]]></category>
		<category><![CDATA[Showstopper]]></category>

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		<description><![CDATA[Tweet Mit ihrem neuen Video scheint Peaches wieder auf Skandal aus zu sein. Diesmal legt sie sich allerdings mit einer Klientel an, die etwas in ihr sieht, was auch Popkontext an ihr schätzt: Die Aufwertung von Frauen und Diversifizierung von Frauenbildern. Im neuen Video wird aber eine einfache Frau, die ihrem eher unerfreulichen Job nachgeht, [...]
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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bottomcontainerBox" style="background-color:#F0F4F9;">
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p><object width="480" height="295"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/1oRjAHAxudQ&amp;hl=de_DE&amp;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/1oRjAHAxudQ&amp;hl=de_DE&amp;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="295"></embed></object></p>
<p>Mit ihrem neuen Video scheint Peaches wieder auf Skandal aus zu sein. Diesmal legt sie sich allerdings mit einer Klientel an, die etwas in ihr sieht, was auch Popkontext an ihr schätzt: Die Aufwertung von Frauen und Diversifizierung von Frauenbildern. Im neuen Video wird aber eine einfache Frau, die ihrem eher unerfreulichen Job nachgeht, als spießig und verklemmt dargestellt, nur weil sie mit Peaches nicht über ihren Cameltoe reden will und völlig berechtigte Angst um ihr Arbeitsgerät hat, das andere mit Füßen treten. Da Peaches nicht dumm ist, fragt man sich tatsächlich nach dem Grund für die Aussage, die sich erstmal liest: Frauen, die nicht so extrovertiert sind wie ich sind Scheiße, und eine gute Vorlage als Schenkelklopfer für eine bestimmte Sorte Typen gibt, auf die zumindest Popkontext keinen gesteigerten Wert legt. Hat Peaches schlechte Erfahrungen gemacht und das ist ihre Rache? Muss sie sich gegen eine feministische Vereinnahmung abgrenzen? Fällt ihr nichts mehr besseres ein, womit sie noch provozieren kann? Sicher ist, dass dieses Video wieder heiß diskutiert wird.</p>
<p>With her new video, Peaches seems to be seeking scandal again. But this time she provokes a clientele who sees something in her that Popkontext also does: a role model for the empowerment of women and for the diversification of female images. In the new video though she dismisses a simple woman doing her rather shitty  job as being uptight and square just because she doesn&#8217;t want to discuss Peache&#8217;s cameltoe and is worried about her equipment being destroyed &#8211; for a good reason, as it is quite literally trampled under foot. As Peaches is certainly not stupid, you really ask yourself what she wants to say. At least at first glance this video carries the message: Women who are not as extroverted as I am are shit, and a certain type of men we are not particularly fond of here will certainly have a good laugh at this woman that is portrayed as sexually not particularly attractive and unprovocative. So the question is: Did Peaches make a bad experience and this is her revenche? Does she feel the need to distance herself from (perceived) feminist exploitation? Are there no other ideas left to provoke? We will see, as one thing is certain: There will be a hot debate about this video again.</p>
<p>Peaches in besseren Tagen, als die Provokation noch souveräner war: </p>
<p><object width="480" height="295"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/QzdefT9nNOM&amp;hl=de_DE&amp;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/QzdefT9nNOM&amp;hl=de_DE&amp;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="295"></embed></object></p>
<p>Und hier ein anderer Kurzfilm von Clip-Regisseurin Caroline Sascha Cogez: &#8220;The Present&#8221; aus der Serie &#8220;Life Is a Moment You Define&#8221;, die als <a href="http://www.imdb.com/name/nm0169032/" target="_blank">Regieassistentin von Lars von Trier</a> u. a. bei <em>Dogville </em>und<em> Dancer in The Dark</em> gelernt hat.</p>
<p><object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/fnYHdhsh804&amp;hl=de_DE&amp;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/fnYHdhsh804&amp;hl=de_DE&amp;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
<p><strong>Update:</strong> Peaches selber <a href="http://www.spinner.com/2010/07/14/peaches-show-stopper-video/">erzählte Spinner folgendes</a> zu dem Video:<br />
Zwar habe Caroline Sascha Cogez das Script geschrieben und Regie geführt, aber sie selber habe auch sehr stark zur Geschichte und dem ganzen Prozess beigetragen. &#8220;Ich versuchte, die verrücktesten Ideen einzubringen. So wie &#8216;Lass uns den Massagetisch auf die Bühne stellen und schauen, was passiert.&#8217; Wir erzählten niemandem, das es für etwas gefilmt wurde &#8211; wir hatten einfach Spaß und die Leute sind durchgedreht. Es waren alles echte Fans. Ich habe an dem Abend wirklich aufgelegt und Interviews gegeben&#8230;Ich mag die Momente, wo es ungemütlich ist, wo die Peaches, die man von der Bühne kennt oder aus Interviews vielleicht Auswüchse hat, die man nicht kennt und vielleicht auch gar nicht kennen will&#8230;Ich mache mich über mich selbst lustig, und über die ganze Vorstellung, sich selbst, ein Image aufzubauen, wie man sich selbst auf ganz unterschiedliche Art darstellen kann.&#8221;</p>
<p><em>The whole article in Spinner in English <a href="http://www.spinner.com/2010/07/14/peaches-show-stopper-video/"  target="_blank">here</a>.</em></p>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Vuvuzela My Ass</title>
		<link>http://www.popkontext.de/index.php/2010/06/16/vuvuzela-my-ass/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 00:45:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Muerdter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
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		<category><![CDATA[Lärm]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<div class="bottomcontainerBox" style="background-color:#F0F4F9;">
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			</div><div style="clear:both"></div><div style="padding-bottom:4px;"></div><p>Deutschland, die westliche Welt, erregt sich über das Lärmgerät mit dem schön afrikanischen Namen, den inzwischen auch jede/r noch so Sprachunbegabte aussprechen kann: Die Vuvuzela. Sie ziert den Spiegel wie die taz, jede Zeitung, die etwas auf sich hält, publiziert einen mehr schlecht als recht recherchierten Vuvuzela-Artikel. Sogar die New York Times fühlt sich bemüßigt, <a href="http://www.nytimes.com/2010/06/15/sports/soccer/15horns.html?WT.mc_id=SP-SM-E-FB-SM-LIN-DBS-061510-NYT-NA&#038;WT.mc_ev=click" target="_blank">etwas zum Thema zu sagen</a>, auch wenn die USA nicht gerade als Fußballnation bekannt ist.</p>
<div id="attachment_3244" class="wp-caption aligncenter" style="width: 603px"><a href="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/06/make-noise.jpg" rel="shadowbox[sbpost-3243];player=img;" title="vuvuzela daily sun make noise"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/06/make-noise.jpg" alt="vuvuzela daily sun make noise" title="vuvuzela daily sun make noise" width="593" height="140" class="size-full wp-image-3244" /></a><p class="wp-caption-text">Kommt nicht so gut an: Das vermeintlich traditionelle Horn, mit dem man Lärm macht / Foto: Screenshot aus Facebook</p></div>
<p>Auch das Internet ist im Aufruhr: Die einen unterstellen jedem, den der infernalische Lärm aus den Plastiktröten nervt, nicht nur Spießigkeit, sondern gleich <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/2911/nehmt-dem-neger-endlich-die-trote-weg" target="_blank">kruden Rassismus</a>. Und übersehen in ihrer Selbstgerechtigkeit schnell ihren eigenen, wenn sie nämlich implizit den (schwarzen) Südafrikanern per se unterstellen, dass sie Lärm super finden und auch nicht zu subtileren kulturellen Äußerungen fähig sind. </p>
<p>Und natürlich gibt es offene und latente Rassisten, die – um im Sprachgebrauch zu bleiben &#8211; genau in das gleiche Horn stoßen: Die Vuvuzela sei ein Ausruck einer fremden (=primitiven) Kultur, wie sie eben „Schwarzafrika“ eigen sei, die Vuvuzela passe nirgendwohin als da und sei für den (weißen) westlich geprägten Menschen eine Zumutung etc. Bei Facebook ist man damit beschäftigt, rassistische Bilder von Affen mit der Tröte und Anspielungen auf die vermeintliche Schwanzlänge von Afrikanern mit dem Spruch „How long can you blow me?“ zu entfernen. </p>
<div id="attachment_3245" class="wp-caption aligncenter" style="width: 376px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/06/rasssimus-vuvuzela.jpg" alt="rasssimus vuvuzela" title="rasssimus vuvuzela" width="366" height="506" class="size-full wp-image-3245" /><p class="wp-caption-text">Solche Bilder finden sich in Facebook zuhauf: Hier sind die Tröter offenbar als Afroamerikaner gedacht - aus Sicht des weißen Rassisten / Foto: Screenshot Facebook</p></div>
<p>Ich wurde zur Vuvuzela-Gegnerin, als sich mein weißer, deutscher, ca. 40jähriger Nachbar mit dem Gemüt eines 11jährigen so ein Ding bei Edeka (=Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler) besorgt hat und darauf den ganzen Tag herumhupte. Als er dann zur WM-Eröffnung seinen Fernseher auf den kleinen, extrem hellhörigen Hinterhof stellte, auf den alle meine Fenster gehen, und in voller Lautstärke die Spiele schaute, bin ich durchgedreht. Es war mir ehrlich gesagt völlig Wurst, aus welcher Kultur die Lärmerzeuger/innen kamen und welche Hautfarbe sie hatten – ich wollte nur Ruhe!</p>
<p>Von Anfang an war mir klar, dass die ganze Diskussion leicht in eine rassistische abdriften konnte, was ich auch immer wieder versucht habe zu thematisieren. Aus genau dem gleichen Grund sind die FIFA-Verantwortlichen – ob sie rassistisch eingestellt sind oder nicht – da jetzt sehr vorsichtig. Die ganze erste WM in Afrika war vom Gespenst des Rassismus überschattet. Dass jetzt auch die südafrikanischen Verantwortlichen und Fans erstmal bockig reagieren ist da verständlich. Sie sind stolz auf ihre WM und deren Symbol, die Vuvuzela. Dass diese &#8211; besonders im westlichen &#8211; Ausland, nicht so goutiert wird ist erstmal verletzend. Dem wollte man ja zeigen, was man drauf hat. Dass jetzt so ein Plastikteil, das eigentlich die Identität der Weltmeisterschaften ausmachen sollte, gleich zu Beginn unerwartet alles kaputt macht, muss erstmal verdaut werden. </p>
<div id="attachment_3247" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/06/how-to-use-a-vuvuzela.jpg" alt="how to use a vuvuzela" title="how to use a vuvuzela" width="600" height="375" class="size-full wp-image-3247" /><p class="wp-caption-text">Die Mehrheit der Vuvuzuela-Geschädigten kann sich hoffntlich mit diesem Comic anfreunden / Foto: Screenshot Facebook</p></div>
<p>Dabei ist auch das eigene Land geteilt. Der „Townshipbewohner an sich“ ist vielleicht tatsächlich lärmunempfindlicher – aus schierer Armut notgedrungen. Schwarze Mittelklasse-Südafrikaner, die sich ruhigeres Wohnen leisten können, gehören ganz sicher auch zu denen, die dafür sorgte, dass die Ohrstöpsel im Lande kurzfristig ausverkauft waren. Und auch der westliche Fußballfan ist nicht für seinen übermäßig subtilen Charme bekannt – es wird gefeiert, getrunken und die Mannschaft lautstark angefeuert. Anders ist das bei dem gleichen Klientel in Südafrika wahrscheinlich auch nicht. Nur dass die Südafrikaner für meinen Geschmack die <a href="http://www.youtube.com/v/nSdOVhPiqFE&#038;feature=player_embedded#!" rel="shadowbox[sbpost-3243];player=swf;width=640;height=385;" target="_blank">schöneren Gesänge</a> haben. Dass diese unter dem fiesen Getröte völlig verloren gehen, bedauere nicht nur ich, sondern auch eine Menge <a href="http://www.tagesspiegel.de/sport/fussball-wm2010/vuvuzela-die-stimmung-ist-gekippt/1857148.html" target="_blank">schwarze Südafrikaner</a>. </p>
<p>Auch ihnen fällt durchaus auf, dass das mit der Tradition und der Vuvuzela nicht so weit her ist: Auch wenn das Plastikteil Ähnlichkeiten mit dem Kuduhorn hat, mit dem die Vorfahren einst ihre Leute über große Distanzen zusammenriefen, ist es doch erst seit Ende der 90er ein Massenphänomen in den Stadien des Landes. Die Imageverantwortlichen für die WM wollten sie als Symbol für das „traditionelle Afrika“ vermarkten, was nun gründlich in die Hose ging. </p>
<p>Ganz böse Zungen behaupten, die Vuvuzela sei eine simple Imitation der zumeist kleineren und weniger lauten mexikanischen <a href="http://revolution.bandabeatrix.com.br/btx_revolution/wp-content/uploads/2009/06/ref-975-corneta-estica-enco.jpg" rel="shadowbox[sbpost-3243];player=img;" target=_blank">Corneta</a>, die dort auf den Plätzen dazugehört und angeblich schon bei der WM 1970 für Irritationen gesorgt hat – wohl weniger wegen der Lautstärke als aufgrund des fremdländischen Klangs. Ähnliche Geräte wurden vereinzelt auch auch<a href="http://www.gettyimages.com/detail/81452390/Sports-Illustrated" target="_blank"> in den 60ern in den USA gesichtet</a>, aber aufgrund der Lautstärke verboten. Fakt ist, dass <a href="http://uk.reuters.com/news/video/story?videoId=98933017&#038;videoChannel=2603" target="_blank">ein südafrikanischer Fabrikant indisch-holländischer Abstammung</a> für die erste Massenproduktion von Plastik-Vuvuzelas Anfang des Jahrzehnts verantwortlich ist. Und dann fand sich auch noch ein <a href="http://www.youtube.com/v/9ToLaSj_iA0&#038;feature=relatedg" rel="shadowbox[sbpost-3243];player=swf;width=640;height=385;" target="_blank">durchgeknallter Typ</a>, der rein an optischer Spacigkeit George Clinton in den Schatten stellt, und sich als Erfinder der (Blech-)Vuvuzela ausgab. Mit ihm haben die Rassisten ihren Klischeeafrikaner, aber wenn man sagt, er ist einfach ein durchgeschallerter Selbstvermarkter und nicht die Stimme des schwarzen Südafrika, setzt man sich auch gleich Rassismusvorwürfen von der anderen Fraktion aus.  </p>
<div id="attachment_3249" class="wp-caption aligncenter" style="width: 590px"><img src="http://www.popkontext.de/wp-content/uploads/2010/06/vuvuzela-my-ass.jpg" alt="vuvuzela my ass" title="vuvuzela my ass" width="580" height="388" class="size-full wp-image-3249" /><p class="wp-caption-text">Ein Bild, was sehr schnell die Runde machte, weil es offenbar vielen aus dem Herzen sprach / Foto: Screenshot Facebook </p></div>
<p>Meinethalben können sich alle, die darauf stehen, egal wo sie herkommen und wie sie aussehen, gegenseitig zuhupen bis sie taub sind oder ihre Lippen fusselig – nur ich will einfach nicht damit belästigt werden. Respekt und Toleranz gegenüber anderen Kulturen steht auf einem ganz anderen Blatt. </p>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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